Noch vor vier Wochen, am 19. September feierte sie in München ihren 105. Geburtstag. Die kleine Gratulantenschar aus dem Umfeld in der Seliger-Gemeinde in München, Peter Becher, der Vorsitzende des Adalbert-Stifter-Vereins mit familiärer Herkunft aus Karlsbad, wo Olga Sippl 1920 im angrenzenden Altrohlau geboren wurde, Gregor Schneider, der Ortsvereinsvorsitzende der SPD in dem Olga Sippl noch immer organisiert war, Mathilde Pollak, ihre Vertraute und die Ko-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde, Christa Naaß, erlebten eine gut aufgelegte, ja sehr redselige und spitzbübische Olga Sippl, die doch erst vor zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Sie erzählte viel aus ihrer Kindheit, ihrem Elternhaus aber auch von Stationen ihres Lebens, die weniger schön waren. Schließlich fand sie einige Worte zu sich selbst: „Dadurch, dass ich den Großteil meines Lebens immer formuliert und geschrieben habe, habe ich mir auch bis ins hohe Alter die Fähigkeit bewahrt, zu formulieren und mich zu erinnern.“ So war sie immer ein Schatz für alle Mitglieder und Freunde der Seliger-Gemeinde, die über so vieles noch aus der Organisation der DSAP in den 1930er Jahren und darüber hinaus berichten konnte.
„Wahre Freundschaft soll nicht wanken“, sagte sie öfters an diesem Nachmittag ihres Geburtstages. Es war als Dankeschön gemeint an die, die sie besucht hatten, aber auch im Hinblick darauf, dass sie alle grüßen sollten, die sich an sie erinnern, als vorgezogener Abschied.
Christa Naaß:
Olga Sippl, Ehrenvorsitzende der Seliger-Gemeinde ist im Alter von 105 Jahren verstorben. Wir gedenken ihrer mit großem Respekt für ihre Lebensleistung und in tiefer Freundschaft. Ihre Persönlichkeit, ihr Weitblick und ihr reichhaltiger Erfahrungsschatz werden uns fehlen!
Dr. Thomas Oellermann:
Olga Sippl hat uns verlassen. Das macht mich sehr traurig. Olga hat so viel erlebt und so viel Gutes getan. Sie erlebte, wie die Menschen 1938 am Wenzelsplatz Schlange standen, um Papiere für die Flucht vor den Nazis zu bekommen. Ruhe in Frieden, liebe Genossin!
Peter Schmid-Rannetsperger
Die Ortsgruppe Waldkraiburg trauert um Olga Sippl, Ehrenvorsitzende der Seliger-Gemeinde, die nun mit 105 Jahren verstorben ist.
Olga Sippl war der Ortsgruppe Waldkraiburg in besonderer Weise verbunden. Gerade auch in den letzten Jahrzehnten hielt sie immer einen engen Kontakt zu uns aufrecht. Sie war uns als Ratgeberin in echter Freundschaft eine große Stütze.
Die Bundesversammlung in Bad Alexandersbad war überschattet von dieser traurigen Nachricht, die uns dort in den frühen Morgenstunden am 18. September ereilte.
BayernSPD:
Mit großem Respekt und tiefer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Olga Sippl, die im Alter von 105 Jahren von uns gegangen ist. Ein Leben, das so viele Jahrzehnte getragen hat von Engagement, Mut und unerschütterlicher Überzeugung.
Sie war eine beeindruckende politische Weggefährtin, die für Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie eintrat – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Ihre Stimme klang über Generationen hinweg.
In ihrer langen Zeit hat sie Brücken gebaut. Sie wusste: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie braucht uns alle. Und genau dafür stand sie.
Ihr Engagement bleibt uns Vorbild – ihr Mit unvergessen.
SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag und Volkmar Halbleib:
Ein Jahrhundertleben ist zu Ende gegangen. Wir trauern um Olga Sippl (1920-2025).
Wie kaum eine andere Persönlichkeit stand Olga Sippl für die antifaschistische Tradition der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Schon in den 1930er-Jahren engagierte sie sich gegen Nationalismus und NS-Ideologie. Nach Krieg und Vertreibung setzte sie sich in Bayern für die SPD und die von ihr mitbegründete Seliger Gemeinde ein.
Ihr lebenslanges Wirken galt der Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen sowie der Bewahrung demokratischer Werte.
Wir werden sie nicht vergessen und in ihrem Sinne weiterarbeiten!
