1938 - Es geht um Leben und Tod

1938 – Es geht um Leben und Tod

Die Zeit von Mai bis September 1938 war für die sudetendeutsche Sozialdemokratie eine Periode höchster Anspannung und eifriger Bemühungen, vielleicht doch noch in letzter Minute bei einer Lösung mitwirken zu können, welche eine sudetendeutsch-tschechische Katastrophe vermieden hätte. Ihr größter politischer Gegner, die Henlein-Partei, verstärkte zur gleichen Zeit mit reichsdeutscher Hilfe ihren entgegengesetzten Kurs.

Wenzel Jaksch reiste in diesen Monaten mehrmals nach Paris und London, um dort deutlich zu machen, dass Henlein keineswegs die Wünsche und Anliegen aller Sudetendeutschen vertrat. Auch versuchte Jaksch, die Sozialistische Internationale für die demokratischen Ziele seiner Partei zu mobilisieren. Im Frühsommer, nach einer im Mai erfolgreich verlaufenen Probemobilisierung der tschechischen Armee, mehrten sich jedoch die Anzeichen, dass weder Frankreich noch Großbritannien für eine Auseinandersetzung mit einem aufgerüsteten Hitlerdeutschland vorbereitet waren.

London schickte darauf hin den altgedienten Beamten Lord Walter Runciman nach Prag, der an Ort und Stelle nach einem Ausweg suchen und Lösungsvorschläge für die sudetendeutsch-tschechische Krise erarbeiten sollte. Allerdings hatte Runciman keinerlei außenpolitische Erfahrung und von Minderheitenfragen im gemischt nationalen Raum keinerlei Ahnung. Runciman ließ sich auf den Schlössern sudetendeutscher Großgrundbesitzer von der SdP feiern und ignorierte die Memoranden der sudetendeutschen Sozialdemokratie.

Kurze Gespräche mit Vertretern der DSAP und der sozialdemokratischen Gewerkschaften fanden zwar statt; Jaksch, DSAP-Generalsekretär Taub und der Wirtschaftssachverständige Franz Rehwald hatten aber den Eindruck, dass sie von Runciman nicht als Vertreter einer demokratischen Partei, sondern als Störenfriede angesehen wurden.

Es war inzwischen unübersehbar, dass die Runciman-Mission bestenfalls eine von London inszenierte Alibi-Veranstaltung war, mit dem Ziel, die Abtretung der sudetendeutschen gebiete  des tschechoslowakischen Staates an Hitlerdeutschland vorzubereiten. Die Henlein-Partei verstärkte daraufhin ihren Druck auf die Prager Regierung, während sie  draußen auf dem Öand in Westböhmen und im Egerland den bewaffneten Aufstand gegen Organe des Staates, loyale Sozialdemokraten und jüdische Mitbürger inszenierte. Volkshäuser wurden belagert, Hitlergegner wurden bedroht, verprügelt und sogar eingesperrt  - es herrschten bürgerkriegsähnliche Verhältnisse.   

 

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