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Adolf Pohl
Wer waren Adolf (1875-1933) und Alfred Pohl (1902-1964 )?
Adolf Pohl, geboren am 11. März 1875 in Neuhammer bei Neudeck im Erzgebirge (Nové Hamry) war ein sozialdemokratischer Politiker und in der Zwischenkriegszeit (1920-1933) Mitglied der Nationalversammlung für die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei (DSAP).
In den Jahren 1890–1908 arbeitete er als Bergmann. Als 24jähriger junger Mann stand er bereits im Jahre 1900 beim großen westböhmischen Bergarbeiterstreik an der Spitze der Bergarbeiterbewegung. Es ging dabei nicht nur um mehr Lohn, sondern vor allem verlangte sie die Herabsetzung der Arbeitszeit von 60 auf 46 Wochenstunden. Und sie hat beides erreicht. Später war er sozialdemokratischer Parteisekretär in Falkenau/Falknov . Er diente in dieser Funktion bis zum Ausbruch des Weltkriegs, in dem er an der russischen Front kämpfte, wo er ein Bein verlor.
Nach seiner Rückkehr aus der Armee wurde er 1916 leitender Sekretär der Union der Bergarbeiter (Bergarbeitergewerkschaft), eine Position, die er bis zu seinem Tod innehatte.
An der Seite Josef Seligers, dem damaligen Vorsitzenden der DSAP, stritt er auf dem Karlsbader Parteitag vehement für die Einheit der Sozialdemokraten. Mit dem Sudetendeutschen Sozialdemokraten Franz Katz verband Pohl eine herzliche Freundschaft.
Bei den Parlamentswahlen 1920 errang er im Wahlkreis Karlsbad für die DSAP einen Abgeordnetensitz in der Nationalversammlung einen Abgeordnetensitz in der Nationalversammlung. Er verteidigte das Mandat bei den Parlamentswahlen 1925 und 1929. Er war stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Klubs der deutschen Sozialdemokratie, Obmannstellvertreter im außenpolitischen und im Immunitätsauschuss, Vizepräsident des Wirtschaftsbeirats sowie Mitglied des Kohlen- und Eisenbahnerrates.
Er starb im Alter von 58 Jahren am 30. April 1933 in Probstau bei Teplitz-Schönau an Rippenfellentzündung. Die Trauerfeier fand im Bergarbeiterheim in Falkenau statt, wo seine Leiche aufgebahrt wurde und sodann zur Einäscherung in die Bürger Feuerhalle (Most) überführt wurde.
Neben Josef Seliger war Adolf Pohl eine der stärksten Persönlichkeiten, die aus der deutsch-böhmischen Arbeiterbewegung hervorgegangen sind…. Das schönste Denkmal setzte ihm wohl Wenzel Jaksch in seiner Stuttgarter Rede im Jahr 1952 vor der Seliger-Gemeinde, in der er folgendes über Adolf Pohl sagte: „Solange sudetendeutsche Bergarbeiter leben, die in den Schächten von Brüx und Dux, von Falkenau und Nürschau, von Schatzlar und Radowenz gefront haben – oder heute noch drüben fronen, ich nenne nur das Schreckenswort Joachimsthal -, werden diese zwei Männer (Anm.: Adolf Pohl und Franz Katz) unvergessen bleiben. Sie haben aus Grubensklaven Menschen gemacht, deren sozialpolitische und betriebliche Errungenschaften weithin in Europa mustergültig waren. Adolf Pohl, dieser kernige Egerländer, stand, obwohl er Beinamputierter des Ersten Weltkrieges war, an der Spitze aller großen Bergarbeiterkämpfe in der ersten CSR. Er verstand es, vier oder fünf rivalisierende Verbände unter einen Hut zu bringen und auch zehntausende tschechische Bergarbeiter in den Bann seines klaren Willens zu zwingen. Durch die hohen Anforderungen dieser Aufgabe früh dahingerafft, ließ Adolf Pohl zwei leuchtende Denkmäler zurück, die Bergarbeiterheime in Brüx und Falkenau,die heute noch Tausenden seiner Getreuen ein Symbol besserer Tage sind.“
Welche Bedeutung Adolf Pohl hatte zeigt der Bericht im Sozialdemokrat vom 4. Mai 1933 zur Totenfeier: „Falkenau, die Stadt langjährigen Wirkens von Adolf Pohl, nahm heute Abschied von ihrem großen Sohn. Es nahmen Abschied die Funktionäre der Arbeiterbewegung von ihrem Lehrer und Führer und nahmen Abschied die Bergarbeiter und viele hundert Arbeiter anderer Berufe von ihrem Kameraden, von einem ihrer liebsten Freunde.
Falkenau, jahrelang die Städte ruhiger bedächtiger Arbeit, aber auch heißer leidenschaftlicher Kämpfe des jungen Berarbeitersekretärs, war heute Stadt tiefster Trauer. In den frühen Vormittagsstunden schon zogen viele Arbeiter nach dem Bergarbeiterheim. Im Vestibül des Hauses, das er mitgeschaffen, stand, umgeben von dunklem Blättergrün der dunkle Sarg, an dem Bergarbeiter in Knappentracht und Arbeiterturner Ehrenwache hielten….
