80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Dachau

Veröffentlicht am 05.05.2025 in Allgemein

„Aus dem „Nie wieder“ darf nie wieder ein „schon wieder“ werden“

Bewegendes Gedenken an den 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Dachau

In der KZ-Gedenkstätte Dachau wurde am 4. Mai 2025 an den 80. Jahrestag der Befreiung erinnert. Als Gäste kamen zehn KZ-Überlebende sowie zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft. Wie in den vergangenen Jahren beteiligte sich auch die Seliger-Gemeinde auch heuer an der zentralen Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 4. Mai 2025 und legte einen Kranz nieder.

1933 waren es deutsche Sozialdemokraten und Kommunisten, die nach der Machtergreifung der Nazis ins KZ Dachau verbracht wurden, um ihnen zu zeigen, was es bedeutet gegen das NS-Regime zu sein. Nach dem Münchener Abkommen von 1938 und der Besetzung der tschechoslowakischen Grenzgebiete waren es die sudetendeutschen Sozialdemokraten und Kommunisten. Die SS führte im Lager ein striktes Regime durch. Kurz vor Weihnachten 1938 wurden viele Gefangene wieder entlassen, nachdem sie unterschreiben mussten, über das Leben im Lager Stillschweigen zu bewahren. Doch einige mussten bleiben. Unter ihnen Adolf Hasenöhrl, der im Oktober 1938 in Langendorf (Dlouhá Loučka) in »Schutzhaft« genommen und im Konzentrationslager Dachau inhaftiert wird. Erst im März 1939 wird er aus der Haft entlassen. Ebenso Roman Wirkner aus Gablonz, der erst nach sechs Jahren 1945 von den Amerikanern befreit wurde, ebenso wie Alois Ullmann, der Mitverfasser der „Erklärung der im KZ Dachau inhaftierten Deutschen aus der Tschechoslowakei“ vom 8. Mai 1945. Weitere Inhaftierte waren Alfred Pohl, Hans Winter, Richard Sommer, Josef Lihl, … Nicht wenige starben noch vor Weihnachten 1938: u.a. Josef Fischer aus Nürschan oder Franz Kauer aus Mies.

Zentrale Gedenkfeier 2025

Auf der zentralen Gedenkfeier, heuer mit ca. 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einem Zelt auf dem ehemaligen Appellplatz, vertraten Bundesvorsitzende Christa Naaß, Bundesgeschäftsführer Rainer Pasta, der Vorsitzende der Regionalgruppe München-Dachau Gerhard Barenbrügge und wie jedes Jahr die Journalistin Christine Roth die Seliger-Gemeinde. Mit dabei auch die SPD-Landesvorsitzende Ronja Endres, ein Seliger-Gemeinde-Mitglied. Die Veranstaltung wurde moderiert von Ilanit Spinner, Journalistin und für die musikalische Begleitung sorgte das Quartett des Jewish Chamber Orchestra Munich.

Nach den Begrüßungsreden von Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, und Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten sprach Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestages, ein Grußwort.

Karl Freller drückte in seinem Beitrag seine ernste Sorge um unsere Demokratie aus. „Wir schätzen unsere Demokratie, wir wollen sie unbedingt haben. Aber diese Demokratie hat eine Schwachstelle: Sie kann sich selbst abwählen, wenn die Falschen gewählt werden“, so Freller. Er warnte: „Aus dem „Nie wieder“ darf nie wieder ein „schon wieder“ werden.“

Dass es diesen Erinnerungsort gibt, sei vor allem den Überlebenden zu verdanken, die die Errichtung der bundesweit ersten KZ-Gedenkstätte vorangetrieben hätten. „Sie mussten das erstreiten gegen eine Gesellschaft, die am liebsten weiter geschwiegen hätte und so schnell wie möglich vergessen wollte“, erinnerte Bundestagspräsidentin Klöckner. 

Die Gedenkbotschaften der Zeitzeugen Bud Gahs, Repräsentant der Befreier, Veteran der US-Truppen, Jean Lafaurie, Überlebender des KZ Dachau, Abba Naor, Überlebender des KZ Dachau und Leslie Rosenthal, Sohn einer Überlebenden des KZ Dachau, geboren im KZ-Außenlager Kaufering, waren sehr beeindruckend und ergreifend. Für jeden Einzelnen erhoben sich die Besucher von ihren Stühlen und applaudierten minutenlang.

Der 100-jährige Bud Gahs, der als Soldat der sogenannten Rainbow-Division am 29. April 1945 dabei war, als die US-Armee das KZ befreite, sagte. "Erst als wir die Tore von Dachau öffneten, wurde uns wirklich klar, wofür wir gekämpft hatten. Was wir an diesem Tag sahen, brach uns das Herz und gab uns neuen Sinn." Sie seien als Soldaten für den Kampf ausgebildet gewesen, aber auf das, was sie da sahen, waren sie nicht vorbereitet, so Gahs weiter. Zum diesem Zeitpunkt befanden sich noch über 32.300 Häftlinge im KZ. Noch wenige Tage vor der Befreiung wurden über 10.000 Häftlinge von der SS auf sogenannte „Todesmärsche“, meist Richtung Tirol, geschickt. Mehr als 1.000 Häftlinge starben dabei.

Der 100-jährige Abba Naor aus Kaunus in Litauen zeigte sich versöhnlich, obwohl seine Mutter und seine beiden Brüder ermordet wurden, er und sein Vater überlebten. Mit Rührung stellt Naor am Ende seiner heiteren Rede fest: „Trotz allem, was ich erlebt habe, bin ich der Meinung, dass das Leben eine feine Sache ist.“

Weitere Grußworte von Dominique Boueilh, Präsident des Comité International de Dachau, Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, weitere stellvertretende Ministerpräsidentin und Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, rundeten die Reden ab.

Ilse Aigner, betonte den zentralen Stellenwert der Erinnerungskultur und einer wehrhaften Demokratie gerade angesichts des Erstarkens der extremen Rechten. Heute werde wieder Stimmung gemacht. Medien und Parteien würden permanenter Lüge und Selbstbedienung bezichtigt und Wissenschaft und Gerichte als willfährige Gehilfen der Politik bezeichnet. „Es ist richtig, wenn der Verfassungsschutz bei uns genau hinschaut“, sagte Aigner. "Wer nicht weiß, welche Errungenschaften unsere Freiheiten sind, muss einfach hierherkommen", sagte sie zum Schluss ihrer Ausführungen.

Mit einer Schweigeminute und Kranzniederlegungen auf dem ehemaligen Appellplatz ging die Gedenkfeier am Nachmittag zu Ende.

Das KZ Dachau

Die Nationalsozialisten hatten das Lager schon im März 1933 eröffnet, es diente dann als Modell für alle anderen Konzentrationslager. In Dachau mit seinen 140 Außenlagern wurden mehr als 200.000 Männer und Frauen aus über 40 Ländern eingesperrt. Mindestens 41.500 Menschen wurden ermordet, darunter Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende und Zeugen Jehovas. Sie verhungerten oder starben an Krankheiten, Folter, Mord oder den schlimmen Bedingungen der Zwangsarbeit und der Haft. Nach dem Krieg diente die Anlage unter anderem als Internierungslager für NS-Täter, seit 1965 ist sie Gedenkstätte.

 

Die Zentrale Gedenkfeier wurde live im Bayerischen Fernsehen übertragen und ist in der Mediathek zu finden: https://www.ardmediathek.de/video/br24extra/80-jahrestag-befreiung-konzentrationslager-dachau/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDIwMTEzQTA

 

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