Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund

Der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund (ARuK)

Die deutschen Arbeiter-Radfahrer in der 1. Tschechoslowakischen Republik

 

Die Arbeitersportbewegung ist neben der Parteiorganisation, den Gewerkschaften und der Konsumbewegung ein Kampfmittel der nach Befreiung drängenden Arbeiterklasse. Ein starkes Glied der Arbeitersportbewegung bilden die Arbeiterradfahrer. Der Arbeiter gebraucht heute das Rad nicht nur für den Weg zu seiner Arbeitsstelle, sondern oft auch zur Ausübung seines Berufes selbst. Die Zahl der das Fahrrad benutzenden Arbeiter, stieg ganz gewaltig, als erkannt wurde, dass das Rad auch zur Erholung und zum Sport zu gebrauchen ist. Es entstanden bald Vereine, die die Pflege des Sports betreiben wollten.

 

Wie fast alle Organisationen der sudetendeutschen Sozialdemokratie entstand auch die Arbeiter-Radfahrer-Verbund in der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Im seit 1908 erscheinenden „Reichsorgan der Arbeiter-Radfahrer Österreichs“, Nr. 99 vom Februar 1924, ist anlässlich des 25. Jahrestages der Verbandsgründung am 4. Dezember 1898 zu lesen, dass „Dr. Czech aus Brünn“ 1899 als Revisor des Verbandsvorstandes gewählt wurde. Am 1. Mai 1899 war der mährisch-schlesische Radfahrerbund mit seinen Ortsgruppen und der Verein aus Brünn dem neuen Bundesverband beigetreten, der dadurch 1409 Mitglieder erreichte. Um 1900 existierten in Österreich-Ungarn schon 58 Radfahrvereine, von denen sich 34 im "Arbeiterradfahrverband" zusammengeschlossen hatten.

 

 

„All Frei!“ - Arbeiter-Radfahr-Verein Krumau

Gründung am 15. Oktober 1910 – Berichte aus dem Böhmerwald Volksboten, Krumau

Achtung Arbeiter-Radfahrer von Krumau und Umgebung“. Am 14. Oktober 1910 berichtet der Böhmerwald Volksbote über die bevorstehende Gründung eines Arbeiter-Radfahr-Vereins: Der Arbeiter-Radfahrverein für Krumau und Umgebung wolle am nächsten Tag, Samstag, den 15. Oktober 1910, abends um 8 Uhr, im Arbeiterheim in Krumau seine konstituierende Versammlung abhalten. „Radfahrer, erscheint vollzählig und meldet euren Beitritt an!“ fordert der Böhmerwald Volksbote und berichtet, dass die Einschreibegebühr 60 Heller betrage. Auch auswärts Wohnende können dem Verein beitreten“. Der Arbeiter-Radfahrer-Gruß „All Frei!“ sollte nun auch durch den Böhmerwald hallen.

 

Wie am 21. Oktober 1910 berichtet wurde, war die Konstituierung des Arbeiter-Radfahrer-Vereins für Krumau und Umgebung am 15. d.M. erfolgreich und es haben sich bereits 28 Mitglieder eingeschrieben.

 

Die Mitgliedschaft beinhaltete, neben der sportlichen Komponente, auch eine versicherungstechnische: „Unter der Devise: ´Einer für alle, alle für einen!´ stehen alle Organisationsangehörigen dem Verunglückten bei. Durch gemeinsames Wirken ist es möglich, den Mitgliedern der Arbeiter-Radfahr-Organisation folgende Begünstigungen zu sichern: Im Falle einer Verletzung durch Sturz vom Rade für jeden Tag der folgenden Erwerbsunfähigkeit 3 Kronen erste Klasse und 2 Kronen zweite Klasse Unterstützung bis zur Dauer von 30 Wochen. - Im Falle eines Sturzes mit schwerer Verletzung auf einer Radpartie Rückersatz der Kosten für erste ärztliche Hilfe und Transport des Verletzten samt dem Fahrrad nach Hause. - Rechtsschutz in aus dem Radfahren entspringenden Streitfällen unpersönlicher Natur durch kostenlose Beistellung eines Rechtsanwaltes. - Für Mitglieder der ersten Klasse eine Unterstützung von 50 Kronen, wenn ihnen das Rad ohne ihr Verschulden gestohlen und nicht mehr zustande gebracht wird. - Im Falle eines Sturzes mit tödlichem Ausgange eine Unterstützung an die Hinterbliebenen in der Höhe bis 1000 Kronen in der ersten Klasse und 500 Kronen in der zweiten Klasse. - Nach längerer Mitgliedsdauer einen Leichenkostenbeitrag von 50 Kronen in jedem Falle“.

