Weihnachtsgeschichte 2018


Foto und Textbausteine: Matthias Zwarg

Weihnachten in einem Spielzeugmacher-Haushalt - Gemälde eines unbekannten Malers

Ein Kind ist geboren...

Die andere Weihnachtsgeschichte aus dem Erzgebirge der 1920er Jahre

Maria und Josef sind schon etwas in die Jahre gekommen. Vielleicht aber sind sie auch nur zu früh alt geworden. Ein Wunder wäre es nicht. Josef ist ein "Männelmacher", ein erzgebirgischer Spielzeugmacher; in Arbeitsschürze ist er gerade aus der Werkstatt im Hinterzimmer gekommen, freut sich über das Neugeborene, das seine Frau nach dem Waschen in warme Decken hüllt. Es ist ein einfacher Haushalt - darüber täuschen auch die große Pyramide in der Ecke und der imitierte Orientteppich auf dem Boden nicht hinweg.

Die Szene leuchtet im hellen Licht, das von irgendwo kommt - vielleicht von den Sternen, die einst zu dem kleinen Jesuskind führten – wissen wir doch aus den Sozialberichten von Wenzel Jaksch um die Zustände in den Werkstätten der Handwerker und Heimarbeiter.

Von ihrer Arbeit konnten die Männelmacher im Erzgebirge oft kaum leben, obwohl der Mann auf dem Gemälde sicher nicht zu den Ärmsten gehörte. Hungersnot, Teuerung und Arbeitslosigkeit prägten das Leben im Erzgebirge. Der Spielzeugmacher blieb trotzdem seiner Heimat treu, und vielleicht deutet das August-Bebel-Porträt und das von Bildung zeugende Bücherregal an der Wand darauf hin, dass er an ein besseres Leben glaubte. Das Wissen um die Solidarität der arbeitenden Menschen glimmt in den Augen des Spielzeugmachers und seiner Frau - es sollte in jedem Stern und in jeder Kerze zum Weihnachtsfest leuchten. Das Wunder der Geburt Jesu spiegelt sich in der Geburt eines jeden Kindes der Welt.

August Bebel (1840-1913), einer der Gründerväter der deutschen Sozialdemokratie, hatte oft im Erzgebirge gesprochen, er war ein mitreißender Redner, enger Freund von Friedrich Engels, geachtetes Mitglied der Sozialistischen Internationale und Vorkämpfer für die Emanzipation der Frau. Die junge Mutter auf dem Gemälde scheint geradezu eine Illustration zu Bebels Beschreibung der Situation von Frauen jener Zeit zu sein: "Auf dem flammenden Altar, wo der Suppentopf brodelt, wird Jugend und Unbefangenheit, Schönheit und frohe Laune geopfert, und wer erkennt in der alten, kummergebeugten, triefäugigen Köchin die einst blühende übermütige, züchtigkokette Braut in dem Schmucke ihrer Myrtenkrone?" Und Bebel prophezeite: "Es gibt keine Befreiung der Menschheit ohne die soziale Unabhängigkeit und Gleichstellung der Geschlechter." Er stand auf der Seite der Arbeiter gegen die selbst ernannte Bildungselite und einen Klerus, der sich eher der Macht verpflichtet fühlte: "Genau genommen ist aber ein Arbeiter, der Kloaken auspumpt, um die Menschen vor gesundheitsgefährdenden Miasmen zu schützen, ein sehr nützliches Glied der Gesellschaft, wohingegen ein Professor, der gefälschte Geschichte im Interesse der herrschenden Klassen lehrt, oder ein Theologe, der mit übernatürlichen transzendenten Lehren die Gehirne zu umnebeln sucht, äußerst schädliche Individuen sind."

Der ehemalige Bergmann und Heimatforscher Bernd Lahl aus Chemnitz entdeckte das Bild vor Jahren bei einem Antikhändler in Annaberg-Buchholz. Gefunden wurde es auf dem Dachboden der sogenannten Hohl-Villa in Annaberg-Buchholz, in der 1935 eine große, von der Kreisleitung der NSDAP organisierte Weihnachtsschau unter dem Motto "Weihnachtsglück im Erzgebirge" veranstaltet wurde. Weil auf diesem Gemälde aber (sehr wahrscheinlich) August Bebel von einem Bild an der Wand schaut, wurde es wohl nicht öffentlich gezeigt. Die Figuren auf den Regalen an der Wand, die aus der Werkstatt des Spielzeugmachers stammen, deuten darauf hin, dass das Bild in den 1920er-Jahren gemalt wurde.

 

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