Alfred Kleinberg 1881-1939

Eine Kirsche zum Gedenken an Alfred Kleinberg

Gymnasium in Kaaden/Kadaň ist stolz auf seinen ehemaligen Lehrer

Anlässlich des traditionellen Frühjahrsseminars der Seliger Gemeinde in Bad Alexandersbad vom 12. bis 14. April 2019 wurde beim  Besuch in Kaaden/Kadaň auch dem sozialdemokratischen Pädagogen und Autor Alfred Kleinberg (1881-1939) gedacht. Zusammen mit dem Gymnasium in Kaaden/Kadaň pflanzte die Seliger Gemeinde einen Kirschbaum.

Direktor, Mgr. Tomáš Oršulák Ph.D. und der Historiker Prof. PhDr. Petr Hlaváček Ph.D. stellten dabei die bedeutende Persönlichkeit kurz vor: „Alfred Kleinberg war ein sozialdemokratischer Reformpädagoge, der in der Ersten Tschechoslowakischen Republik durch verschiedene Publikationen auf sich aufmerksam machte. Er war immer Gegner des Nationalsozialismus, was ihm viele Anfeindungen einbrachte. Als Jude war er sich der großen Gefahr durch die Nationalsozialisten bewusst und wählte aus diesem Grund am 16. März 1939 auf der Flucht in Prag den Freitod“. Ein bekanntes Werk von Alfred Kleinberg, „Die europäische Kultur der Neuzeit,  Die deutsche Dichtung in ihren sozialen, zeit- und geistesgeschichtlichen Bedingungen, Die deutsche Dichtung in ihren sozialen, zeit- und geistesgeschichtlichen Bedingungen“ fiel der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer.

Alfred Kleinberg, geboren am 12. Dezember 1881 in Friedeck/Frýdek in Schlesien, unterrichtete Deutsch, Latein und Griechisch. Er leistete Pionierarbeit in der sogenannten Literatursoziologie. Sein Vater Joachim Kleinberg war Rechtsanwalt in Teschen/Cieszyn. Hier besuchte Alfred zwischen 1887 und 1893 die Grundschule und absolvierte 1900 das dortige Gymnasium und studierte von 1900 bis 1904 Germanistik, Literaturwissenschaft und klassische Philologie an der Universität Wien. 1908 begann er als Aushilfslehrer am Staatlichen Gymnasium in Kaaden/Kadaň zu arbeiten. Dort unterrichtete er von 1909 bis 1913 als ordentlicher Professor für Deutsch, Latein und Griechisch. Im Rahmen des Schuljahrbuchs von 1913/1914 veröffentlichte er auch seine Dissertation. Anschließend wechselte er von Kaaden/Kadaň zum renommierten Gymnasium Albrecht in Teschen/Cieszyn, wo er von 1913 bis 1920 arbeitete. Dort vollendete er auch 1917 die erste kritische Biografie des Schriftstellers Karl May. Von 1921 bis 1938 arbeitete er erneut in Nordwestböhmen, in Karlsbad. Alfred Kleinberg widmete sich der Geschichte der europäischen Literatur im 19. Jahrhundert, insbesondere den Persönlichkeiten prominenter Wiener Schriftsteller, den Dramatikern Franz Grillparzer (1791-1872) und Ludwig Anzengruber († 1889). Es versucht, die sozialen und kulturellen Bedingungen der Schaffung literarischer Werke unter Verwendung der Instrumente der marxistischen Philosophie zu reflektieren.

Mitglied der DSAP

Kleinberg war ein aktives Mitglied der deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei und sprach als überzeugter Demokrat öffentlich sowohl gegen die nationalsozialistischen als auch gegen die kommunistischen Ideologien. Als Tschechoslowake, Deutscher und Jude, Demokrat und Intellektueller fühlte Kleinberg die Gefahren des Hitler Nationalsozialismus in Deutschland sehr stark.

