Das Beste aus den Parlamentsreden Wenzel Jakschs (1896-1966) - Teil 3

Veröffentlicht am 25.04.2020 in Bundesverband

Man kann die Wähler täuschen, aber die Weltgeschichte kann man nicht beschwindeln. Man kann sich in diesem Staate nicht auf jungfräuliche Loyalität berufen und gleichzeitig vom Nachbarsohn Kinder kriegen.

Die Klarstellung muß erzwungen werden, sonst sehe ich die größte politische Katastrophe kommen, die das Sudetendeutschtum je erlebt hat. Heute beherrschen zwei politische Tatsachen das Denken dieser deutschen Bevölkerung: die Hoffnung auf einen Krieg und die Furcht vor dem Kriege. Das sind zwei beherrschende Tatsachen im Grenzgebiete. Eure Anhänger freuen sich über Deutschlands Aufrüstung. Alles geschieht selbstverständlich nur zum Zwecke der Friedenserhaltung. Hitler und Goering sind bekanntlich Friedenspolitiker.

Ja, meine Herren, was die deutsche Aufrüstung anlangt, kann man wohl sagen; wer sich ein Grammophon kauft, der will es auch spielen lassen, und die Kanonen, die gegossen werden, die Flugzeuge, die gebaut werden, werden nicht zu dem Zwecke geschaffen, um ins alte Eisen zu wandern. Die Menschen in Deutschland kennen die Gegenkräfte nicht, mit denen das aufgerüstete Hitlerreich zu rechnen hat, aber die Grenzdeutschen tragen eine riesenhafte Verantwortung. Für sie gibt es keine mildernden Umstände. Deshalb ist es ein selbstmörderischer Frevel, wenn sich sudetendeutsche Menschen an den angeblichen Erfolgen Hitlers berauschen. Wie sehen diese Erfolge aus? Bombenflugzeuge, eine Kriegsflotte, strategische Autostraßen. (Lärm hält an – Stellv. Vorsitzender Taub läutet.) Je größer diese Fortschritte, umso ferner die europäische Gesundung, von der auch das Schicksal der Sudetendeutschen abhängt.

Fortschritt könnte man es nennen, wenn ein wirtschaftliches Bündnis zwischen Frankreich und Deutschland zustande käme, ein Fortschritt wäre es, wenn wir zu einem Präferenzregime im Donauraum gelangen würden, ein Fortschritt wäre es, wenn wir wirtschaftliche Brücken in größten Ausmaßen schlagen könnten zwischen Westeuropa und dem riesenhaften wirtschaftlichen Neuland Sowjetrußland. Davon ist aber Deutschland mit seiner heutigen Politik weit entfernt.

Wir sehen nicht nur die Konstellation von heute, wir sehen auch die Gestaltung von morgen. Darauf richten wir unsere Politik ein. Und darum bekennen wir uns zu den Verfolgten und Verbannten, darum grüßen wir die Unbeugsamen, die in Nacht und Grauen des Hitlerregimes die Fahne des sozialistischen Widerstandes hochhalten. Wir kämpfen weiter auch als geschwächte Partei in dem festen Glauben, dass das bessere Deutschtum eines Tages wie ein Vogel Phönix siegreich auferstehen wird aus den Trümmern des Hitlerregimes, dass dann das Erwachen eines neuen Europa kommt, an dem wir in unseren bescheidenen Möglichkeiten mitarbeiten wollen als Brückenschläger zwischen dem deutschen Volke und dem Slawentum. Wir stellen wahre Volkspolitik gegen Eure Katastrophenpolitik.

Wir rufen nach Zusammenfassung der sozialistischen, demokratischen und fortschrittlichen Kräfte im deutschen Volke. Die unabwendbare Katastrophe der Partei Henleins darf nicht zur Katastrophe der Sudetendeutschen werden.

 

aus der Rede vom 26. Juni 1935 zur Regierungserklärung von Premierminister J. Malypetr vom 18. Juni 1935

 

Die Seliger Gemeinde präsentiert „das Beste aus den Parlamentsreden Wenzel Jakschs“, das der Historiker Dr. Thomas Oellermann für uns zusammengestellt hat. Die aktuelle Zusammenstellung finden Sie hier!

 

 

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