Dr. Basitan Vergnon:
Ich habe Olga Sippl Anfang der 2010er Jahre bei den ersten Vorbereitungen meiner Doktorarbeit zu den sudetendeutschen Sozialdemokraten in der BayernSPD interviewt. Sie hat sich danach zu DER Zeitzeugin für meine Arbeit entwickelt. Nicht nur, weil sie mit einem enormen Gedächtnis über die Zeit vor und nach 1945 berichten konnte. Sondern auch, weil sie ihren 90ern immer noch aus diesem Gedächtnis heraus zahlreiche weitere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie regionale Gliederungen der Seliger-Gemeinde genannt hat. Zuletzt hat sie der Dissertation mit dem Satz "Weißt Du, unsere politische Heimat konnte man uns nicht nehmen." auch den Namen und die theoretische Grundlage gegeben. Ohne sie, das steht fest, hätte es meine Doktorarbeit wohl nie gegeben.
Ich habe mich daher sehr gefreut, ihr 2018 ein eigenes Exemplar der Doktorarbeit vorbeizubringen.
Ich habe mich immer gefreut, sie danach immer wiederzusehen. Zuletzt auf dem Vertriebenenempfang derBayernSPD 2024, bei dem sie im Landtagsplenum nochmals spontan das Wort ergriffen hat.
Und ich habe mich noch gefreut, Anfang August dieses Jahres nochmals kurz mit ihr telefonieren zu können. Sie hat sich auch gefreut und sich mit einem "Freundschaft an alle" von mir verabschiedet. Ich sollte alle grüßen, die sich an sie erinnern und "in früher Zeit einmal" ihre Freunde waren.
Heute ist sie mit 105 Jahren verstorben.
Ruth Müller, MdL:
Mit großer Betroffenheit nehmen wir Abschied von Olga Sippl, die im Alter von 105 Jahren verstorben ist. Mit ihr verliert nicht nur die BayernSPD eine Jahrhundertpersönlichkeit.
Während des NS-Terrors war sie - trotz vieler Widrigkeiten - aktiv gegen Unterdrückung und für Menschlichkeit. Aus eigener Erfahrung wusste sie daher, wie wichtig der Kampf gegen den wiederaufflammenden Rechtsextremismus ist.
Sowohl für die BayernSPD wie für die Seliger-Gemeinde hat sie jahrzehntelange Verdienste erworben - bis ins hohe Alter.
Ich habe Olga bei verschiedenen Veranstaltungen getroffen und sie für ihren Weitblick sehr geschätzt. Ihr Leben war ein Beispiel dafür, wie politischen Überzeugungen und menschlichem Zusammenhalt wirkliche Kraft innewohnen.
Danke für Deinen Mut, Deine Ausdauer, Dein unbeirrbares Einstehen für Freiheit und Gerechtigkeit. Du wirst uns fehlen - und zugleich bleibst Du uns ein Vorbild.
Sudetendeutsche Zeitung – online:
Trauer um Olga Sippl
Kurz nach ihrem 105. Geburtstag ist die große sudetendeutsche Sozialdemokratin in München verstorben.
Olga Sippl wurde am 19. September 1920 in Altrohlau geboren und ist eines der Gründungsmitglieder der Seliger-Gemeinde.
Bereits vor, aber besonders nach der Samtenen Revolution reiste Olga Sippl diverse Male in die Tschechoslowakei bzw. nach Tschechien in die alte Heimat, um für Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen zu werben. In zahlreichen Beiträgen schilderte sie so auch das Wirken der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Für ihre Bemühungen um eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen und für ihr Engagement in der Seliger-Gemeinde wurde sie 1985 mit dem Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis und 2002 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. 2016 erhielt sie aus der Hand des tschechischen Premierministers Bohuslav Sobotka die Karel-Kramář-Medaille.
Im vergangenen Jahr, damals bereits 104 Jahre alt, nahm sie an der Verleihung des Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises im Münchner Maximilianeum teil (Foto: Torsten Fricke) und gratulierte persönlich dem Preisträger und ehemaligen tschechischen Premierminister Dr. Vladimír Špidla.
Einen großen Nachruf auf Olga Sippl lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Sudetendeutschen Zeitung, die am 24. Oktober erscheint.
Karl Georg Haubelt:
Ich habe Olga Sippl vor fast vierzig Jahren in München erstmals kennengelernt. Seither habe ich sie immer wieder mal getroffen. Jede Begegnung mit ihr war bereichernd. Eine große sudetendeutsche und bayerische Sozialdemokratin ist von uns gegangen.