Seit 1934 war Alfred Kleinberg auch Herausgeber der Zeitschrift "Sozialistische Warte“*, die sich aus sozialdemokratischer Position für die kritische Interpretation von Postulaten des politischen Sozialismus einsetzte. Wie andere Mitwirkende schrieb Kleinberg seine Artikel aus Sicherheitsgründen unter einem Pseudonym (Spectator). Sowohl Hitlers Nationalsozialismus als auch Stalins Bolschewismus wurden in der Zeitschrift stark kritisiert. Der Karlsbader Karl Hermann Frank, einer der Vertreter der radikalen Sudetendeutschen Partei, der seit 1935 Mitglied der Prager Nationalversammlung war, griff am 21. April 1937 im Parlament den Bildungsminister an: "Die Ausbildung deutscher Jugendlicher und Erwachsener wird durch einen Professor am Real Gymnasium in Karlsbad und den Vorsitzenden des Bildungsausschusses des Karlsbader Bezirkes, Dr. Alfred Kleinberg, bedroht." Frank kritisierte insbesondere Kleinbergs Publikation "Familie und Bildung im bolschewistischen, faschistischen und demokratischen Staat", die die deutsche Nation und insbesondere die neue deutsche Rassenpolitik diffamieren sollte. Der damalige Bildungsminister Emil Franke weigerte sich jedoch, Kleinberg aus dem Lehramt zurückzurufen.

Verbrannte Bücher

Als am 10. Mai 1933 in Berlin eine öffentliche Verbrennung der Bücher sogenannter jüdischer, marxistischer, pazifistischer und anderer "nicht deutscher" Autoren in der "Aktion gegen den deutschen Geist" stattfand, wurde auch Kleinbergs Buch "Die europäische Kultur der Neuzeit", erschienen 1931 in Leipzig und Berlin, verbrannt.

Das Ende des Lebens

Als die tschechoslowakische Grenze im Herbst 1938 von deutschen Soldaten besetzt wurde, floh Kleinberg nach Prag. Die Besetzung der übrigen Tschechoslowakei am 15. März 1939 bedeutete für Alfred Kleinberg eine persönliche Tragödie, das Ende der Ideen eines freien und demokratischen Europas. Als er fast sechzig Jahre alt war, wollte er nicht mehr fliehen, und beging am 16. März 1939 in Prag Selbstmord.

*Die Sozialistische Warte war eine Zeitschrift, die 1934-1940 unregelmäßig in Paris veröffentlicht wurde.

 

Die Nationalbibliothek der Tschechischen Republik dokumentiert folgende Publikationen:

  • Denken und Fühlen im Vormärz (Wien, Schulwissenschaftlicher Verlag, A. Haase, 1917)
  • Das Denkmal der unbekannten Proletarierin (Bewegung der sudetendeutschen Arbeiterinnen, zusammen mit Fanni Blatny, Karlsbad, Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, 1937)
  • Die deutsche Dichtung in ihren sozialen, zeit- und geistesgeschichtlichen Bedingungen (Berlin, J.H.W. Dietz Nachf.,c1927)
  • Familie und Erziehung im bolschewistischen, faschistischen und demokratischen Staat (Ústí n. L., Neue Erziehung, 1936)
  • Mihi et Mundo (Gedichte, Leipzig, Verlag Neue Literatur, 1903?)
  • Die neue Schule (5. pädagogische Woche in Ústí n. L., gemeinsam veröffentlicht, Ústí n. L., Neue Erziehung,1936)
  • Schule und Völkerversöhnung (4. Pädagogische Woche in Teplice-Šanov, zusammen mit anderen Vorträgen veröffentlicht, Prag, Staatliche Verlagsanstalt, 1937)
  • Die Zensur im Vormärz, Wien, Schulwissenschaftlicher Verlag A. Haase, 1917)
  • Zum Goethejahr 1932 (Prag, Staatliche Verlagsanstalt, 1932)
 

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