Frühjahrsseminar 2025

Veröffentlicht am 02.05.2025 in Allgemein

An der Gedenkstätte MOHYLA in Tachov/Tachau bekräftigte die Seliger-Gemeinde ihr Versprechen „Nie wieder“. Mit dabei Petr Vrána, Bürgermeister von Tachov (vordere Reihe 2.v.li.), die beiden Bundesvorsitzenden Christa Naaß (li) und Helena Päßler (3.v.li.), die beiden ehemaligen Bundesvorsitzenden Albrecht Schläger MdL a.D.(3. Reihe 2.v.li.) und Dr. Helmut Eikam 2. Reihe 3.v.re.), die beiden ehemaligen Europa Abgeordneten Libor Rouček (3. Reihe 4.v.re.) und Milan Horáček (3.v.re.), die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Nürnberger (3. Reihe links) und Reinhold Strobl (2.Reihe re.) sowie die Teilnehmer des Frühjahrsseminar 2025 der Seliger-Gemeinde

 

Erinnern für die Gegenwart und für die Zukunft

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Todesmarsches von 1945 in Tachov/Tachau

„Wir erinnern heute an die vielen Opfer des Nationalsozialismus. Wir erinnern in Bayern an die zahlreichen Opfer aus den Reihen der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Wir erinnern aber auch in der Tschechischen Republik an die Opfer des Holocausts und der Todesmärsche“, so Christa Naaß am 26. April 2025 in ihrer Einführung am Mahnmal MOHYLA. Petr Vrána, Bürgermeister von Tachov, zeigte sich sehr erfreut über den Besuch aus Deutschland und die Gedenkveranstaltung in Tachov. Vrána verwies auf die Informationstafel am Fuß des Mahnmals, die die Vorkommnisse vor 80 Jahren dokumentiert und erklärte, wie wichtig es sei an die Gräuel des Krieges zu erinnern, gerade heute, wenn unweit in Europa wieder Kriegsverbrechen begangen würden. Der Bürgermeister verwies auch auf den neuen jüdischen Friedhof in Tachau, der nicht weit vom Stadtfriedhof entfernt liegt und in dem eine weitere Gedenkstätte zu finden ist für die Toten der mit der Eisenbahn nach Tachau transportierten Häftlinge aus dem KZ Buchenwald und die dort verbrannt wurden.

Christa Naaß, die Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, deren beide Eltern, Hans und Marie Pfeil, in Tachau geboren wurden und bis zur Aussiedelung im Jahr 1946 hier lebten, erinnerte an die damalige Situation, auch politische Situation, der hier lebenden Menschen. „Bei den Wahlen am 12. Juni 1938 erhielt in Tachau die Sudetendeutsche Partei unter der Führerschaft des Gauleiters Heinlein 3694 Stimmen, die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakischen Republik kam nur auf 425 Stimmen, die Kommunistische Partei auf 58 Stimmen“, so Christa Naaß. Sie erinnerte vor allem an die 311 jüdischen Bürger, die im Bezirk Tachau mit seinen 40.400 Einwohnern lebten. Sie zitierte aus einem Artikel des Bezirksrabbiners anlässlich der 600-Jahr-Feier Tachau im Jahr 1929 mit der Überschrift: „Die Heimatliebe der Tachauer Juden“: „Mit diesem Idealen Bewusstsein feiert das Tachauer Judentum dieses seltene Jubiläum der sechshundertjährigen Heimatliebe, indem die Tachauer Juden nach wie vor den altklassischen Ausspruch von Sophokles befolgen „Nicht mitzuhassen, sondern mitzulieben sind wir da“.

Wenige Jahre später - in der Nacht des 10. November 1938 - wurde die Tachauer Synagoge in Brand gesetzt und die Feuerwehr, die helfen wollte, wurde daran gehindert, den Brand zu löschen. Am 27. Dezember 1938 wurden auch in Tachau die Nürnberger Gesetzte eingeführt. Aus Tachau flüchteten 250 Juden nach Amerika und England. Von den Verbliebenen kamen viele ums Leben. Zudem zogen in der Zeit vom Januar bis April 1945 über das westböhmische Gebiet etliche Transporte von Kriegsgefangenen und vor allem Todesmärsche von KZ-Häftlingen in Richtung des Konzentrationslagers Flossenbürg.

„Im Tachauer Kreis wurden 15 Massengräber entdeckt. Die sterblichen Überreste von über 230 Menschen wurden im September 1946 hier auf dem Hügel in Tachau in ein Massengrab gelegt und ein Denkmal nach dem Entwurf des Maurermeisters Jan Kriz errichtet und MOHYLA genannt. Diese Gedenkstätte wurde am 16. Mai 1948 feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Ich danke der Stadt Tachau, die diese Gedenkstätte weiter aufrechterhält und pflegt, denn Gedenkstätten sind wichtig, um der Opfer zu gedenken aber auch wichtig für das Erinnern“, so Naaß weiter. Gerade im Gedenkjahr 2025 sei dieses Erinnern so wichtig, nicht nur um des Erinnerns wegen, sondern als ein Erinnern für die Gegenwart und für die Zukunft.

Als Vorsitzende der Seliger-Gemeinde, der Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten“, erinnerte Christa Naaß an diesem Ort auch daran, wie es Sozialdemokraten nach der Machergreifung in Tachau erging. Die Sozialdemokraten, darunter auch ihre Eltern, wussten sehr wohl, was sie persönlich zu erwarten hatten und wohin die Ereignisse führen würden. Einige flohen in tschechische Gebiete, wollten also in Emigration gehen. Diese wurden jedoch nach der Mobilmachung durch die tschechische Regierung der Deutschen Wehrmacht übergeben, die sie mit einem LKW nach Tachau zurückbrachte. Dort wurden sie immer wieder verhört, und mancher kam nicht unbeschadet wieder zurück.

„Es waren 30 – 35 Tachauer Bürger, davon 20 – 25 Sozialdemokraten, sechs Kommunisten und einige jüdische Einwohner. Unter den verhafteten Personen war auch mein Vater Johann Pfeil. Mein Vater verlor die Arbeitsstelle, weil er sich weigerte der Henlein-Partei beizutreten. Von der Gestapo verhaftet kam er vom Oktober bis Dezember 1938 in Schutzhaft in den Gefängnissen von Tachau, Weiden und Regensburg. 12 Personen gelang die Flucht und gingen in Emigration. Sie fanden in Schweden, Norwegen, England und Kanada Aufnahme.

 

 

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