Der Kleine Widerstand

Sudetendeutschen Sozialdemokraten unterstützten die Exil-SPD im Widerstand

Der Kleine Widerstand in deutsch-tschechischen Grenzgebiet - Hilfe für Flüchtlinge und Information der Bevölkerung - Beispiele aus Straubing und Regensburg

Widerstand und Verfolgung betrafen die Sozialdemokraten im Sudetenland wie in Niederbayern und der Oberpfalz – nicht selten Seite an Seite - während des NS-Regimes. Gerade die Unterstützung der Flüchtlinge aber auch die Information der Genossinnen und Genossen im Reich - und damit auch eines interessierten Teiles der Bevölkerung – lag der ExilSPD am Herzen. Mutige Männer und Frauen – auch aus Straubing - schmuggelten illegales Material, darunter die im Prager Exil gedruckten Parteizeitungen ‚Neuer Vorwärts‘ und ‚Sozialistische Aktion‘, unter größten Gefahren über die bayerisch-tschechische Grenze und verbreitete es in ganz Bayern - mit dem Zug, dem Fahrrad und Motorrad oder auch zu Fuß oder auf Skiern.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Verbot der SPD 1933 kamen zahlreiche Funktionäre in "Schutzhaft", andere konnten emigrieren und bildeten die Sopade (Sozialdemokratische Partei Deutschlands), den Exilvorstand der SPD in Prag. Teile der Exil-SPD hatten sich frühzeitig auf den Widerstand gegen den Faschismus eingestellt. Aufgrund ihrer finanziellen Unabhängigkeit waren sie in der Lage, eigene Grenzsekretariate zu unterhalten, um den Transport illegalen Materials zu erleichtern und Kuriere von und nach Deutschland zu unterstützen.

In Karlsbad erschien die erste Nummer der sozialdemokratischen Wochenzeitung 'Neuer Vorwärts'. In dem Aufruf heißt es: »Zerbrecht die Ketten! Der Welt die Wahrheit zu sagen und dieser Wahrheit auch den Weg nach Deutschland zu öffnen, ist unsere Aufgabe.« Die Sopade forderte die sozialdemokratischen Gruppen im Untergrund dazu auf, "Massenagitation" zu betreiben und die geschmuggelten Schriften an möglichst viele Menschen zu verbreiten. Unmengen raffiniert getarnter, in Kleinstformat und auf Dünndruckpapier gedruckter Zeitungen, Flugblätter und Broschüren gelangten über Kuriere und Angestellte der Speisewagengesellschaft Mitropa in den folgenden Monaten ins Reich. Im ersten Jahr ihres Erscheinens sollen etwa zwei Mio. Exemplare des 'Neuen Vorwärts' nach Deutschland gebracht worden sein.

Ein Leben für Freiheit und Gerechtigkeit

Regensburg war wegen seiner geographischen Lage zu einem wichtigen Verteilungsknoten für die größeren Städte wie Nürnberg und München geworden. Ansprechpartner dort war Hans Weber. Dieser leitete die Gruppe, hielt Verbindung mit der Parteileitung in Prag und organisierte die Verbreitung der eingeschmuggelten Schriften in Südbayern. Die vielen Reisen von Regensburg nach Schwandorf, Amberg, Weiden, Landshut, Straubing, München und einige Male auch über die Grenze in die CSR unternahm Weber teils per Fahrrad, teils mit dem Motorrad des ehemaligen Landtagsabgeordneten Alfons Bayerer, im Winter teils als Skitourist.

Bereits im Frühling 1934 gelang es der Gestapo in den Widerstandszirkel einzubrechen. 60 Strafverfahren gegen Straubingerinnen und Straubinger vor den Sondergerichten Nürnberg und München bzw. vor dem Oberlandesgericht München in den Jahren 1933 - 1945. Darunter auch ein Massenverfahren wegen Einfuhr und Verbreitung illegalen SPD-Propagandamaterials. Unter den 175 Angeklagten waren auch elf Straubinger.

„In Straubing gelang es im September 1933 dem Regensburger Sozialdemokraten Weber, den Beschuldigten Josef Joringer jun., als Vertrauensmann für Straubing zu gewinnen. Joringer erhielt marxistische Literatur in der Zeit von Sept. 33 – April 34 teils von Weber überbracht, teils holte er sie selber in Regensburg bei Weber und der dortigen Abholstelle Bayerer – wohl versteckt unter dem Sattel im Fahrradrahmen; bei den Fahrten nach Regensburg begleitete und unterstützte den Joringer seine Braut, die Beschuldigte Helene Lettner, die in alles eingeweiht war“ so die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. „Joringer gewann als Unterverteiler für Straubing den Beschuldigten Josef Strassmeier, der von Nov. 33 – März 34 die Zeitungen gegen Bezahlung an Interessenten abgab; auch der Vater des Joringer jun., der Beschuldigte Josef Joringer sen., verteilte als Gehilfe seines Sohnes einzelne Zeitungen gegen Bezahlung an Interessenten. Die Beschuldigten Wilhelmine Laumer, Alois Kolbeck, Heinrich Liebl, und Peter Räuschl nahmen verschiedener Male gegen Bezahlung Zeitungen entgegen im Bewusstsein, dass sie sowohl durch den Bezug der Zeitungen als durch die Bezahlung derselben den Wiederaufbau der Partei förderten“, lautete die weitere Anklage. Weiter angeklagt wurden auch Bruno Richter, Andreas und Katharina Massandl sowie Josef Feldmeier, Kranführer in Nürnberg, geb. in Meidendorf/Bogen, wegen Besitzes illegaler Schriften bzw. Kuriertätigkeit.

Josef Jorninger sen. wurde zu 1 Jahr 7 Monaten Gefängnis, Josef Strassmeier zu 8 Monaten, Josef Joringer jun. zu 2 Jahre verurteilt. Letzterer wurde anschließend bis Mai 1939 im KZ Dachau inhaftiert. Die Verfahren gegen Alois Kolbeck, Heinrich Liebl und Peter Räuschl wegen Besitzes der verbotenen Schriften „Neuer Vorwärts“ und „Sozialistische Aktion“ wurde 1934 eingestellt. Für Richter, Massandl und Feldmeier sind keine Urteile gefunden worden.

 

 

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