Der deutsche Bund proletarische Freidenker

Gegen die Kirche! Der deutsche Bund proletarischer Freidenker kämpfte für eine atheistische Gesellschaft

 

Was war der Bund proletarischer Freidenker und was wollte er? Fati Rahimi interviewte den Historiker Thomas Oellermann bei Radio Wave

Wir befinden uns im Jahr 1920. Wir haben eine neue Republik und den Raum, neue Dinge zu schaffen. Der Bund proletarischer Freidenker, der in sich die deutschen atheistischen Sozialdemokraten vereinigte, sah im neuen Staat eine Reihe von Möglichkeiten, zum Beispiel zur Beschränkung der Rolle der Kirche in der Gesellschaft. Über die Geschichte des Bundes, seine Ziele und seine Aktivitäten haben wir mit dem Historiker Thomas Oellermann gesprochen.

 

Ein erster Freidenker-Bund in Böhmen entstand noch vor dem Ersten Weltkrieg. 1905 gründeten ihn Philosophen, Schriftsteller und weitere Intellektuelle. Auch deswegen wurde er im Krieg aufgelöst. „Die österreichischen Behörden sagten, dass eine solch kontroverse Organisation nicht bestehen kann. Sie fürchteten, dass es Unruhen in der Gesellschaft geben könne,“, nennt Oellermann als Hauptgrund für die Auflösung. Der Bund wurde nicht lange nach dem Krieg erneuert, als sich ihm auch Arbeiter aus dem Sudetenland anschlossen, was auch die kommende Namensänderung erklärt.

Der Bund proletarischer Freidenker gehörte zu den deutschen Sozialdemokraten. Obwohl er eine der kleinsten Organisationen war, war er sehr aktiv. Sein Hauptziel war es, den Einfluss der Kirche im Privaten und in der Öffentlichkeit einzuschränken, zum Beispiel in den Schulen.

Neben öffentlichen Debatten hatte der Bund zahlreiche weitere Aktivitäten. Man betrieb etwa ein Heim für konfessionslose Kinder. Zugleich wollte der Bund Kolumbarien, also Urnenhaine, einrichten, auf denen Atheisten bestattet werden konnten. Die proletarischen Freidenker dachten auch an die letzte Ölung. Man fürchtete, dass es auf den letzten Augenblick im Krankenhaus ein Pfarrer auftauchen könnte, um den atheistischen Arbeiter zu bekehren. Deswegen wurden Kommissionen gebildet, die in den Krankenhäusern darauf achten sollten, dass der Pfarrer nicht zum Sterbenden kommen konnte.

Der Bund proletarischer Freidenker war aktiv in der ganzen Zwischenkriegszeit. Sein Ende kam mit dem Münchener Abkommen, mit dem das Sudetenland an das Dritte Reich angeschlossen wurde und alle demokratischen Organisationen ihr Ende fanden. Die Mitglieder des Bundes flohen oder wurden von den Nazis verfolgt.

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1923 entstand der Bund proletarischer Freidenker und der Anstoß zur Gründung der Internationale proletarischer Freidenker in Teplitz/Teplice zu Pfingsten 1925, deren erster Vorsitzender Prof. Theodor Hartwig (1872-1958) aus Brno wurde.

 

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