Vom Bild zur Geschichte – eine Spurensuche

Veröffentlicht am 19.11.2020 in Bundesverband

Sicher am interessantesten ist dieses Bild. Hinter den vielen Mädchen wird ein großes Transparent mitgetragen, das Dr. Thomas Oellermann schnell einer Grafik von Georg Hans Trapp zuordnen konnte: Es zeigt Josef Gerl!

 

Zum Gedenken an einen Helden des Widerstandes

Ein Postkartensammler aus Česká Kamenice/Böhmisch Kamnitz hat im November 2020 seine neuesten Funde auf die Facebook-Seite „Sudetenland im Wandel der Zeit/Sudety v proměnách času“ gestellt, um herauszufinden, um welche Jugendorganisation es sich auf den Bildern handelt? Verortet sollten diese in Tetschen/Decin im Jahr 1932 sein.

Schnell stellte die Gruppe fest, dass es sich um die Jugendorganisation der DSAP, also die sozialistische Jugendorganisation der sudetendeutschen Sozialdemokratie handelt. Die drei Pfeile auf den (roten) Fahnen und die Uniformen sprachen dafür. Auf dem zweiten Bild sind auch zwei Mitglieder der Arbeiter-Samariter, die wohl die medizinische Betreuung übernommen hatten, zu sehen. Sie sind erkennbar an den weißen Armbinden mit dem weißen Kreuz auf schwarzem Grund. Außerdem zeigt das Bild eine Gruppe von Musikern, die den Zug begleiteten.

 

Leider sind die beiden weißen Banner, die mitgetragen werden nicht zu entziffern. Das erste beginnt mit den Worten „Nieder mit…“, auf dem zweiten ist „ein ausgestreckter …arm- …fäuste“ zu erkennen.

Auf den Ort könnte der Marktplatz mit dem Gasthof Adler hinweisen, konnte bisher aber nicht nachvollzogen werden.

Wenn man die Bekleidung der Teilnehmer ansieht, handelt es sich nicht um eine homogene Gruppe, es spricht viel dafür, dass neben Falken auch ATUS-Turner und Naturfreunde mitmarschieren.

 

Auf einem Bild wird ein großes Transparent mitgetragen, das Dr. Thomas Oellermann schnell einer Grafik von Georg Hans Trapp zuordnen konnte: Es zeigt Josef Gerl! Und damit bekam die Spurensuche eine ganz neue Richtung!

Josef Gerl, ein aus Böhmen stammender überzeugter Jungsozialist, wurde 1934 in Wien verhaftet und von einem Standgericht wegen eines Sprengstoffanschlags auf die Donauuferbahn mit leichtem Sachschaden, zum Tod verurteilt und erhängt. Diesem Umstand galten wohl die Kundgebung und der Umzug im Sommer 1934, denn Josef Gerl wurde nach seiner Hinrichtung zum Symbol einer ganzen Jungsozialistengeneration. Nach Josef Gerls Hinrichtung 1935 wurde in der Tschechoslowakei eine Broschüre unter dem Titel "Die Idee steht mit höher als das Leben" herausgegeben.

Der Sprengstoffanschlag auf einen Pfosten der Donauuferbahn hat der Sache des antifaschistischen Kampfes nicht genützt, es war ein Akt der grenzenlosen Verzweiflung. Aber Josef Gerls mutiges Auftreten vor dem Standgericht hat diesem Kampf neue Impulse gegeben. Sein Opfer war daher - wie immer man die Tat selbst beurteilen mag - nicht vergeblich. Sie hat alle, die im Dunkel der Illegalität den Kampf gegen den Austro- und Nazifaschismus führten, Mut und Zuversicht gegeben. Sie begriffen: Eine Idee, für die jungen Menschen bereit sind zu sterben, wird letztlich über die Henker triumphieren. Josef Gerl ist aus der Geschichte des Freiheitskampfes nicht wegzudenken.

Leider fehlt die Bestätigung, dass es sich um den Ort Tetschen handelt und in welchem Zusammenhang dieser Umzug stattfand. Gerne erwarten wir weitere Hinweise zu unserer Spurensuche!
 

 

 

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