 

Natürlich war auch der kostenlose Bezug des Verbandsorgans „Der Arbeiter-Radfahrer“ inbegriffen, welches die Mitglieder über alles Wissenswerte auf dem Gebiet des Radfahrwesens unterrichtet.

 

Eine Werbeanzeige am 20. April 1912 lässt erkennen, dass ein Mitglied des Arbeiter-Fahrrad-Vereins Krumau seiner Passion zum Geschäft machte: „Arbeiter und Parteigenossen decken ihren Bedarf in Fahrrädern und Fahrradbestandteilen nur bei Genossen Josef Schneider, Fahrradhändler, Krumau.“

 

Schon am 11. Mai 1912 kündigt der Arbeiter-Fahrrad-Verein Krumau per Anzeige seine festliche Bannerenthüllung am bevorstehenden Pfingst-Wochenende an. Mit der Gründung des Vereines wurde auch der Gedanke wach, ein Banner möge den Mittelpunkt bilden, um dass sich ihre Genossen fester scharen. Die Bannerenthüllung hat infolge des schlechten Wetters zu Pfingsten 1912 nicht stattgefunden und so sind die ganzen Veranstaltungen auf Sonntag, den 2. Juni verschoben worden.

 

Am 19. Juli 1913 wird über die Teilnahme des Arbeiter-Radfahrer-Verein Krumau an der Gründungsfeier anlässlich des 10jährigen Bestehens der Sozialdemokratischen Lokalorganisation Höritz am Sonntag den 27.7.1913 berichtet.

 

1914 verzeichnete der Bundesverband der Arbeiter-Radfahrer Österreich rund 20.000 Mitglieder – bei Kriegsende waren es noch 3000. Für die politische Arbeit der Sozialdemokraten waren die Arbeiterradfahrer überaus wichtig: Als "Rote Kavallerie" unternahmen die Radfahrer immer wieder Ausfahrten auf´s Land, um Propagandamaterial zu verteilen. 

 

 

 

Neubeginn nach dem 1. Weltkrieg

Der Sturz der Monarchie in Österreich, der der gesamten Bevölkerung eine entsprechende Dosis Freiheit brachte, bewirkte einen erhöhten Zustrom zum Verband. Ein Übriges tat der Umstand, dass die sozialdemokratische Arbeiterschaft zu einer Staatsmacht emporgestiegen war, ein Übriges, und alle jene, die vor dem Krieg aus Ängstlichkeit im Hintergrund standen, wagten es jetzt, offen in die Vereine der Arbeiter einzutreten. So brachte die Nachkriegszeit einen stetigen Zuwachs an Mitgliedern. (Der Arbeiter-Radfahrer Nr. 102, August 1924)

Nach der Gründung der tschechoslowakischen Republik wurde allen Staatsangehörigen verboten, mit ausländischen Verbänden in Verbindung zu bleiben. Für die Rad fahrenden Genossen von Böhmen, Mähren und Schlesien blieb daher nichts anderes übrig, als sich in einem eigenen Verband zusammenzuschließen. (Nr. 120, April 1926). So entstand in der Tschechoslowakei der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund (ARuK). Der Gründungsverbandstag fand am 5. und 6. Dezember 1919 in Bodenbach (Stadtteil von Tetschen/Děčín, später: Tetschen-Bodenbach) statt.

 

Berichtet wird weiter die Einrichtung eines eigenen Fahrradhauses von 1920 bis 1922 in Karbitz/Chabařovice sowie die Gründung der Fahrradhausgenossenschaft All frei 1922.

 

Die Zahl der Mitglieder wuchs von 940 im Jahr 1919 auf 20.064 (1929).

 

III. ordentliche Verbandstag in Turn-Teplitz 1924

Zu den beiden Osterfeiertagen (20./21. April 1924) fand im Stadthotel „Imperator“ in Turn-Teplitz der III. ordentliche Verbandstag statt.

 

Gleich vorneweg sei es gesagt: Sie stand im Zeichen einer mächtig aufstrebenden Bewegung. Stolz muss unsere deutschen Pioniere erfassen, wenn sie sehen, wie aus kleinen Anfängen heraus eine starke Organisation herangereift ist. Der diesjährige Verbandstag war einer der eindrucksvollsten, nicht nur ob des gewaltigen Erfolges ihrer Propagierungsarbeit, sondern auch deshalb, weil auch alle seitens der Gegner unternommenen Einschüchterungsversuche zunichte gemacht wurden.

