Frühjahrsseminar 2022

Veröffentlicht am 04.05.2022 in Allgemein

Uli Miksch (li.) im Interview mit Wolfgang (Mitte) und Max Spielvogel (re.)

 

„Papa, wie ist es denn dort wo du herkommst?“

Wolfgang Spielvogel und sein Sohn Max nahmen die Seliger-Gemeinde mit auf die Reise nach Barzdorf/Bernartice ins Altvatergebirge

 

Der Frankfurter Theaterregisseur Wolfgang Spielvogel bot vor einiger Zeit allen bayerischen Vertriebenen-Organisationen seinen Dokumentarfilm „Manchmal ist es schön, mit diesen Menschen zu sprechen - Deutsch-tschechische Geschichten jenseits von schwarz und weiß” an. Allein die Seliger-Gemeinde-Bundesvorsitzende Helena Päßler meldete sich zurück und lud zusammen mit Thomas Oellermann den Filmemacher und seinen Sohn Max zum Frühjahrsseminar nach Bad Alexandersabd ein um den Film zu zeigen.

Zu seinem 75. Geburtstag hatte sich Wolfgang Spielvogel 2018 einen bewegenden Dokumentarfilm geschenkt, ist mit seinem Sohn in den kleinen Ort Barzdorf im heutigen Tschechien gefahren, in dem er am 30. August 1945 geboren wurde. Er hat sich dort auf die Spuren seiner Familie und der deutsch-tschechischen Geschichte begeben. „Manchmal ist es schön, mit diesen Menschen zu sprechen“, heißt die Arbeit, die er mit Co-Regisseur Rainer Brumme und Kameramann Bruno Schneider drehte.

Als einjähriges Baby überlebte Spielvogel 1946 die Vertreibung aller Deutschen aus seinem Heimatdorf. Natürlich hat er darüber auch ein Theaterstück geschrieben. Es heißt „Sudetenbitter“ und mahnt zur deutsch-tschechischen Versöhnung, ungeachtet der bösen Vergangenheit. Gespielt von tschechischen Schauspielerinnen und Schauspieler zieht es sich wie ein roter Faden durch den Film.

Anschließend sprach Ulrich Miksch mit dem Autor Wolfgang Spielvogel und seinem Sohn Max.

Das Altvatergebirge/Hruby Jesenik an der tschechisch-polnischen Grenze, heute, 75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Vertreibung eines Großteils der ehemals deutschen Bevölkerung verharrt noch immer in der Vergangenheit. In dieser Gegend scheint der Geschichtsfaden zerschnitten. Die nach der Vertreibung angesiedelten Neubürger, Slowaken, Roma, Griechen* … sie alle konnten in der wilden Berglandschaft in einer Heimat ohne eigene Wurzeln nicht bestehen. Das Land verödete. Noch heute ziehen die wenigen Jungen weg, weil sie hier keine Zukunft sehen.

Es gibt aber auch verschiedenen Initiativen, die die Region wiederbeleben und entwickeln möchten. Spielvogel stellt sie in seinem Film vor. Sie alle fangen bei Null an – es gibt keine Folklore, keine Erinnerungen, meist nur ein paar alte Mauern. Spielvogels Heimatort und sogar sein Geburtshaus stehen noch. Er besuchte die jetzigen Bewohner, erzählte seine Vertreibungsgeschichte – und gewann neue Freunde. Er geht mit seinem Sohn auf Spurensuche u.a. ins Kreisarchiv Jesenik. Von den Nachbarn erfährt er, dass das Misstrauen und die Furcht wieder alles zu verlieren auch nach über 70 Jahren die nun hier Lebenden bedrückt. Nicht alle sind begeistert, dass die Deutschen jetzt hier nach ihrer Vergangenheit suchen. Doch Spielvogel und sein Sohn Max kommen immer wieder, sie fühlen sich magisch angezogen. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse halten sie in ihrem Film fest und eröffnen den Zuschauern einen interessanten Einblick in die Geschichte und Gegenwart der Region.

Ein Beispiel ist die neurenovierte und wiederbelebte Georgshalle (Tančírna Račí údolí), eine ehemalige Jugendstil-Ausflugsgaststätte mit Tanzsaal und Pension im Krebsgrund (Račí údolí) bei Javorník (Jauernig). Die Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerkes durch den heutigen Eigentümer, die Gemeinde Bernartice/Barzdorf, wurde 2015 abgeschlossen. Heute ist die Halle ein tscheisch-deutsches Begegnungszentrum.

 

Wolfgang Spielvogel wurde 1945 in Barzdorf an der polnisch-tschechischen Grenze geboren; aufgewachsen ist er in Heidenheim. Vor Jahren begann er sich für seine Wurzeln zu interessieren. Nach seinem Studium arbeitete Spielvogel als Journalist. Schließlich kam er zum Theater, erst als Requisiteur und Regieassistent, bald schon als Dramaturg und zuletzt als Regisseur: in Tübingen (LTT), Frankfurt (TAT), Bruchsal und im festen Ensemble der Ruhrfestspiele Recklinghausen. Heute ist er freischaffend tätig.

Der Trailer zum Film ist auf youtube zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=3jYl1KwKNpk

* griechische Bürgerkriegsflüchtlinge

 

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