Es geht um die Vermittlung der historischen Wahrheit, der unzweifelhaften Fakten, denen sich jede und jeder in unserem Land stellen muss
Unrecht nicht zu dulden, nie mehr wegzuschauen, Nein zu sagen, das muss uns heute Richtschnur sein, 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Gerade heute, wo Antisemitismus, Rechtsextremismus, völkisches Gedankengut, wo teils unverhohlene Menschenfeindlichkeit vielerorts eine erschreckende und alarmierende Normalisierung erfährt. Vor allem das Internet und soziale Netzwerke werden oft zu Durchlauferhitzern für extremistische Positionen, für Hass und Hetze – Hass, der nicht im Netz bleibt, sondern Bürgerinnen und Bürger, besonders oft Jüdinnen und Juden, real gefährdet.
Damit auch die nächsten Generationen, Kinder und Jugendliche von heute, die richtigen Schlüsse ziehen, gehört zur Vermittlung der historischen Fakten auch die Vermittlung von Empathie mit den Opfern. Das waren Menschen wie du und ich – auch um diese Einsicht muss es bei unserer Erinnerungsarbeit gehen.
Gaben im Bayerischen Landtag den Startschuss zur Internet-Seite „EsGehtUmAlles“, dem Kernelement des Seliger-Gemeinde(SG)-Projektes 2025: (v.l.) Holger Grießhammer, MdL und SPD-Fraktionsvorsitzender, Christian Reppe, Schriftführer im Bundesverband, Dr. Peter Becher, ehemaliger SG-Bundesvorsitzender, Gerhard Barenbrügge, Vorsitzender der SG-München-Dachau, Christa Naaß, amtierende Bundesvorsitzende der SG, Manfred Hanka, SG Memmingen, Volkmar Halbleib, MdL und vertriebenenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion sowie Rainer Pasta, Bundesgeschäftsführer der SG (Foto: Stefan Brix)
Unser Projekt 2025 – „Nie wieder!“
Die Seliger-Gemeinde präsentierte ihr neues Webportal im deutsch-tschechischen Dialog mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Holger Grießhammer
„Wir leben in Zeiten großer Herausforderungen, die Politik und Gesellschaft viel abverlangen. Von der großen Unsicherheit profitieren zurzeit vor allem Kräfte, die unsere demokratische Ordnung in Frage stellen. Mit ihren vereinfachenden Formeln tragen sie zur Radikalisierung von Teilen der Gesellschaft bei“, stellt Bundesvorsitzende Christa Naaß den Hintergrund der Aktion dar.
Das in Meinungsumfragen und zuletzt auch Wahlergebnissen merkliche Erstarken rechtsradikaler Haltungen, Gruppierungen und Parteien stellt für die demokratischen Parteien Europas eine große Herausforderung dar. Unzufriedenheit und somit Protestpotenzial vermengen sich mit dem gesteuerten Angriff auf unsere Demokratie. Das gilt für Deutschland, das gilt für Tschechien, das gilt aber insbesondere auch für die deutsch-tschechischen Beziehungen, in denen Rechtsradikale bemüht sind, eine zusehends dominierende Rolle zu spielen, wie unlängst der Skandal um den AfD-Bundestagsabgeordneten Bystron gezeigt hat.
geboren am 28. September 1901 in Zásmuky/Sasmuk (Mähren, Bezirk Kolin), stammte aus der mährischen Arbeiterbewegung. Die Recherchen zu seiner Person glichen einem Krimi. Bereits 2024 wurden wir von seiner Enkelin auf ihn aufmerksam gemacht. Nur leider fand sich nichts dazu in unserer Datenbank. Selbst der Verweis auf eine fünfjährige KZ-Haft in Dachau ergaben unter den uns bekannten Daten keinen Treffer. Auf erneute Initiative der Enkelin, haben wir 2025 weiter geforscht und sind auf zwei Ungereimtheiten gestoßen - erstens gab es auch das Geburtsjahr 1907 in der Literatur und zweitens wurde er unter Genossen nur "Toni" genannt. Schließlich erhielten wir das Foto seiner KZ-Kleidung, die heute im Museum in Esslingen zu sehen ist, und damit seine Häftlingsnummer - der entscheidende Hinweis, der alle Angaben bestätigte!
Unsere Christa wird 70 – kaum zu glauben, aber wahr. Dazu wünschen wir, die Seliger-Gemeinde, ihr eine wunderbare Zeit mir ihren Liebsten, viel Freude in ihrem Garten und bei ihren Hobbys und natürlich auch weiterhin überaus erfolgreiches Arbeiten für unsere Gemeinschaft.
In der Zusammenarbeit mit Christa in der Seliger-Gemeinde, erst im Präsidium, dann als Ko-Vorsitzende, aber natürlich auch beim geselligen Zusammensein, ist mir immer wieder aufgefallen, dass sie zunächst einmal sehr gut zuhört und sich die Meinungen der Diskutanten anhört. Sie reagiert daraufhin jedoch niemals ungehalten, unfair oder sogar beleidigend. Sie nimmt die Menschen, ihre Ansichten und ihre Probleme ernst und kann Wege aufweisen zu Lösungen, die für alle akzeptabel sind. Das mag sie möglicherweise als Politikerin gelernt haben, aber wahrscheinlicher ist, dass sie schon in der Familie so geprägt wurde. Denn Christa geht auf die Menschen zu, und das in bester Absicht und stets mit einem Lächeln. Das macht sie so menschlich, glaubwürdig und überzeugend.
