Für Fortschritt bei der Gleichstellung
Im Rahmen der jüngsten Präsidiumssitzung der Seliger-Gemeinde befasste sich das Gremium anlässlich des Internationalen Frauentages, der jährlich am 08. März gefeiert wird, nicht nur mit der Geschichte, sondern auch mit der aktuellen Situation der Gleichstellung von Mann und Frau.
Ko-Vorsitzende Christa Naaß erinnerte in diesem Zusammenhang an den 1. Internationalen Frauentag, der am 19.03.1911 stattfand. Allein in Berlin trafen sich 45.000 Frauen und forderten „Her mit dem Frauenwahlrecht“.
Es dauerte aber noch bis zum Jahr 1918, bis Frauen endlich wählen durften. Durch Erlass der neuen Regierung, des Rates der Volksbeauftragten, bestehend aus SPD und USDP, erhielten die Frauen endlich am 12.11.1918 das aktive und passive Wahlrecht.
Als Frauen am 19. Januar 1919 das erste Mal wählen durften, lag die Wahlbeteiligung sage und schreibe bei 82,3 Prozent, bei den Männern 82,4 Prozent – annährend so hoch wie bei unserer jüngsten Bundestagswahl am 23. Februar 2025.
Und auch die 1918 gegründete Tschechoslowakische Republik führte das Frauenwahlrecht ein. Eine der ersten Frauen, die 1920 bei den ersten Wahlen ins Prager Parlament einzog, war die sudetendeutsche Sozialdemokratin Maria Deutsch aus Prag.
„Wenn wir uns im Jahr 2025 nach wie vor für einen Fortschritt bei der Gleichstellung einsetzen, dann hat das viele Gründe“, so Christa Naaß.
Selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht Rückschritte bei der Gleichberechtigung. "Gerade viele Männer, häufig auch junge Männer, suchen jetzt verstärkt Halt in traditionellen Rollenbildern. Global erleben wir, wie populistische Parteien den Eindruck erwecken wollen, Gleichstellung sei so etwas wie eine fixe Idee progressiver Kräfte", sagte Steinmeier. Große Tech-Unternehmen, die lange stolz auf ihre Modernität gewesen seien, stellten auf das politische Kommando einer neuen amerikanischen Administration hin Diversitätsprogramme ein und schwärmten von einer neuen "maskulinen Energie" in Unternehmen und Gesellschaft.
Schaut man sich den Frauenanteil z.B. im Deutschen Bundestag oder im Bayerischen Landtag an, so erkennt man auch hier Rückschritte, zeigte die Ko-Vorsitzende weiter auf:
Frauenanteil im Deutschen Bundestag 2025 35,3 % - 1994 34,8 %
Frauenanteil im Bayerischen Landtag 2025 25 % - 1994 30 %
Und nach der jüngsten Bundestagswahl ist der Frauenanteil im künftigen Parlament sogar auf 32,4 Prozent gesunken. Und wenn die FDP und das BSW im Parlament wären, läge der Frauenanteil noch niedriger.
Christa Naaß: Wenn der besondere weibliche Blick in der Politik unterrepräsentiert ist, hat das natürlich Folgen für die Arbeit des Parlaments. Damit sind die Interessen und Bedürfnisse der Hälfte der Gesellschaft außen vor. Das bedeutet natürlich auch ein Demokratiedefizit, denn der Frauenanteil in Deutschland liegt bei fast 51 Prozent.
Fakt ist, dass Frauen auch in Deutschland nach wie vor im Schnitt weniger verdienen als Männer und mehr unbezahlte Sorgearbeit übernehmen. Auch meldete das Bundeskriminalamt, dass Straftaten gegen Frauen und Mädchen in allen Bereichen steigen und dass im Jahr 2023 in Deutschland fast jeden Tag eine Frau aufgrund ihres Geschlechts getötet wurde.
Maßnahmen für den Schutz und die Förderung von Frauen sind also auch im Jahr 2025 nach wie vor mehr notwendig: Es geht um Lohngerechtigkeit im Beruf, Parität in Führungspositionen, es geht um mehr Geld und Zeit für die Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit, um Mehr Schutz vor Gewalt – und auch vor Belästigung, um nur einige Punkte zu nennen.