Begegnungen am Rande des Sudetendeutschen Tages: Alena Opletalová
Alena Opletalová, frühere Mitarbeiterin von Dora Müller und bis heute Verwaltungsmitarbeiterin des Deutschen Kulturvereins Brünn, besuchte den Stand der Seliger-Gemeinde beim Sudetendeutschen Tag in Brünn. Dort zeigte sie sich erfreut darüber, dass sowohl Dora Müller als auch deren Vater Theodor Schuster in der Ausstellung und der Begleitbroschüre „Das Rote Brünn“ gewürdigt werden.
Die Ausstellung erinnert an Persönlichkeiten, die das politische und kulturelle Leben Brünns geprägt haben. Einer der Einträge ist Theodor Schuster gewidmet, der 1870 in Neutitschein geboren wurde. Der studierte Jurist arbeitete als Richter und engagierte sich früh für die Abschaffung der Todesstrafe. Darüber hinaus gehörte er dem Bezirksvorstand der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in Brünn an. Schuster blieb der Stadt bis zu seinem Tod im Jahr 1958 verbunden.
Auch seine Tochter Dora Müller hinterließ in Brünn deutliche Spuren. Seit den 1990er Jahren leitete sie den Deutschen Kulturverband in Brno und prägte mit großem Engagement das kulturelle Leben der deutschsprachigen Minderheit. Unter ihrer Leitung entstand das Ausstellungsprojekt „Drehscheibe Brünn“, das Geschichte und Gegenwart der Region miteinander verknüpft. Zudem setzte sie sich für den Aufbau einer Bibliothek als Ort des Wissens und des Austauschs ein und initiierte die Anbringung einer Gedenktafel für Ludwig Czech, den bedeutenden Sozialdemokraten und früheren tschechoslowakischen Minister.
Alena Opletalová berichtete, dass das politische und gesellschaftliche Engagement Theodor Schusters die Familie bereits 1930 nach Brünn führte. Als Mitglied der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) war er tief in das politische Leben eingebunden. Inmitten der Freunde und Weggefährten ihres Vaters wuchs Dora Schuster in der lebendigen kulturellen Atmosphäre des Brünns der Zwischenkriegszeit auf und entwickelte früh ein starkes Bewusstsein für soziale Verantwortung.
Zwischen 1933 und 1939 gehörte die Familie Schuster zu den engagiertesten Unterstützern jener Flüchtlinge, die vor den Nationalsozialisten aus dem Deutschen Reich und aus Österreich nach Brünn flohen. Die junge Dora Schuster spielte in den Kreisen der Exilantinnen und Exilanten Klavier und hörte im heute nicht mehr existierenden Café Biber am damaligen Lažanský-Platz, dem heutigen Moravské náměstí (dem Mährischen Platz, auf dem die „Lange Tafel“ stattfand) an der Seite ihres Vaters die leidenschaftlichen Diskussionen über die drohenden politischen Entwicklungen Europas. Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Blanka half sie 1938 zahlreichen jüdischen Kindern aus den bereits von den Nationalsozialisten besetzten Gebieten bei der Flucht.
Am 15. März 1939, dem Tag der Besetzung Brünns durch die deutsche Wehrmacht, verließen die letzten dieser Kinder gemeinsam mit ihrer Schwester die Stadt. Während des Krieges zog sich die Familie weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück.
Dora Müller starb am 1. April 2009 in Brünn. Mit ihrem jahrzehntelangen Einsatz für Kultur, Erinnerung und Verständigung bleibt sie bis heute eine prägende Persönlichkeit der deutschsprachigen Gemeinschaft in der mährischen Metropole.