
Siegfried (Vítezslav) Taub wurde am 11. Januar 1876 in Teltsch/Mähren geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie und besuchte zunächst die Volks- und die Realschule. Hierauf folgte eine Kaufmannslehre in Iglau. Der bilingual aufgewachsene Taub arbeitete dann als Kaufmann in Iglau (Jihlava), Jungbunzlau (Mladá Boleslav) und Klagenfurt.
Er wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und engagierte sich in der Gewerkschaft der Handlungsgehilfen und kämpfte für den Ausbau der Sozialversicherung. 1902 kam er nach Brünn und wurde 1911 Direktor der dortigen Bezirkskrankenkasse. Taub war verheiratet mit Else Kahn, am 18. 6. 1907 wurde sein Sohn, der spätere Schauspieler, Regisseur und Journalist Walter (Valtr) Taub geboren. Dieser starb am 30. 9. 1982 in Wien. Sie hatten einen weiteren Sohn: Kurt Taub.
Ab 1909 war Siegfried Taub in der SDAP Mitglied der Landesparteivertretung für Mähren und 1911 bis 1917 auch Stadtverordneter von Brünn. Nach Gründung der Tschechoslowakei 1918 war er ab 1920 Abgeordneter der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der tschechoslowakischen Nationalversammlung und wurde regelmäßig wiedergewählt. Im Parlament nahm er bis 1925 das Amt eines Sekretärs des Parlamentspräsidenten ein und ab 1929 das eines Vizepräsidenten.
Der hervorragende und gut vernetzte Organisator, engagierte Sozialpolitiker und enge Mitarbeiter des Parteiführers Ludwig Czech war ab 1921 Mitglied der Parteikontrollkommission und gab 1922 bis 1926 die Parteizeitung „Soziale Rundschau“ heraus. Obwohl dem linken, marxistischen Flügel angehörend, unterstützte Taub stets mit großer Loyalität den jeweiligen Parteiführer. 1925 wurde er Nachfolger des früh verstorbenen Karl Čermak als Zentralsekretär der Partei, dafür verlegte er seinen Wohnsitz von Brünn nach Prag. 1927 bis 1938 gehörte er dem DSAP-Vorstand, 1930 bis 1938 der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale sowie 1932 bis 1938 dem DSAP-Reichserziehungsbeirat an. Daneben war er Herausgeber des zentralen Parteiorgans „Der Sozialdemokrat“ sowie der Journale „Tribüne“ und ab 1934 „Der Kampf“. Taub war ab 1930 der Delegierte der DSAP in der Exekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationele.
Taub plädierte für eine sprachübergreifende Zusammenarbeit mit den tschechoslowakischen Sozialdemokraten und war 1928 maßgeblich am Zustandekommen des ersten Kongresses aller sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakei beteiligt.
Im Prager Parlament war er 1929 bis 1938 Vizepräsident und erregte als Vertreter des „Aktivismus“ große Aufmerksamkeit, als er 1931 erstmals als deutscher Berichterstatter auftrat und tschechisch referierte. Hauptberuflich war Taub von 1926 bis 1939 Vizepräsident der Zentralen Sozialversicherungsanstalt in Prag.
Ab 1933 unterstützte er deutsche und österreichische politische Emigranten in der Tschechoslowakei, leitete die Sozialdemokratische Flüchtlingsfürsorge in Prag und trug dazu bei, dass die tschechoslowakische Regierung ihre liberale Asylpolitik auch in der administrativen Praxis umsetzte und der exilierte Parteivorstand der Sopade von Prag aus Handlungsfreiheit gewährte. 1938/39 leitete er zudem die Emigrationszentrale Prag.
Der Verfolgung durch die Gestapo nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei entging er Mitte März 1939 durch seine Flucht in die britische Gesandtschaft in Prag. Er gelangte mit freiem Geleit nach Polen und von dort nach Schweden. In Stockholm baute er die Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten als Exilorganisation der DSAP auf, deren Vorsitzender er 1939 gemeinsam mit Wenzel Jaksch wurde. 1939/40 war Taub noch als deutscher Vizepräsident des tschechoslowakischen Staatsrats im Exil im Gespräch, verlor aber aufgrund seiner internationalen Ausrichtung allmählich seine Bedeutung als einer der wichtigsten Exilpolitiker seiner Partei.
Nach der Übersiedlung in die USA im Mai 1941 unternahm er, unterstützt von der Jüdischen Arbeiterpartei und der tschechoslowakischen Exilregierung in London, Vortragsreisen bis nach Kanada, um Auslandstschechen für eine Kooperation mit linken Sudetendeutschen zu gewinnen. Bereits erkrankt, bereitete er 1946 von New York aus seine Rückkehr nach Prag vor.
Siegfried Taub starb am 30. April 1946 in New York City.

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