Studienfahrt der Seliger-Gemeinde 2022

Veröffentlicht am 01.09.2022 in Allgemein

Ehrten Dr. Ludwig Czech in Theresienstadt/Terezín: v.li: Libor Rouček MdEP a.D., Henning Homann, Landesvorsitzender der SPD Sachsen, stellvertretende Parteivorsitzende und Ex-Außenminister Tomáš Petříček (ČSSD), Matthias Dornhuber, stellvertretender Landesvorsitzender der BayernSPD, Lukáš Ulrych, Vorsitzender der Jungen Sozialdemokraten (ČSSD), Ulrich Miksch, Vertreter der Seliger-Gemeinde, Urban Überschär, Leiter Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Prag, der Direktor der Demokratischen Masaryk-Akademie und ehemaliger tschechischer Ministerpräsident Vladimír Špidla und der Vorsitzende der Demokratischen Masaryk-Akademie Lubomír Zaorálek.

 

Gedenken an Ludwig Czech

 

Anlass für die Studienfahrt der Seliger-Gemeinde Studienfahrt nach Prag, Theresienstadt und Aussig war der 80. Todestag von Ludwig Czech. Dieser hat als Vorsitzender der DSAP seit dem Tode Josef Seligers bis 1938 die Partei geführt und war mit dem Eintritt der sudetendeutschen Sozialdemokraten 1929 in die tschechoslowakische Koalitionsregierung ihr Minister - erst für soziale Fürsorge, dann für öffentliche Arbeiten und schließlich Gesundheitsminister bis zum April 1938. Obwohl Czech ein Visum nach Holland zur Verfügung stand, emigrierte er nicht und blieb mit seiner Frau in Brünn, wo er aber nicht geschützt war, wie er dachte, sondern durch die Gestapo als Jude nach Theresienstadt verschleppt wurde. Krank schon durch die Umstände, denen alle Juden im Protektorat ausgesetzt waren, verstarb Ludwig Czech am 20. August 1942 in Theresienstadt. Ein Grab gibt es nicht, er wurde in einem Massengrab verscharrt.

 

In einer Gedenkveranstaltung in Theresienstadt bei strömendem Regen, der die Teilnehmer zwang in einem Laubengang gegenüber der Gedenktafel Schutz zu suchen, versammelten sich deutsche und tschechische Sozialdemokraten, um an diesen Mann zu erinnern, „der alle guten Seiten des tschechisch-deutschen Zusammenlebens in der ersten Republik verkörperte.“ Wie Václav Havel in seiner Gedenkrede 1993 erinnerte, als zum ersten Mal ein sichtbares Zeichen der Anerkennung für Ludwig Czechs Leistung durch die Anbringung einer Gedenktafel in Theresienstadt durch die Tschechische Republik erfolgte. Die Seliger-Gemeinde hatte damals die Initiative ergriffen und zu dieser Einweihung eingeladen.

In diesem Jahr waren die Teilnehmer andere, um an Czech zu erinnern, und sie konnten heute auf ganz andere Fundamente der deutsch-tschechischen Beziehungen blicken. Für die tschechischen Sozialdemokraten waren Libor Rouček, Lubomír Zaorálek, Vladimír Špidla und Tomáš Petříček gekommen und trafen neben der Seliger-Gemeinde auf den sächsischen SPD-Vorsitzenden Henning Hohmann und den stellvertretenden Landesvorsitzenden der BayernSPD Matthias Dornhuber. Alle, die zum Gedenken sprachen, griffen die aktuellen Fragen nach der Gefährdung der Demokratie und die Entwicklung in Europa auf, die sozialdemokratische Antworten über die Ländergrenzen erforderten.

 

 

Urban Überschär, der Leiter des Prager Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und Organisator der Gedenkfeier, erinnerte kurz an den am 14. Februar 1870 in Lemberg, in der heutigen Ukraine gelegen, geborenen Ludwig Czech und dessen Verdienste als DSAP-Vorsitzender und Minister, die gegenüber Josef Seliger und Wenzel Jaksch ein wenig im Schatten stünden. Der ehemalige Außenminister Tomáš Petříček ging auf die europäischen Herausforderungen ein, die in Theresienstadt und dem besonderen Schicksal Ludwig Czechs nochmal besser verstanden werden müssen. Für die kurzfristig verhinderte Vorsitzende der SG Helena Päßler sprang Ulrich Miksch ein, der an die „Czech“-Karten erinnerte, die den Arbeitslosen in der Weltwirtschaftskrise wenigstens mit Lebensmittelanweisungen die bitterste Not lindern half. Und an Masaryk, der 1930 zu Czechs 60. Geburtstag schrieb: „Durch ihren Eintritt in die Regierung haben Sie zur Annäherung beider sozialdemokratischen Parteien beigetragen. Sie haben beigetragen zur Annäherung beider Nationen, von deren Zusammenarbeit in großem Ausmaß die glückliche Zukunft unserer Republik abhängt!“ 1992 habe Ludwig Czech posthum dann den Masaryk-Orden durch Präsident Havel verliehen bekommen. Dann sprach der ehemalige tschechische Ministerpräsident und EU-Kommissar Vladimír Špidla, der an die Krisen erinnerte, die Czech als Sozialdemokrat und Minister bewältigen musste, und vor welchen Krisen wir heute stehen. Henning Hohmann erinnerte an den Rechtsanwalt und Minister Czech, dessen Lebenswerk ihn mit Demut erfülle. So habe Czech nicht um Krankenkassenbeiträge debattiert, sondern überhaupt eine ganze Bezirkskrankenkasse gegründet. Es seien damals ganz andere Herausforderungen zu bewältigen gewesen. Matthias Dornhuber erinnerte an die Bedeutung der sudetendeutschen Sozialdemokratie für die bayrische SPD, die vor allem personell bedeutsam war. Und er erinnerte daran, dass Ludwig Czech dafür stehe, dass ein „anderer Weg möglich gewesen wäre“. Ein Weg, der nicht in Krieg und dem Tod so vieler Menschen hätte enden müssen.

 

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