 

Aus allen Gauen der Republik kamen die Vertreter der Arbeiter-Radfahrervereine zusammen, die besten Erwartungen wurden übertroffen, so groß und mächtig war die Zahl der Delegierten, so stark und bewusst das Interesse aller der Männer, die hier zusammengekommen waren, der herrliche sozialistische Geist, der in allen lebte und alle Widerstände überwand, und schließlich zu einem prachtvollen Bekenntnis proletarischen Willens anwuchs.

 

Kurz nach 9 Uhr eröffnete Genosse Feistauer mit einer wirkungsvollen Begrüßungsansprache den III. ordentlichen Verbandstag. Hierauf trug in stimmungsvollem Stil der Arbeiter-Gesangsverein Turn-Teplitz einen Freiheitschor sowie den neu zusammengestellten „All frei“-Marsch vor.

 

Vertreten waren 169 Vereine in 15 Kreisen durch 120 Delegierte. Im Auftrag des Wiener Verbandes und des Fahrradhauses ist Genosse Hauer erschienen, für die Stadtgemeinde Turn-Teplitz der Bürgermeister Johann Patzelt (DSAP), die Landesparteivertretung der sozialdemokratischen Partei entsandte Genossen Josef Hofbauer, der tschechische Arbeiter-Radfahrer-Verband war durch Genossen Vranek vertreten, der Arbeiter-Turn- und Sportbund ATUS, sowie die Gewerkschaftsorganisationen. Begrüßungsschreiben sendeten das Wiener Fahrradhaus (Zentrale einkaufsstelle des Verbandes der Arbeiter-Radfahrer-Vereine Österreichs), der Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität“ in Deutschland und der Schweiz.

 

Der Verband zählte derzeit 169 Vereine mit 6050 Mitgliedern, welche aber noch im steten Zunehmen begriffen seien, darunter der Kreis Schlesien allein mit 22 Vereinen mit 900 Mitgliedern.

 

Im Gegenzug nahm der Deutsche Arbeiter-Radfahrerverbandes im Bereich der tschechoslowakischen Republik am 14. Verbandstag der Österreicher vom 7. bis 9. Juni 1924 in Wien teil, vertreten durch die Genossen Feistauer und Hardt. Ebenso am 15. Bundestag der Arbeiter-Radfahrer Deutschlands vom 16. – 19. August 1924 in Kassel, vertreten durch den Genossen Günther. (Nr. 100, Mai 1924)

 

 

IV. Verbandstag der Deutschen Arbeiter-Radfahrer in Teplitz 1926

An den beiden Osterfeiertagen (4./5. April 1926) fand in Teplitz der IV. Verbandstag der Deutschen Arbeiter-Radfahrer in der Tschechoslowakei statt. Auf dem Verbandstag waren nebst 272 verbandsangehörigen Vereinen der österreichische Arbeiterfahrradverband und der deutsche Bund „Solidarität“ vertreten. Der Verbandstag hat einer größeren Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass die Organisation blüht und gedeiht, dass das Bestmöglichste für die Mitglieder geschaffen wird und die Hoffnung besteht, dass bis zum nächsten Verbandstag der letzte Arbeiterradfahrer für die Organisation gewonnen sein wird. Aus den sozialistischen Arbeiterkreisen rekrutiert sich die Gruppe der kommunistischen Radfahrer, die ungefähr 2000 Mann stark sind. Die tschechischen Arbeiterradfahrer haben mehr als 4000 in ihren Reihen, während der Verband der Deutschen seinen Mitgliederbestand auf fast 10.000 steigern konnte. Es sind Bestrebungen im Gange, eine Verbindung dieser drei Gruppen zu erreichen. Bisher ist ein greifbares Ergebnis nicht festzustellen, obwohl die Aussichten günstig sind. Zu einer Einigung kam es nicht, da das Interesse sich einer internationalen Vereinigung zum Streitfall wurde. (Nr. 120, April 1926)

 

Zu Pfingsten erfolgte der Gegenbesuch beim österreichischen Verbandstag in Linz (Nr. 122, Juni 1926)

 

 

Sudetendeutsche Arbeiter-Radfahrer bei der Sternwanderfahrt zum in Wien 1926 

Als große Umrahmung der einzelnen Wettbewerbe des Arbeiter-Turn- und Sportfests vom 3. bis 11. Juli 1926 war die Sternwanderfahrt am Beginne und die Teilnahme am großen Festzuge am Ende der Sportwoche gedacht. Besondere Aufmerksamkeit erregte es natürlich immer, wenn ausländische Fahrer ankamen, die stets geradezu eine Flut von Fragen über sich ergehen lassen mussten.

