100 Jahre für Frieden und Freiheit - 100 Jahre DSAP

Veröffentlicht am 30.09.2019 in Bundesverband

Neue Informationstafel in Drahůnky/Dreihunken ehrt Volkmar Gabert als „bedeutendste Persönlichkeit“ des Ortes

 

Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung zu 100 Jahre DSAP führte der Themenspaziergang durch das sozialdemokratische Teplitz, zusammengestellt von Dr. Thomas Oellermann, zuerst in das nahegelegene Drahůnky/Dreihunken zum Geburtshaus von Volkmar Gabert, der nach der Rückkehr aus dem Exil in Großbritannien 1962 bis 1976 Vorsitzender der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag war und 1963 zum Landesvorsitzenden gewählt wurde.

 

Martin Rak, Initiator der neuen Informationstafel im Ortszentrum, begrüßte die Teilnehmergruppe und führte durch den Ort. Im Zusammenhang mit der Infotafel wurde auch eine kleine, zweisprachige Ortsgeschichte mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds erstellt. Hierin beschreibt Autor Martin Rak nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes sondern auch dessen sozialdemokratische Geschichte:

 

In der Nähe des Ortes entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert viele Industriebetriebe, was zu einem Anwachsen der Gemeinde führte. Ihren Höhepunkt erreichte sie um das Jahr 1910, als in Dreihunken 1310 Einwohner in 98 Häusern lebten.

 

Rak berichtet auch über den Schullehrer Anton Gabert (1914-1927), der in der gemeinde in den 20er Jahren auch die Funktion des Bürgermeisters innehatte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im Jahre 1905, bildete sich hier die deutsche Sozialdemokratie heraus, die auch 1907 ihren Arbeitergesangverein gründete.

 

Nachdem ersten Weltkrieg verband die Arbeiter ihre überwiegend schwächere soziale Stellung. Meistens handelte es sich um Wähler der Sozialdemokratie. Politisch waren Deutsche und auch Tschechen also links orientiert, so dass es bis zu den 30er Jahren kaum zu nationalen Konflikten kam. Der Sozialdemokrat Anton Gabert verwaltete die Gemeinde von 1919-1927. In den 30er Jahren wandelte sich jedoch die Situation. In der zeit, als überall im Sudetenland die Anhänger der nationalistischen SdP die Oberhand gewannen, leitete in Dreihunken Ludwig Abeles, ein jüdischer Geschäftsmann, die Gemeinde bis zum Jahre 1938, als es zum Anschluss des Sudetenlandes an Hitler-Deutschland kam. Die Familien Abeles und Gabert mussten flüchten. Volkmar Gabert, geboren 1923 in der Konskr.-Nr.76, Sohn des Lehrers und Bürgermeisters Anton Gabert, ist bis heute der bedeutendste Landsmann aus Dreihunken. Nach dem Kriegsasyl in Schweden machte er eine gewaltige politische Karriere in der Bayerischen SPD, die er als ihr Vorsitzender zu dem historisch besten Ergebnis in Bayern im 20. Jahrhundert führte.

 

Insgesamt 107 Ansässige waren aktive Mitglieder der NSDAP; gleichzeitig lebten hier aber auch weiter Familien (insgesamt 62), die durch ihre vorherige Mitgliedschaft in der deutschen Sozialdemokratie bekannt waren.

 

Da nach dem Kriegsende 1945 die Gemeinde durch Einheimische erfolgte, verlief die Vertreibung „nicht so wild wie wo anders“. Ende 1946 blieben insgesamt 86 Bewohner deutscher Nationalität, davon 68 anerkannte Antifaschisten, der Rest unabkömmliche Industriearbeiter. Die Anzahl der Einwohner sank (trotz Zuzug neuer Umsiedler) bis 1950 auf 575. Im Jahr 1952 bedrohte die Kohle-Tiefbau-Förderung die Sicherheit des alten Dorfes so sehr, dass der größere Teil des alten Dorfes vom Staat aufgekauft und abgerissen wurde. Das Terrain im gesamten umliegenden Kataster sank um ca. 8 Meter ab. Heute leben ca. 60 Personen in Drahůnky/Dreihunken.

 

Besuch der Teilnehmergruppe am Geburtshaus von Volkmar Gabert am 15. September 2019.

 

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