Vor dem Bergarbeiterheim im Spalier die unflorten Fahnen der Organisationen, im Vestibül des Bergarbeiterheims zu Häupten des Totenschreins die Fahne der Partei. Orgelklänge leiteten die düstere Feier ein, die proletarischen Sänger trugen ein ergreifendes Abschiedslied vor. Für die Partei, der Adolf Pohl so viele Jahre als Führer vorangeschritten, nahm von dem Mitabeiter, von dem Freunde, in schmerzdurchbebter Rede Genosse Dr. Czech Abschied. …
In ehrfürchtigem Schweigen verharrten die Trauergäste einige Minuten lang an der Bahre des Führers, des Freundes, dann versammelten sich die Funktionäre der Arbeiterbewegung zu vielen Hunderten im großen Saal des Bergarbeiterheims zur Trauerkundgebung. …
Andere Trauergäste kamen, Arbeiter und Arbeiterfrauen traten in scheuer Ehrfurcht zu dem Sarge, gedachten voll tiefen Wehes des Kameraden, dessen unermessliches reiches vielseitiges Wirken für Arme und Unterdrückte so unvermutet jäh der Tod abgebrochen hat. Augenblicke schweigenden Gedenkens – verhaltenes Weinen – und im erschütternden Bewußtsein ihrer unersetzlichen Verlust tragen zu müssen, verließen die nun um so viel ärmer gewordenen das Haus, andere Trauergästen Platz zu machen. …
Dann ergriffen Bergleute den in ein Meer von Blumen gebetteten Sarg und trugen ihn durch ein Spalier sich senkender Fahnen zum Wagen. Schweigend und ergriffen nahmen die Tausenden, die vor dem Berarbeiterheim hinter dem Spalier der Turner, der Jugendkichen und der Bergarbeiter Aufstellung genommen hatten, Abschied von Adolf Pohl, Abschied für immer. Wehmütig erklangen die Weisen eines Bläserchorals, als der Wagen in der Ferne entschwand. …
Abschluss der Totenfeier in Brüx: Auf dem Abhang vor dem Brüxer Krematorium, dessen frisches Grün im Schein der Frühlingssonne mit dem traurigen Anlaß wunderbarkontrastierte, versammelten sich in der fünften Nachmittagsstunde Tausende Arbeiter, die aus Stadt und Bezirk Brüx, wie auch aus dem ganzen Kreisgebiet von Komotau bis Teplitz-Schönau erschienen waren, um dem toten Führer die letzte Ehre zu erweisen. Der Sarg war unter freiem Himmel aufgebahrt. Rote Falken, Arbeiterturner, die Mitglieder des Parteivorstandes und der Gewerkschaftsvorstände umstanden im Halbkreis den Katafalk. Zuerst intonierten die Arbeitersänger einen Trauerchor, dann ergriff im Namen der sozialdemokratischen Partei und der deutschen proletarischen Kulturorganisationen Genosse Hofbauer das Wort, der in bewegter Rede Abschied von dem Toten nahm. …
Beerdigt wurde die Urne von Adolf Pohl wohl auf dem Friedhof in Wysterschan wo sich auch das Grab von Josef Seliger befindet. Ihm zu Ehren hieß die Straße vor dem Bergarbeiterheim in Falkenau bis 1938 Adolf-Pohl-Straße.
Durch seinen Tod 1933 entging Adolf Pohl den Nachstellungen und Greueln der Nazizeit. Anders erging es seinem aus erster Ehe stammenden Sohn Alfred Pohl (1902-1964). Alfred war bei der sozialdemokratisch geführten Bezirkskrankenkasse Falkenau beschäftigt (wie sein Großvater, Bruder und Schwager) und heiratete 1929 seine Ehefrau Theresia. Die Hochzeitsreise wurde im Dienstwagen mit Chauffeur des Vaters durchgeführt. Aus der Ehe Alfred Pohl mit Theresia, geb. Ullersberger, gingen 2 Töchter hervor, Lydia, die Mutter von Harald Scholz und Renate. Alfred war von Jugend an gesundheitlich eingeschränkt, trat früh der Sozialistischen Jigend bei und war aber neben DSAP und Gewerkschaft auch im ATUS engagiert. Als stellvertretender Direktor der Bezirkskrankenkasse und Parteifunktionär wurde Alfred Pohl am 6.10 1938 auf offener Straße verhaftet, seine 8jährige Tochter konnte sich auf einer Toilette verstecken. Er kam ins Gefängnis nach Falkenau, dann über Eger und Nürnberg nach Bamberg und schließlich am 23.12.1938 ins KZ Dachau (Häftlingsnummer 90775). Nach der Befreiung organisierte er in Falkenau die Antifa-Transporte. Seine Frau und die Kinder übersiedelten 1946, er selbst mit dem letzten Antifa-Transport. Alfred Pohl arbeitete zunächst als Buchhalter im Aufklärungskommitee des KZ Dachau und wurde später per Gesetz als Beamter übernommen und widmete sich u.a. dem Bau von Wohnungen für Vertriebene in Eigenarbeit im Ortsteil Rehnenhof in Schwäbisch Gmünd. Nach dem die Stadt das Gelände zur Verfügung gestellt hatte, erstellte eine Siedlergemeinschaft von Vertriebenen dort unter der Leitung von Alfred Pohl ab dem 11. März 1950 80 neue Wohnungen.
Später übersiedelte er nach Regensburg. Hier gründete er die Ortsgruppe der Seiger-Gemeinde mit. Adolf Pohl starb 1964.
Quellen: Wikipedia, Reichenberger Zeitung vom 2.5.1933, Sozialdemokrat 4.5.1933, Brücke 1953, »A Stückl von Daham…« v. Harald Scholz 2024

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