Die Seliger-Gemeinde trauert um Karl Ligotky

Veröffentlicht am 02.05.2025 in Allgemein

Karl Ligotky wurde am 10. März 1939 in Johannesthal, Kreis Jägerndorf, in Sudetenschlesien geboren. Aus einer ursozialdemokratischen Familie stammend, engagierte er sich bereits in der Kindheit noch in der alten Heimat bei den „Roten Falken“, der Kinder- und Jugendorganisation der DSAP.

Karls gleichnamiger Vater war Tischlermeister und verwahrte in einem Fehlboden auf dem Dachstuhl eines Gasthauses die beiden Traditionsfahnen der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Organisationen aus Johannesthal und dem benachbarten Petersdorf vor den Henlein-Schergen und dann vor den Nationalsozialisten. Karls Vater war nicht nur Mitglied in der DSAP, sondern auch im Arbeiter-Radfahrer-Verein, im Arbeiter-Turnverein (ATuS) sowie in der (paramilitärischen) Republikanischen Wehr zum Schutz der Tschechoslowakischen Republik.

Im Oktober 1946 wurde die Familie Ligotky als erklärte Gegner des Nationalsozialismus im Rahmen der sog. „Antifa-Transporte“ aus ihrer angestammten Heimat in Sudetenschlesien zwangsausgesiedelt. Die Familie kam in Memmingen zunächst auf dem Schlachthof-Areal unter – und mit dieser Adresse in der Viehhofstraße 5 trat Karl Ligotky sen. praktisch sofort nach Ankunft in der neuen Heimat dem SPD-Ortsverein Memmingen bei, der im Dezember 1945 seine politische Arbeit wieder aufgenommen hatte.

Sein Sohn tat es ihm am 8. März 1957, zwei Tage vor seinem 18. Geburtstag, gleich – und war seitdem Zeit seines Lebens aus dem SPD-Ortsverein Memmingen nicht mehr wegzudenken. Er engagierte sich zunächst in der zuständigen Sektion des Ortsvereins und war seit Mitte der achtziger Jahre bis es vor fünf Jahren gesundheitlich nicht mehr ging, Mitglied des SPD-Ortsvorstands – stets als Vertreter der Seliger-Gemeinde. Mindestens dreimal kandidierte er für den Memminger Stadtrat und konnte so durch seine Bekanntheit und Beliebtheit der SPD wichtige Stimmen zuführen. Da die Falkenzeit in der alten Heimat auf die SPD-Mitgliedschaft angerechnet werden konnte, wurde Karl Ligotky 2022 für 75 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Das große Hobby des Schreinermeisters Karl Ligotky war die Musik. So engagierte er sich über Jahrzehnte mit großer Leidenschaft in der Chorgemeinschaft und dem Mandolinenorchester Amendingen; über zehn Jahre lang war er der 1. Vorsitzende der Chorgemeinschaft.

Spätestens seit Ende der fünfziger Jahre formierte sich auch in Memmingen die Seliger-Gemeinde, der Karl Ligotky von Beginn an angehörte, nachdem er auch in Memmingen die „Falken“ aufgebaut und bis zur Altersgrenze geleitet hatte. Er wurde schnell Mitglied des Vorstands und dann schließlich lange stellvertretender Vorsitzender. Nach dem Tod von Friedrich Weigel wurde er zum Vorsitzenden gewählt und blieb dies bis 2018, als seine Tochter Elke Huisel ihm im Amt nachfolgte. Gut zwanzig Jahre lang war Karl Ligotky auch Mitglied des Landesvorstands Bayern der Seliger-Gemeinde.

Am 4. April 2025 verstarb Karl Ligotky im Alter von 86 Jahren in Memmingen; er wurde am 10. April auf dem Memminger Waldfriedhof beigesetzt – schräg gegenüber von Rudolf Brodkorb, der ihn 1957 in die SPD aufgenommen hatte.

 

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