 

Als leuchtendes Beispiel von Begeisterung und Sturmwindigkeit wäre dem eine Tat deutscher Genossen aus der Tschechoslowakei entgegenzustellen: Da sie die nicht unbeträchtliche Geldsumme, die zur Sicherstellung des Zolles bei der Grenzüberschreitung notwendig ist, nicht aufbringen konnten, überquerten sie an der Grenze einen Flusslauf brusthoch im Wasser stehend, die Räder über den Köpfen. Aber sie kamen nach Wien.

 

Es waren letztlich nahezu 1000 Fahrer zusammengekommen, die sich zu einem mächtigen Zuge rangierten. In Dreiherreichen ging es dann bei nicht geringem Aufsehen von Seiten des Publikums durch die Stadt zum Trabrennplatz. Unter den 45 Ortsgruppen aus Deutschland waren auch München, Nürnberg und Passau sowie Hamburg, Kiel, Leipzig und Berlin, aus der Tschechoslowakei kamen die Ortsgruppen Aussig, Biela, Braunseifen, Grafendorf, Mährisch Ostrau, Neu-Sernewitz, Neu-Brochnitz, Saaz und Schönau. (Nr. 123/124, Juli/August 1926)

Für das Jahr 1927 wird als Vorsitzender des Arbeiter-Radfahrer-Vereins Krumau Josef Platzer ausgewiesen. Zum Gründungsfest der südböhmischen Forstarbeiter führten 200 Radfahrer den Festzug an. Das dürfte 1928 in Neuofen unter der Regie des Gewerkschaftssekretärs in Südböhmen, Franz Kuplent gewesen sein.

Eine Motorfahrersektion wurde 1929 in AussigÚstí nad Labem gegründet.

 

 

Der erste Bundessaalsporttag in Teplitz 1930

Am 16. und 17. August 1930 fand der internationale Saalsporttag in Teplitz-Schönau statt. Er sollte der Auftakt zum großen Verbandsfest im Jahre 1932 sein. Die Saalsportler des ganzen Verbandsgebietes trugen in allen Saalsportzweigen die Verbandsmeisterschaften aus. Die Veranstaltung, die in einem der größten Säle der weltberühmten Bäderstadt stattfand, nahm am Samstag, den 16. August, mit einem Kommers ihren Anfang bei dem ein Länderkampf im Saalfahren zwischen Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei ausgetragen wurde. Mittags sollte ein Demonstrationszug durch die Straßen von Teplitz vor sich gehen. (Heft 5, Mai 1930)

 

Die Wiener Gäste wurden von einigen unentwegten Genossen um 5 Uhr früh vom Bahnhof abgeholt und ins Hotel geführt. Den ganzen Tag über regnete es in Strömen, so dass die Sportler viel Ruhe fanden, bevor es am Abend zum Festplatz ging. Auf der Königshöhe, einem Berg, der Teplitz hoch überragt, stehen, fast aneinander gelehnt, zwei prächtige Gebäude: die Turnhalle und die Schützensäle, unsere saalsportlichen Wettkampfplätze. Aufgrund des schlechten Wetters beschloss die Festleitung, bloß die Turnhalle – ein prächtiger, großer Saal mit Galerien – in Anspruch zu nehmen. Um 7 Uhr war Festbeginn. Nach den üblichen Begrüßungsreden eröffnete Genosse Irmisch, der Vorsitzende des Schiedsgerichtes, diese erste internationale Saalsportkonkurrenz des deutschen Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes in der CSR.

 

Die Reigenwettbewerbe wurden fast ausschließlich von den Deutschen gewonnen. Um 12 Uhr nachts wurde der erste Teil der Veranstaltung beendet.

 

Sonntag vormittags wurden die tschechischen Bundesmeisterschaften im Zweier- und Dreier-Radball ausgetragen. Sieger bleib in beiden Spielen Jägerndorf. Es folgten hierauf einige Sondervorführungen, da wegen des Wetters der Umzug ausfallen musste; u.a. ein Achter-Farbenreigen der Österreicher, der bei den Besuchern regen Beifall auslöste. Den Dreiländerkampf im Dreier-Radball konnten die Österreicher in überlegener Weise für sich entscheiden. Der tschechische Bundesmeister Jägerndorf musste sich mit 8:1 Toren geschlagen geben.

Ein Einzelkunstfahren des Genossen Swoboda(Ö) wurde mit reichem Beifall belohnt. Im Duett erreichten die Österreicher die größte Punkteanzahl. Zuletzt fuhren diese noch einen Achter-Einradreigen.

