Studienfahrt 2026

Veröffentlicht am 02.09.2026 in Allgemein

Johannisbad – Kurort, Wintersportzentrum und Schauplatz großer Geschichte

Mit dem Überlandbus führte uns der Samstag von Prag hinauf ins Riesengebirge nach Janské Lázně/Johannisbad. Der traditionsreiche Kurort liegt am Fuß des Schwarzenbergs, tschechisch Černá hora, und entwickelte sich bereits im frühen 20. Jahrhundert zu einem der bedeutenden Wintersportorte der damaligen Tschechoslowakei.

Johannisbad verbindet dabei zwei Traditionen. Zum einen blickt der Ort auf eine lange Geschichte als Heilbad zurück. Seine warmen Quellen wurden schon früh genutzt, im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden Kuranlagen, Hotels und Pensionen. Die bis heute erhaltene Kolonnade prägt noch immer das Ortszentrum.

Zum anderen wurde Johannisbad immer stärker vom Wintersport geprägt. Die Hänge des Schwarzenbergs boten gute Voraussetzungen für Langlauf, Abfahrt und Skispringen. Bereits in den 1920er Jahren entstand eine Infrastruktur, die internationale Wettkämpfe möglich machte – und deren Spuren bis heute im Ort zu erkennen sind.

Von besonderer Bedeutung war die Rübezahl-Schanze, die 1921 errichtet und für die internationalen Skiwettkämpfe von 1925 ausgebaut wurde. Sie lag am Hang unmittelbar gegenüber der evangelischen Kirche und gehörte damals zu den bedeutendsten Sprunganlagen des Riesengebirges. 

Gerade dieser Ort wurde für uns während des Rundgangs besonders anschaulich.

Anhand historischer Fotografien konnten wir die Lage der früheren Schanze erstaunlich genau nachvollziehen. Der Auslauf befand sich unmittelbar unterhalb der evangelischen Kirche mitten im Ort. Wir standen damit an genau jenem Platz, an dem sich bereits 1925 Tausende Zuschauer zu den internationalen Skiwettkämpfen versammelt hatten – und an den 1937 erneut die Besucher der Arbeiter-Winterolympiade kamen.

Von der eigentlichen Anlage ist heute auf den ersten Blick kaum noch etwas zu sehen. Schanze, Aufsprunghang und Auslauf sind inzwischen weitgehend vom Wald überwachsen. Doch die Geländeform lässt die frühere Nutzung noch erkennen. Wie uns Klára Stejskalová und Štěpánka Šichová erläuterten, finden sich weiter oben am Hang sogar noch Fundamente des einstigen Sprungturms.

Damit wurde aus alten Fotografien plötzlich ein konkreter Ort: Dort oben befand sich der Anlauf, vor uns lag der Aufsprunghang – und direkt unterhalb der Kirche standen die Zuschauer.

Auch eine zweite wichtige Spur der frühen Wintersportgeschichte ist noch vorhanden. Wir konnten den Standort der alten Talstation der Seilbahn auf den Schwarzenberg nachvollziehen. Die erste Seilbahn wurde Ende der 1920er Jahre errichtet und machte den Berg wesentlich leichter zugänglich. Sie gehörte damit zu jener modernen Wintersportinfrastruktur, die Johannisbad zu einem überregional bekannten Sportort machte.

Diese Entwicklung ist für unsere Studienfahrt von besonderer Bedeutung. Denn ohne die Erfahrungen, Sportanlagen und touristische Infrastruktur der 1920er Jahre wäre ein zweites großes Ereignis kaum denkbar gewesen: die III. Arbeiter-Winterolympiade von 1937.

Zwölf Jahre nach den internationalen Skiwettkämpfen von 1925 nutzte nun die sozialistische Arbeitersportbewegung dieselben Voraussetzungen. Johannisbad verfügte über Unterkünfte, Verkehrsverbindungen, Wettkampfstätten und die Erfahrung mit großen Besucherzahlen.

Doch die politischen Rahmenbedingungen hatten sich inzwischen grundlegend verändert.

1937 war die sozialistische Arbeiterbewegung in Deutschland und Österreich bereits zerschlagen. Gleichzeitig gewann die Henleinbewegung unter den Deutschen der Tschechoslowakei immer mehr Einfluss. Unter diesen Umständen wurde die Arbeiter-Winterolympiade von Johannisbad weit mehr als ein Sportfest. Sie wurde zu einer internationalen Demonstration für Demokratie, Frieden und Solidarität.

 

Homepage Seliger Gemeinde

Unser Projekt 2026

75 Jahre Seliger-Gemeinde e.V.

Unser Projekt 2025

Böhmen liegt nicht am Meer

Josef-Seliger (1870 - 1920)

Ausstellung

 

Film

Volkshaus.net

100 Jahre DSAP

Zur Jubiläumsseite - Zum Geburtstags-Tagebuch

Zum Bundesverband

Die Brücke

 

Mach doch mit!

WebSozis

Soziserver - Webhosting von Sozis für Sozis WebSozis

gefördert durch:

        

   

Wir bedanken uns bei den genannten Fördermittelgebern für die Unterstützung!