Seliger-Gemeinde mit vielen Aktivitäten im Jahr 2025
Das Präsidium der Seliger-Gemeinde hat auf seiner letzten Sitzung wichtige Beschlüsse zu ihrem Jahresprogramm gefasst. Das Jahr 2025 wird ganz im Zeichen des 80. Jahrestages des Kriegsendes stehen. Geplant sind zahlreiche Veranstaltungen, die sich mit so wichtigen Themen wie Kampf gegen den Nationalsozialismus, Vertreibung und Erinnern beschäftigen. Die Seliger-Gemeinde wird in diesem Jahr eine neue Wanderausstellung mit den frühen Werken des Illustrators Georg Hans Trapp zeigen. Sie wird darüber hinaus ein Gedenkbuch der sudetendeutschen Sozialdemokratie veröffentlichen. Sie wird vor allem aber mit ihren Themen auf allen großen deutsch-tschechischen Veranstaltungen vertreten sein.
(Titelbild des Buches Bruno Schönlank – Ein Dichter der Großstadt, Hg. Andrea Teubel)
Die sozialistische Jugend Nordmährens veranstaltete zu Pfingsten 1930 das erste Mal einen Kreisjugendtag in Sternberg, der zu einer gewaltigen Kundgebung werden sollte, wie sie in der Geschichte der nordmährischen Jugendbewegung noch nie verzeichnet werden konnte. Am Samstag mussten schon etwa 700 Jugendliche in Privat- und Massenquartieren untergebracht werden. Die Feier „Jugend für die Jugend“ war an Besuch wie auch programmatisch ein voller Erfolg. Es konnte auch eine Gruppe tschechischer Turngenossen und Breslauer Jugendlicher begrüßt werden. Noch nie vorher hatte Sternberg so einen großen und schönen Festzug erlebt, wie es der des Jugendtages war. Nachmittag fand im Arbeiterheimgarten ein Konzert statt. Am Abend erfolgte gemeinsamer Marsch auf den Marktplatz, wo das Sprechchorwerk „Jugendtag“ von Bruno Schönlank zur Aufführung gebracht wurde. Die Gruppen Sternberg, Deutsch-Liebau, Bärn und Freudenthal stellten die Chöre, 130 Mitwirkende an der Zahl.
Der Autor des Chorwerks „Jugendtag“, Bruno Schönlank, drückte mit seinem Sprechchor-Theater die sozialen und politischen Umwälzungen in Deutschland aus, schrieb außer einem Roman, Gedichten und Märchen auch Hörspiele u.a. für das damals neue Medium des Rundfunks Er gehört mit seinen gesamten Werken zu den von den Nazis verfolgten und verbrannten Autoren.
Sichtlich erfreut über die gute Zusammenarbeit: Margarete Polok (li.), Erika Kalkofen-Frahne (Mitte) und Wolfgang Frahne (re.)
Seliger-Gemeinde-Publikationen in der MOB
Beim Aufbau der Ausstellung „Böhmen liegt nicht am Meer“ haben Erika Kalkofen-Frahne und Wolfgang Frahne die Schriftenreihe-Belegexemplare 2024 an Margarete Polok von der Martin-Opitz-Bibliothek (MOB) in Herneübergeben. Die MOB ist eines der Archive, in dem die Publikationen der Seliger-Gemeinde zu finden sind.
Das Präsidium der Seliger-Gemeinde hat sich auf seiner letzten Sitzung mit den Abstimmungen zur Migrationspolitik im Deutschen Bundestag und zur Rolle von CDU/CSU und AfD auseinandergesetzt. Für die Nachfolgeorganisation der sudetendeutschen Sozialdemokratie gilt:
Demokraten dürfen nicht mit der AfD zusammenarbeiten! Bei Abstimmungen über Anträge in Parlamenten darf nicht mit der Zustimmung durch die AfD kalkuliert werden. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten werden hier eine klare Kante zeigen. Wir tun dies, weil die Geschichte doch eines zeigt: Rechtsextremisten können nicht eingebunden werden und sie werden sich auch nicht zum Besseren entwickeln, wenn man sie einbindet. Vielmehr wird das Gegenteil eintreten. Rechtsextremisten werden immer versuchen, die Räume zu nutzen und zu missbrauchen, die man ihnen bietet.
Am Abend des 26. November 1935 um viertel acht Uhr ist der kleine Ort Kunau bei Freuden-thal zum Schauplatz eines blutigen Mordes geworden. Der 26-jährige sozialdemokratische Funktionär Walter Rosenzweig wurde meuchlings erschossen. Die Vermutung, dass es sich hier um einen politischen Mord handelt, wurde noch in der Nacht bestätigt.
Rosenzweig war beamteter Buchhalter im Textilbetrieb (Hanfspinnerei) Perutz in Kunau und hat sich in der sozialdemokratischen Partei eifrig betätigt. Er war Mitglied der Lokalorganisa-tion und gehörte der Bezirksleitung der Sozialistischen Jugend (SJ) in Freudenthal an und gründete 1935 dort eine Ortsgruppe der SJ.