 

Es war eine wunderschöne Feier das Arbeitersports, ein friedlicher Wettstreit dreier Nationen. Wie Brüder saßen die Saalsportler der drei Länder beisammen; einer bewunderte die Leistungen des anderen und zollte aufrichtigen Beifall.

 

Um 10 Uhr abends wurde Abschied genommen. Mit dem Gruße „Auf Wiedersehen in Wien bei der Olympiade“ trennten sich die Sportler. Um eine schöne Erinnerung reicher und mit dem Bewusstsein, dass es auch in der Tschechoslowakei Genossen gibt, die keine Opfer scheuen, um den Saalradsport zu fördern, verließen die Österreicher diese freundliche Stadt und deren Genossen, denen sie für ihre Gastfreundschaft zu innigem Dank verpflichtet sind. Gerne werden sie es ihnen im nächsten Jahr vergelten. (Heft 9, Sept. 1930)

 

Auch das zweite Bundesturnfest des sozialdemokratischen Arbeiter-Turn- und Sportbundes (ATUS) 1930 in Aussig/Ústi nad Labem wurde durch „Massentänze und Massenreigen der Arbeiterradfahrer“ bereichert.

 

 

 

Kreisvertreter-Tagung des ARuK in der Tschechoslowakei

Am 30. Und 31. Januar 1932 traten in Turn-Teplitz die Kreisvertreter der deutschen Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer zusammen, um Rückschau über das verflossene Jahr zu halten und den Plan für die Organisationsarbeit im Jahre 1932 festzulegen. Aus den Berichten des Bundesvorstandes ist zu entnehmen, dass trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage der Arbeiterschaft der Mitgliederstand gehalten werden konnte. Fast 20.000 Mitglieder zählt der Bund; er ist nach wie vor die stärkste Organisation dieser Art in der Tschechoslowakei. Die Spaltung durch die Kommunisten scheint überwunden zu sein, es greift nunmehr überall ruhige Organisationsarbeit Platz.

 

Die Organisationsarbeit in diesem Jahre wird wieder nach einem festen Programm geleistet. Im Mittelpunkt steht der 2. Bundes-Radsporttag, welcher am 25. und 26. Juni 1932 in Tetschen durchgeführt wird und auf welchem die Bundesmeisterschaften im Saalradsport und Kraftfahrsport ausgefahren werden. Die Kämpfe werden im Reigenfahren, Kunstfahren, Radballspiel und im Motorradfahren durchgeführt. Das sportliche Programm sieht weiter eine Radfahrer- und Motorradfahrer-Stafette Eger-Warnsdorf, Dresden-Leipzig-Halle vor. Sie wird gemeinsam mit dem Bruderverband „Solidarität“ Deutschland veranstaltet. Die Abwehrreaktion gegen den Faschismus wird auf das Tatkräftigste unterstützt und der Ausbau der Radfahrerstaffeln (Rote Wehr) energisch betrieben. (Nr.2, Feb. 1932)

 

 

Großkampftag des Radsports 1932

Zu den Bundesmeisterschaften des Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes , die am 25. und 26. Juni 1932 in Tetschen im Saalradfahren und im Tempo- und Zuverlässigkeitsfahren für Motorradfahrer stattfanden wurde folgendes berichtet:

 

Am ersten Tag

Vormittags treffen immer mehr Genossen und Genossinnen in Tetschen ein und immer wieder werden die Funktionäre des Quartierausschusses verlang. Um 2 Uhrnachmittags treten die Kampfrichter zu kurzer Besprechung zusammen. Um 3 Uhr treten die ersten Radballer zum Kampfe um den Bundesmeistertitel an. Im Allgemeinen haben diese Spiele gezeigt, dass die Radballer viel gelernt haben. Wuchtige Schläge mit Vorder- und Hinterrad konnten beobachtet werden, Tormöglichkeiten wurden herausgearbeitet, oft zum Erfolg führend. Das Kombinationsspiel ließ allerdings noch manchen Wunsch offen. In dieser Beziehung gibt es noch viel zu lernen.

