Ausstellungseröffnung in Karlsbad

Veröffentlicht am 09.10.2026 in Allgemein

Von der „entarteten Kunst“ zur Schwarzen Orchidee: Wilhelm Hagers Kunst ließ sich nicht in politische Vorgaben pressen. Als der junge Soldat 1944 in Italien ausdrucksstarke Selbstbildnisse (links und untere Reihe rechts) und sein Gemälde „Blick auf die Arena in Verona“ schuf, geriet er mit seinen militärischen Vorgesetzten in Konflikt. Seine Werke galten als „entartete Kunst“ – Hager musste die Propagandaeinheit verlassen und wurde zu einer anderen militärischen Einheit versetzt. Doch er blieb seiner künstlerischen Freiheit treu. Nach dem Krieg entwickelte er seine Malerei immer weiter, experimentierte mit Farben, Formen und Materialien und wandte sich zunehmend der Abstraktion zu. Die „Schwarze Orchidee“ (obere Reihe links) gilt als Höhepunkt dieser Entwicklung. Die Karlsbader Ausstellung macht diesen spannenden Weg vom gegenständlichen Porträt bis zur freien abstrakten Komposition eindrucksvoll sichtbar.

 

Wilhelm Hager – ein Karlsbader Künstler kehrt in seine Heimatstadt zurück

Beeindruckende Ausstellung in der Becher-Villa – Ein außergewöhnliches Künstlerleben und seine sozialdemokratischen Wurzeln

Mit einer sehr gut besuchten Vernissage in der prachtvollen Becher-Villa wurde am 8. Oktober die Ausstellung „Wilhelm Hager – Von Karlsbad nach Karlovy Vary“ eröffnet. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich auch Angehörige der Familie Hager und Rainer Pasta als Vertreter der Seliger-Gemeinde. Die Ausstellung erinnert an einen bedeutenden Künstler, dessen Lebensweg eng mit der Geschichte seiner Geburtsstadt und den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verbunden ist.

Galeriedirektorin Jana Bömerová, Kurator Jan Samec, Initiator Ladislav Helsner und Hagers Sohn Marcel würdigten in ihren Beiträgen das künstlerische Schaffen und die außergewöhnliche Lebensgeschichte des Malers und Bildhauers. Anschließend konnten die Besucher im ersten Stock der Villa einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Schaffensphasen Hagers gewinnen. Während frühere Ausstellungen, unter anderem in Marktredwitz, einzelne Werkbereiche gezeigt hatten, präsentiert Karlsbad nun einen weitreichenden Überblick über sein Lebenswerk.

Wilhelm Hager wurde am 26. Mai 1921 in Karlsbad-Donitz geboren. Seine Eltern Josef und Margarete arbeiteten am Karlsbader Stadttheater. Der Vater war als Kunsthandwerker für Bühnenbilder und Kulissen tätig, die Mutter zunächst als Garderobiere, später als Souffleuse. Die Familie war fest im Umfeld der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) verwurzelt. Besonders Margarete Hager engagierte sich im sozialdemokratischen Netzwerk der Stadt. Die politische Haltung seiner Mutter und das demokratische Klima der ersten Tschechoslowakischen Republik prägten den jungen Wilhelm nachhaltig.

Schon früh zeigte sich seine künstlerische Begabung. Nach seiner Ausbildung an der Fachschule für Porzellanindustrie in Karlsbad-Fischern führten ihn die Kriegsjahre als Soldaten nach Italien. Dort entstand 1944 ein bemerkenswertes Kriegstagebuch, in dem sich die Schrecken des Krieges mit der Begeisterung für Kunst und Kultur und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben verbinden.

1945 musste Hager seine Heimatstadt verlassen. In Illingen in Württemberg fand er eine neue Heimat und entwickelte sich zu einem vielseitigen Maler und Bildhauer. Sein Werk umfasst ausdrucksstarke Porträts, gegenständliche und abstrakte Malerei sowie zahlreiche Skulpturen im öffentlichen Raum. 1980 wurde er mit dem Sudetendeutschen Kulturpreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Wilhelm Hager starb 2006.

Seinen demokratischen Überzeugungen blieb Hager auch nach dem Krieg verbunden. 1973 trat er der SPD bei und gehörte ihr mehr als drei Jahrzehnte an. Wie tief die sozialdemokratischen Traditionen in der Familie verwurzelt waren, zeigte sich auch bei der Vernissage. In einem persönlichen Gespräch erinnerte sich sein Sohn Marcel an das Mitgliedsbuch seines Vaters bei der Seliger-Gemeinde, dessen bunte Beitragsmarken ihm besonders im Gedächtnis geblieben waren.

Dass Hagers Werk heute wieder in seiner Geburtsstadt zu sehen ist, verdankt sich wesentlich dem Engagement des aus Karlsbad stammenden Heimatforschers Ladislav Helsner und der Zusammenarbeit mit der Familie Hager und der Karlsbader Kunstgalerie.

Ladislav Helsners Engagement reicht weit über diese Ausstellung hinaus. Bereits 2022 stellte er den Künstler Wilhelm Hager bei einem historischen Seminar in Karlsbad vor. Es folgten die Erforschung seiner Biografie, Kontakte zu den Nachkommen und die Enthüllung einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus im Jahr 2023. Die große Ausstellung in der Becher-Villa ist ein zwischenzeitlicher Höhpunkt dieser grenzüberschreitenden Erinnerungsarbeit.

Die Ausstellung in der Becher-Villa in Karlsbad ist noch bis zum 24. Januar 2027 zu sehen.

Nach der Vernissage tauschten sich Marcel Hager (Mitte), Heimatforscher Ladislav Helsner (re) und Seliger-Gemeinde-Geschäftsführer Rainer Pasta (li.) aus

 

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