Projekt "Spurensuche" - Vimperk/Winterberg 2019

Veröffentlicht am 06.04.2019 in Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz

Miroslav Knotek (re.) und Roman Hajnik (li.) ließen das jüdische Leben in der Region durch ihre Beiträge wieder aufleben

 

Exkursion zur Synagoge und zum jüdischer Friedhof in Čkyně/Kieselhof 

An die Geschichte der Juden der Region erinnern heute noch die 1828 im Empire-Stil erbaute ehemalige Synagoge und der aus dem 17. Jahrhundert stammender Friedhof (mit rund 500 Grabstätten), die nach umfangreicher Sanierung wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Verwalter Miroslav Knotek informierte die Besucher über die einst in dieser Region ansässigen Juden und ihr tragisches Schicksal in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Höhepunkt der Besichtigung war zweifellos die Öffnung des Thoraschreins und das Freilegen der beiden Thorarollen. Die Thora ist eine handgeschriebene Pergamentschriftrolle, die auf zwei Stäbe gewickelt ist. Sie ist der Grundstein des jüdischen Glaubens. Die Thora wird in der Synagoge in einem speziellen Schrein, dem Aron ha-Kodesch („der heilige Schrein“) aufbewahrt. Dieser mit einer Tür und einem Vorhang, dem Parochet, verschlossen.

Die Synagoge in Čkyně/Kieselhof, eine der letzten verbliebenen ländlichen Synagogen in der Tschechischen Republik. Die klassizistische Synagoge diente nur bis zum Ersten Weltkrieg als Gotteshaus, da durch Abwanderung seit Ende des 19. Jahrhunderts die jüdische Gemeinde die meisten ihrer Mitglieder verlor. Anfang der 1920er Jahre wurde das Gebäude an die Familie Spaninger verkauft und in ein Wohnhaus mit Werkstatt umgewandelt. Nach dem zweiten Weltkrieg diente das Objekt als Lagerhaus und verwahrloste. Als das baufällige Gebäude abgerissen werden sollte, entdeckten Arbeiter auf dem Dachboden die von Frau Spaninger, einer konvertierten Jüdin, versteckte Thora – eine absolute Sensation. Der Abbruch wurde gestoppt und die Gemeinde entschloss sich die Synagoge zu erhalten.

1990 begann die Renovierung aufgrund einer örtlichen Initiative. Alle Teile des Gebäudes, die erst im Laufe der Zeit angebaut wurden und nicht zum Original gehörten, riss man ab. Trotz der langen Zweckentfremdung des Gebäudes wurden auch noch Reste der Wandmalerei aus der Entstehungszeit und der Thoraschrein entdeckt. Die Synagoge ist seit 1992 ein geschütztes Baudenkmal.

 

Bei der Renovierung halfen auch Gelder aus einem EU-Fonds. Einen großen Anteil leistete der deutsche Unternehmer Hermann Löffler, der am Rande der Gemeinde eine Fabrik besitzt.

 

In der 2013 erneut geweihten Synagoge, dem einzigen Gebetshaus, das in Südböhmen aktiv genutzt wird,  wurde die Ausstellung „Untergegangene Synagogen Südböhmens“ eingerichtet. Nach der Restauration ist auch ein historisches Freskos, ein sogenannter illusiver Altar, zu bewundern. Neben dem Gebetsraum beinhaltet das Gebäude eine Bibliothek der jüdischen Literatur aus den drei Nachlässen ehemaliger Mitglieder. Es gibt auch einen kleinen Kinoraum - eine Möglichkeit nicht nur für Filme und Unterhaltung, sondern auch für Seminare, Bildungsprogramme, Lesungen, Workshops, Vorträge und dergleichen. Beeindruckend ist auch die die große, schöne ehemalige Hauptgebetshalle. Akustisch so konzipiert, dass sie die Rolle eines Konzertsaals übernehmen kann bietet sie auch einen geeigneten Ort für Tanzaufführungen oder Theateraufführungen.

 

Vom jüdischen Friedhof tief beeindruckt: Horst Lausmann (li.) und Manfred Herbinger (re.) mit Roman Hajnik (Mitte)

 

Der Jüdische Friedhof Čkyně stammt aus dem 17. Jahrhundert, der älteste vorhandene Stein datiert von 1688. Auf dem östlich der Ortschaft gelegenen Friedhofsgelände mit einem wurden auch Verstorbene aus dem ländlichen Umland begraben. Auf dem Friedhof steht auch ein Taharahaus, das Gebäude, in dem die Leichenwaschung (Tahara) an verstorbenen Juden vor der Bestattung stattgefunden hat. Insgesamt wurden bis 1942 etwa 500 Bestattungen vorgenommen.

 

In den Jahren 1982 bis 1992 wurde der Friedhof mit den z.T.  barocken Grabsteinen restauriert. Sie tragen Inschriften in deutscher, hebräischer und tschechischer Sprache.

 

Das Zusammenleben mit der christlichen Mehrheit war lange Zeit, von vereinzelten Konflikten abgesehen, meistens problemlos. Es ist zum Beispiel belegt, dass seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Katholiken und Juden in bestimmten Gemeinden die Gottesdienste der jeweils anderen Glaubensgemeinschaft besuchten und auch die Teilnahme an den Hochzeiten oder Begräbnissen der andersgläubigen Nachbarn üblich war. Leider waren gerade diese ländlichen Juden am stärksten der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Sie waren nicht so reich, als dass sie rechtzeitig ins Ausland hätten flüchten können. In Südböhmen ist die jüdische Besiedlung vollständig untergegangen und auch die einstmals zahlreichen Synagogen wurden weitgehend zerstört. Neben der Synagoge in Čkyně/Kieselhof ist in Südböhmen auch noch die Synagoge in Český Krumlov/Krumau.

 

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