 

Abends feierliche Eröffnung durch die Auffahrt aller Wettbewerber, die die große Saalfläche restlos ausfüllen. Zwölf Udwitzer Genossen eröffneten den Reigen der Vorführungen. Der Schmuckreigen, auf Straßenrädern gefahren, gefiel allgemein und ließ erkennen, dass auch mit dem Straßenrade der schöne Reigensport ausgeübt werden kann. Noch war der Beifall nicht verebnet, als schon vier Trupschitzer kleine Mädels die blitzenden Saalräder in einem Schulreigen tummelten. Sie wurden von den kleinen Kunstfahrern der Ortsgruppe Kosten abgelöst, die jedoch schon große Leistungen vollbringen. Nun traten die Sportler in Aktion. Die Kunstfahrer von Kosten und Warnsdorf zeigten wunderbare Leistungen mit größter Sicherheit. Ihnen folgte der Einradreigen der Dresden-Leubnitzer, die als Gast an der Veranstaltung mitwirkten. Dann tratt der Olympiameister Warnsdorf mit einem Kunstreigen in Aktion. Diese Reigen zeigten Gipfelleistungen im Saalradsporte, besonders das Rückwärtsfahren im Steuerrohrfahren entfesselte Beifallsstürme. Jetzt traten die Leubnitzer Genossen von der „Solidarität“ zu zwei Lehrspielen im Zweier-Radball an. Türmitz und Komotau wurden ihnen gegenübergestellt und verloren 11:2 und 5:3. Daraus war zu ersehen, dass unsere Radballer noch manches zu lernen haben. Die Leubnitzer waren speziell im Kombinationsspiel und in Hochschlägen weit überlegen. Mit diesen Spielen war das Programm beendet.

 

Am zweiten Tag

Während des Kunstfahrens waren die Motorräder, die an dem Wettbewerb im Zuverlässigkeitsfahren teilnehmen, eingetroffen. Alle waren die Strecke, die keine allzu großen Anforderungen an die Fahrer stellte, gefahren. Nur ein einziger Fahrer kam nicht in vorgeschriebener Zeit wegen zweimaligem Kettenriss ein.

 

Fast achthundert Rad- und Motorradfahrer sammelten sich um halb 2 Uhr in der Bahnhofstraße zur Aufstellung des Festzuges. Der Aufstellungsplatz war von der Bevölkerung zahlreich umsäumt.

 

Nach dem Festzuge wurden der Saal und die Galerie des Schützenhauses dicht besetzt. Der Nachmittag wieß die größte Besucherzahl der Veranstaltung auf. Im Kunstreigen, Klasse A und Steuerrohrreigen behaupteten die Warnsdorfer im Allgemeinen sicher ihren Bundesmeistertitel in diesen Reigenarten. Im Gruppenkunstfahren starteten vier Mannschaften, unter welchen besonders die Warnsdorfer und Kostener hervorragten. Das Hauptinteresse konzentrierte sich nun auf das Entscheidungsspiel im Zweier-Radball zwischen Türmitz und Tetschen, das 6:3 für Tetschen endete.

 

Unter den Klängen der „Internationale“ sammelten sich alle Teilnehmer im großen Garten des Schützenhauses worauf der Bundestechniker, Genosse Haufe, die Ranglisten bekannt gab und Genosse Müller vom Bundesvorstande mit einem dreifachen „All frei“ in das alle einstimmen, den 2. Bundesradsporttag beschloß. (Nr.8, August 1932)

 

 

Die Grenzen frei!

Große Grenzkundgebung von Arbeiter-Rad- und Kraftfahrern 1932

Vor kurzem veranstalteten die Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer Deutschlands und der Tschechoslowakei in Zinnwald, Asch, Neugersdorf, Liebau und Halbstadt große Protestkundgebungen gegen die einseitige Behandlung durch die Behörden in der Frage der Ausstellung von Grenzdokumenten, die vorläufig nur von den bürgerlichen Organisationen ausgestellt werden dürfen. Die Kundgebungen hatten überall Massenbeteiligung aufzuweisen. Bemerkenswert ist, dass überall sozialdemokratische Abgeordnete die Forderungen der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer vertraten. Mit dem Monopol der bürgerlichen Organisationen auf dem Gebiet der Ausstellung von Dokumenten für den zollertragfreien Grenzverkehr, das für diese eine einträgliche Einnahmsquelle bedeutet, muss aufgeräumt werden. Zum Schlusse wurden überall Resolutionen gefasst, die an die Regierungen weitergeleitet wurden. (Nr.10, Oktober 1932)

 

 

