Theaterstück über Wenzel Jaksch

Veröffentlicht am 25.09.2026 in Allgemein

Wenzel Jaksch kommt auf die Bühne

Damit hatte bei „seliger-online“ wohl kaum jemand gerechnet: Am Ende der Gedenkveranstaltung zum 130. Geburtstag und 60. Todestag Wenzel Jakschs meldete sich die Schauspielerin Markéta Richterová zu Wort – und berichtete von einem Theaterstück über den früheren DSAP-Vorsitzenden.

Unter dem derzeitigen Arbeitstitel „Verein der Vertriebenen – die Geschichte von Wenzel Jaksch“ entsteht ein rund einstündiges Schauspiel, das Jakschs Lebensweg auf die Bühne bringen soll. Regie führt Jiří Honzírek, spielen werden Markéta Richterová und Juraj Bartoň. Die Premiere ist für den 28. Oktober 2026 angekündigt.

Im Mittelpunkt soll dabei nicht nur der bekannte Politiker stehen. Richterová machte bei „seliger-online“ deutlich, dass das Stück auch nach dem Menschen Wenzel Jaksch fragt: nach seiner Herkunft, seinen politischen Überzeugungen, seinem Kampf für die Demokratie, seiner Flucht und seinem Exil. Besonders dramatische Stationen seines Lebens – etwa das Versteck in der britischen Botschaft in Prag und seine abenteuerliche Flucht aus der besetzten Tschechoslowakei – bieten dafür beinahe von selbst Stoff für die Bühne.

Auch der Konflikt Jakschs mit Konrad Henlein und den erstarkenden nationalsozialistischen Kräften der 1930er Jahre spielt in der Inszenierung eine wichtige Rolle. Die Veranstaltungsankündigung beschreibt das Stück als Auseinandersetzung mit Jakschs Einsatz für demokratische Werte in einer Zeit zunehmender politischer Radikalisierung.

Dabei soll historische Genauigkeit eine wichtige Grundlage bilden. Richterová berichtete, dass sie erst kurz vor der seliger-online-Veranstaltung weiteres Material von dem Historiker Thomas Oellermann erhalten habe. Auch mit der Seliger-Gemeinde und mit George Jaksch, dem Sohn Wenzel Jakschs, möchte das Ensemble bei offenen Fragen im Gespräch bleiben. Dort, wo keine überlieferten Dialoge existieren – etwa beim politischen Streit im Londoner Exil –, soll historische Recherche mit theatralischer Gestaltung verbunden werden.

Nach Angaben Richterovás sind Aufführungen in Prag und Brünn vorgesehen; anschließend soll das Stück auch an anderen Orten gezeigt werden. Für Deutschland stehen bereits Termine fest: Am 20. und 21. November 2026 ist die Produktion in der Off-Bühne KOMPLEX in Chemnitz angekündigt.

Für die Seliger-Gemeinde ist das Projekt eine besondere Überraschung. Jahrzehnte nach seinem Tod wird Wenzel Jaksch damit nicht nur in Gedenkveranstaltungen, Büchern und historischen Ausstellungen gegenwärtig – seine Lebensgeschichte findet nun auch den Weg auf die Theaterbühne.

Und vielleicht eröffnet gerade das Theater einen neuen Zugang zu einer Persönlichkeit, deren Leben von sozialen Gegensätzen, politischem Kampf, Verfolgung, Flucht und Heimatverlust geprägt war.

 

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