
Freuten sich über einen gelungenen Begegnungsabend: Tuzex-Wirt Luděk Pachl (vorne) mit den Seligern aus Niederbayern und Berlin: (v.l.) Bruno Dengel, Ulrich Miksch, Thomas Kopnick, Rita Hagl-Kehl, MdB, Bettina Blöhm, Ursula Weißgräber, Rainer Pasta und Moritz Schneider
Begeisterung und Aufbruchstimmung bei der Seliger-Gemeinde
Eine Abordnung der Vorstandschaft der Seliger-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz traf sich mit den Vertretern der Regionalgruppe Nordwest-Mitte in Berlin
Seit Jahren kennen sich die Mitglieder der Seliger-Gemeinde aus Niederbayern und Berlin von den Jahrestreffen in Bad Alexandersbad. Persönliche Freundschaften und die gemeinsame Idee der Seliger-Gemeinde waren nun der Anlass für ein gemeinsames Treffen in Berlin. Einen beruflichen Berlinaufenthalt nutzten die Mitglieder der Vorstandschaft der Seliger-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz am vergangenen Donnerstag, um sich beim tschechischen Stammtisch im Tuzex am Prenzlauer Berg mit den Berlinern zu treffen. Die aktuelle politische Situation, die Kanzlerkandidatur von Wenzel-Jaksch-Preisträger Martin Schulz und die Zukunft der Seliger-Gemeinde waren die Inhalte des freundschaftlichen Gesprächs.
Luděk Pachl, Jahrgang 1971, betreibt in der Schliemannstraße am Prenzlauer Berg seine Galerie-Ladenkneipe Tuzex*. Der brave Soldat Schwejk ,Pan Tau, der kleine Maulwurf Krtecek und die Prager Marionetten Spejbl und Hurvínek, Holzfiguren mit den Glubschaugen und Knubbelnasen, finden sich an allen Ecken und Enden in den beiden Räumen des Tuzex. Doch auch eigene Malereien des Ladenbesitzers, sowie „Ikonen“ von Karel Gott bis Aschenbrödel, die er unter dem Label Rebel Art vertreibt, ergänzen das Angebot an frisch importierten tschechischen Spezialitäten – und natürlich dem besten tschechischen Bier in Berlin. Faß für Faß holt Luděk Pachl das erlesene Getränk exklusiv für seine Gäste von der Brauerei Trautenberk aus dem Riesengebirge. Es wundert deshalb nicht, dass das Tuzex dadurch zu einem der kulturellen Zentren der tschechischen und slowakischen Community Berlins geworden ist und der tschechische Stammtisch an jedem Donnerstag so manches Original anlockt. Mit seinen 44 Jahren sieht sich Pachl als eine Art Botschafter der tschechischen Kultur, doch auch Eishockey im Livestream lassen nach Ladenschluss im Tuzex jeden Tag den Bierschaum überschwappen – und ein guter Koch ist Luděk außerdem.
Unser Kanzlerkandidat - „ein großer Europäer“
Ursula Weißgärber, Ulrich Miksch und Thomas Kopnick trafen sich im Tuzex mit den Vertretern der Vorstandschaft der Seliger-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz: der Vorsitzenden Rita Hagl-Kehl, MdB, ihrem Stellvertreter Bruno Dengel, Schriftführer Rainer Pasta sowie den Beisitzerinnen Bettina Blöhm und Ulrike von Streit. Natürlich prägten die aktuellen politischen Entscheidungen, allen voran der angesagten Kanzlerkandidatur von Martin Schulz, die Gespräche. Regionalgruppen-Vorsitzender Ulrich Miksch erinnerte daran, dass auf der Seliger-Bundesversammlung am 26.Oktober 2012 in Bad Alexandersbad Martin Schulz mit dem Wenzel-Jaksch-Gedächtnis-Preis ausgezeichnet wurde. „Ein Wenzel-Jaksch-Preisträger als Kanzlerkandidat das hat schon was“, so Miksch. Dem konnten die anderen Seliger nur zustimmen, denn in seiner Laudatio hatte damals Franz Maget Martin Schulz als Brückenbauer für ein geeintes Europa, dem grundsätzlichen Ziel der Seliger-Gemeinde, dargestellt, wie sich Rainer Pasta erinnerte. Franz Maget bezeichnete den damaligen Präsidenten des Europa- Parlaments als „einen großen Europäer“.
Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Seliger-Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz, Rite Hagl-Kehl, berichtete der Versammlung über die Überraschung der SPD-Fraktion durch die Entscheidung Sigmar Gabriels, sowohl auf den Parteivorsitz als auch die Kanzlerkandidatur zu verzichten. Um so mehr konnte Hagl-Kehl von der Begeisterung und die Aufbruchstimmung der Partei berichten, der sich die Seliger auf jeden Fall anschließen konnten, umso mehr, als dass Martin Schulz in seiner Bewerbungsrede klarstellte: „Lasst uns anpacken und unser Land gerechter machen und das mutlose ´Weiter-So´ beenden“.
Frischer Wind in der Seliger-Gemeinde
Auch in der Seliger-Gemeinde verspüren die Mitglieder einen frischen Wind. Die Neugründung der Bezirksgruppe Niederbayern-Oberpfalz hat weit über Bayern hinaus Aufsehen erregt. Seit Jahren gibt es bei der Jahrestagung zu oft Nachrichten von Auflösungen von Ortsgruppen. Obwohl sich die deutsch-tschechischen Beziehungen stetig verbessern – dafür arbeitet die Seliger-Gemeinde seit ihrer Gründung 1951 – und die verbleibenden Mitglieder engagiert und mit Herzblut bei der Sache sind, ließ sich der demographische Faktor, die Abnahme der Mitgliederzahl, bisher nicht umkehren.
Ulrich Miksch, Vorsitzender der Regionalgruppe Nordwest-Mitte und Berlin gratulierte den Niederbayern und Oberpfälzern zu ihrer erfolgreichen Initiative und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Beispiel Schule mache. Doch allein die Neustrukturierung der Mitglieder reiche nicht aus, das Ruder herum zu reißen. Die Seliger-Gemeinde müsse sich dringend inhaltlich reformieren und neue Themenbereich erschließen. Dabei sei die Vergangenheit ein wichtiger Anker, um die eigenen Werte nicht aus den Augen zu verlieren, so Miksch. Er erinnerte im Zusammenhang mit der Ende 2016 verabschiedeten Europa-Proklamation an den Europa-Gedanken des Brünner Nationalitätenprogramms von 1899, wo die Sozialdemokraten noch in der k.u.k-Monarchie Österreichs erkannten, dass die nationale Frage immer auch eine Bewusstseinsfrage sei. In diesem Sinn fordert das Brünner Nationalitätenprogramm auch ein wahrhaft demokratisches Gemeinwesen“, so Ulrich Miksch, der auch eine Bitte an die Bundestagsabgeordnete Rita Hagl-Kehl hatte: „Zum 50. Todestag von Wenzel Jaksch hat es im Bundestag und im Tschechischen Parlament keine Erinnerungsveranstaltung gegeben". Hagl-Kehl bedauerte zutiefst, dass das nicht sattgefunden habe, und versprach dies in der deutsch-tschechischen Parlamentariergruppe zur Sprache zu bringen. Um so mehr freute es Rita Hagl-Kehl, dass es zum 20 Jahrestag der Deutsch-Tschechischen Erklärung vom 21. Januar 1997 gerade in diesen Tagen in Prag eine Veranstaltung gegeben hat, an der auch Vertreter des Bundestages beteiligt waren. Damit Verständigung tatsächlich gedeihen konnte, schuf die Erklärung den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und das Deutsch-Tschechische Gesprächsforum. Diese Institutionen bringen seit fast zwei Jahrzehnten Bürger unserer beiden Länder zusammen. In einer Zeit immenser Herausforderungen für Europa bleibt das Postulat der Erklärung, den Blick partnerschaftlich in die Zukunft zu richten und gemeinsam Verantwortung für Europa zu übernehmen, aktuell, deshalb sollte auch das Parlament diese Erklärung entsprechend würdigen.“
Abschließend ließen die Seliger den Abend gemütlich ausklingen, wobei man sich darauf verständigte, die guten Beziehungen zwischen den Mitgliedern aus Niederbayern-Oberpfalz und Berlin bei einem gemeinsamen Besuch der tschechischen Hauptstadt Prag noch vor Ostern zu vertiefen.
*Tuzex war eine Handelskette in der ehemaligen Tschechoslowakei, deren Waren nur mit Devisen bezahlt werden konnten. Mehr Infos unter tuzexberlin@email.cz, Tel.: 0 178 574 70 16 oder direkt im Laden.