VI. Bundestag in Aussig 1933

Der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund in der CSR hielt zu Ostern (16./17. April 1933) seinen VI. Bundestag in Aussig ab. (derzeit 18.000 Mitglieder) Auf ihm sollte die Einführung des Rennradfahrens beschlossen werden. Das tschechoslowakische Bundesorgan schrieb dazu: „Unsere nächste Aufgabe muss die Gewinnung des Nachwuchses, der Jugend sein. Reiflich soll erwogen werden, welchen Weg wir einschlagen müssen, um das zu erreichen. Auch bei der Behandlung des Sportprogrammes unseres Bundes muss auf ausreichende Betätigung der Jugend in unseren Reihen Rücksicht genommen werden. Die Frage der Aufnahme des Rennfahrens in unseren Sportbetrieb muss vom Gesichtspunkt der Jugend erwogen werden. Die Jugend, die im heutigen Zeittempo aufgewachsen ist, verlangt nach Kampfsport und geht dorthin, wo sie denselben ausüben kann. Wollen wir daher die Jugend gewinnen, so werden wir das Radrennen, das ja ausgesprochener Kampfsport ist, in unser Sportprogramm aufnehmen müssen… Die Bestrebungen des Arbeitersportes dürfen auf keinen Fall außeracht gelassen werden. Besondere Pflege müssen das Mannschaftsfahren, das zum Massensport führt und zum Gemeinschaftsgeist erzieht, erfahren.

 

Die Redner Prochaska und Haufe betonten, dass es die besonderen Aufgaben des Bundes seien, für Wehrhaftmachung und Gewinnung der Jugend zu sorgen. Radfahrende Kinder unter 14 Jahren können in den zu bildenden Schülerabteilungen aufgenommen werden.  Der Antrag auf Einführung des Radrennfahrens wurden einstimmig angenommen. Gefahren dürfen Rennen bis zu 100 Kilometer werden. „(Nr. 3, März 1933/Nr.7, Juli 1933)

 

 

Werbefahrt nach Preßburg (Bratislava) 1933

Die Kreise Wien, Floridsdorf und Schwehat hielten am 9. Juli 1933 eine Solidaritätsfahrt nach Preßburg in der Tschechoslowakei ab, an der sich mehr als 500 Radfahrer beteiligten. Der Besuch hat zur Festigung der freundschaftlichen Bande mit den Preßburgern jedenfalls sehr beigetragen. Die Grenzbehörden zeigten sich sehr entgegenkommend.

 

 Die Preßburger Genossen ließen es sich nicht nehmen uns mit klingendem Spiel schon von der Grenze abzuholen. Beiderseitige freudige Begrüßung und mit Freiheitsgrüßen wurde unter Jubel der Bevölkerung in Preßburg einmarschiert. Ein zwei Kilometer langer Zug Radler zog durch sämtliche Hauptstraßen Preßburgs, um so für den Arbeitersport und die Partei zu werben. Der Vertreter der sozialdemokratischen Partei gebrauchte in einer Begrüßungsansprache Worte die uns mit Stolz erfüllten.  Nach fünfstündigem Aufenthalt ertönten die Kommandos zum Aufbruch. Nur fünf Stunden währte das Beisammensein mit den Genossen jenseits der Grenze, aber die genügten, um einen festen Freundschaftsbund zu schließen. Die Veranstaltung hatte ihren Zweck erfüllt. (Nr.7, Juli 1933/Nr.8, Aug 1933)

 

 

Länderspiel gegen Österreich 1933

Der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund in der Tschechoslowakei hatte den österreichischen Bundesmeister im Zweierradball, die Mannschaft Hollborn-Glaser (Freiheit Hernals) zu einem Länderspiel gegen die Tschechoslowakei eingeladen.  Das Spiel fand am 10. September 1933 in der großen Turnhalle von Teplitz statt. Der Kampf endete 7:4 für Österreich.

 

Die Wiener spielten gegen den Bundesmeister Komotau, zwei junge, sehr begabte Spieler, die wieder zeigten, dass das Können der deutschböhmischen Genossen ständig Fortschritte macht. Vormittags fand ein 50-Kilometer-Rennen Komotau-Teplitz statt. Die entsandten Wiener Höfner und Sirocky waren, wie nicht anders zu erwarten war, den anderen Teilnehmern, die erst heuer mit dem Rennfahren begonnen hatten, überlegen.

Das Ergebnis lautete; Höfner 1:25:25, Sirocky 1:25:25,5, Glöckner (Neudeck, 1:29:53), Just (Bodenbach, 1: 32:25), Ritter (Sodau, 1:32:37), Feistauer (Karbitz, 1:34:10), Drak (Komotau, 1: 34:13), Hauptmann (Alt-Rohlau, 1:36:24), Fleischer (Ratsch, 1:41:11), Petrak (Komotau, 1:44:11), Rudolf (Wistritz, 1:44:13) und Götz (Neudeck, 1:46:01). (Nr. 9, Sept. 1933)

 

 

Österreichische Saalsportler in Neutitschein 1933

Am 21. und 22. Oktober 1933 wurde eine Abschlussfeier der deutsch-tschechischen Arbeiter-Radfahrer un Neutitschein abgehalten. Um dieser Veranstaltung nachhaltigen Enindruck zu verleihen, wurde für Samstag ein Bühnen-Kunstfahren und für Sonntag auf dem Stadtplatz ein treffen mit den Wienern im 2er Radball vorgesehen. Auf Einladung der Neutischeiner Genossen nahmen sechs Saalsportler von Freiheit Hemals daran teil.

