Dr. Ludwig Czech

DR. LUDWIG CZECH (1870-1942)

Dr. Ludwig Czech, geboren 1870 in Lemberg, gestorben 1942 im KZ Theresienstadt, war von 1920 bis 1938 Vorsitzender der DSAP. Von 1929 bis 1938 gehörte er der tschechoslowakischen Regierung als Fürsorgeminister an, von 1934 bis 1935 als Arbeitsminister und von 1935 bis 1938 als Gesundheitsminister. Czech gilt als maßgeblich verantwortlich für den integrativen Kurs der DSAP, der konstruktive Mitarbeit der deutschen Minderheit in der jungentschechoslowakischen Republik vorsah.

Seligers Nachfolger als Parteivorsitzender der DSAP war Dr. Ludwig Czech, ein Brünner Advokat jüdischer Herkunft, langjähriger Vorsitzender der mährischen Landesorganisation vor 1919, ein vorsichtiger Mensch, welcher der astromarxistischen Richtung der altösterreichischen Sozialdemokratie sehr nahe stand. Die Austromarxisten suchten einen Kompromiss zwischen der marxistischen Orthodoxie und der Teilnahme am demokratischen Sozialismus.  Sie waren daher grundsätzlich internationalistisch eingestellt, ungeachtet der großen Schwierigkeit, diesen Standpunkt mit einer nationalen Diskriminierung in den Anfangsjahren der Tschechoslowakischen Republik zu vereinbaren. Czech war bis 1938 im amt und er war deshalb mitverantwortlich für den Kurs der DSAP, im sozialpolitischen Interesse der von ihr vertretenen Arbeiterschaft den tschechisch dominierten Staat zu unterstützen und sich ab 1929 an verschiedenen Koalitionsregierungen zu beteiligen.

Der vorsichtige Kurs Czechs war auch das Ergebnis politischer Zwänge und es ist unbewiesen, ob Seliger durch ein eher gesamtsudetendeutsch orientierte Zielsetzung den Anliegen der Deutschen im Staate mehr genutzt hätte. Zum Beispiel musste Czech die durch Abspaltung der kommunistischen Linken erheblich geschwächte DSAP konsolidieren, den Jugendverband nahezu neu aufbauen und die Zusammenarbeit mit den teilweise in linkes Fahrwasser geratenen Gewerkschaften verbessern.

Zugleich musste sich die DSAP gegen die antideutsche Politik der tschechischen Bruderpartei und der von letzterer unterstützten Regierungskoalition behaupten. In der ersten Hälfte der Zwanziger Jahre wurde die tschechische Sozialdemokratie in der Parteipresse oft heftiger kritisiert als die KSC. Die DSAP befand sich in einem Dilemma: Sie musste versuchen, die sozialen und wirtschaftlichen Anliegen der sudetendeutschen Arbeiter im tschechoslowakischen Staat zu vertreten, ohne deren Wünsche im nationalpolitischen Bereich zu vernachlässigen – eine Aufgabe so schwierig wie die Quadratur des Kreises.

Ab 1938 wurde er, nach der Abspaltung des Sudetenlands zugunsten des Deutschen Reichs im Rahmen des Münchner Abkommens, als Jude, Sozialdemokrat und Gegner der von den deutschen Nationalsozialisten gesteuerten SdP Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Nach seiner Verschleppung 1942 starb er im selben Jahr im KZ Theresienstadt..

 

Ludwig Czechs politisches Credo:

 

Gegen Kriegstreiberei -  für den Frieden

Gegen den Faschismus – für die Demokratie

Gegen nationale fronten – für die Zusammenarbeit der Nationen

Gegen das Krisenelend – für Arbeit und Brot

Gegen das kapitalistische Chaos – für die sozialistische Planwirtschaft

 

 

 

 

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