 

Das Bühnenschaufest eröffnete Genosse Sobek, in dem er mit einigen Worten warmherzig der deutschen Genossen gedachte und die österreichischen Saalsportler herzlichst begrüßte. Der mitwirkende Mandolinenklub Nesseldorf ist einer der bekanntesten und erstklassigsten Arbeiter-Mandolinenvereine, dies beweist, dass er des Öfteren im Ostrauer Rundfunk mitwirkt. Die Neutitscheiner Saalsportmannschaft zeigte kunstvoll aufgebaute Pyramiden. Programm Nr. 2 war das Solo-Kunstfahren des Bundesgenossen D. Swoboda(Ö), das sich sehr schwierig gestaltete, da der Bühnenraum von 5x7 Meter etwas zu eng begrenzt war. Nun löste die sportlichen Vorführungen das Mandolinenorchester ab. Kaum beendet, starteten die Gruppenkunstfahrer von Neutitschein. Sie fuhren zu zweit, zu dritt, zu viert bis zu acht auf einem Rad und man musste sich wundern, dass dies auf solch kleinem Platz überhaupt möglich ist. Die Neutitscheiner fuhren auch einen gemischten 4er-Reigen und das schnelle Tempo in dem sie die verschiedenen Kreis- und Kehrzüge fuhren zeigte die Ruhe und Sicherheit der Fahrer. Eine wunderbare Schaunummer war der Kosakentanz, der auch von Mitgliedern aus Nesseldorf aufgeführt wurde. Als letzte Saalsport-Aufführung war das Duett-Kunstfahren der Wiener. Sämtliche Vorführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen.

 

Sonntagvormittag wurden unter großer Teilnahme des Publikums die Radballwettkämpfe durchgeführt. In den Pausen mussten die Wiener das Einer- und Duett-Kunstfahren abermals fahren und da auch Genosse Glaser an den Radballwettkämpfen teilnahm, konnte auch das Gruppen-Kunstfahren vorgeführt werden. Die Duelle der Radballspiele im Zweier und Dreier Radball entscheiden die Wiener ausnahmslos für sich.

 

Die Gesamtdurchführung hatte der Saalsportler Genosse Hudec aus Neutitschein inne. Diese Veranstaltung war wirklich ein voller Erfolg und es beweist auch, dass die Neutitscheiner Genossen als Organisatoren wirklich große Arbeit geleistet haben und für den Saalsport die bestmöglichste Propaganda entfalteten. Auch der österreichische Saalsport hat bei dieser Gelegenheit propagandistisch gut gewirkt, dies beweist, dass wir bereits eine Einladung der Troppauer Genossen für 1934 erhielten. (Anm. Nur dazu kam es nicht mehr!)

 

Zu betonen verdient bestimmt die unbegrenzte Gastfreundschaft der Neutitscheiner Genossen und Genossinnen und es wird uns Wienern, die wir draußen waren, das Zusammentreffen mit diesen Genossen stets in schöner Erinnerung verbleiben. (Nr.12, Dez.1933)

 

1934: Der Sportbetrieb in unserem Bunde hat einen sehr erfreulichen Aufstierg genommen. In allen Bezirken und Kreisen werden Wettbewerbe und Meisterschaften durchgeführt. (Radsport-Handbuch des AARuK, 1934)

Die Mitgliederzahl sank ab 1930 in Folge von Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten bis 1936 auf 11.000. 1937 fusionierten Arbeiter-Turn- und Sportverband und Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund zur Arbeiter-Turn- und Sportunion.

 

Wie lange der Radfahrer-Verein Krumau existierte, konnte bisher nicht ermittelt werden. Spätestens 1938 wurde er, wie alle anderen sozialdemokratischen Organisationen von den Nazis aufgelöst und verboten.

 

 

Quellen:

  • Der Böhmerwald Volksbote, Krumau, war die sozialdemokratische Zeitung für Südböhmen
  • „Der Arbeiter-Radfahrer“ - Reichsorgan der Arbeiter-Radfahrer Österreichs - 1932 beschloss der Bundestag, den Titel „Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund Österreichs“ zu tragen, das Bundesorgan heißt nun „Der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer“ (https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=rad&size=45)
 

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