Eine wunderbare Briefmarke kam am 5. Februar 2026 in den Verkauf. Der gebürtige Göttinger Hans-Jochen Vogel wird mit diesem gelungenen Sonderpostwertzeichen geehrt, weil er heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Unvergessen seine 12 Jahre (1960-1972) als Oberbürgermeister Münchens, der die Landeshauptstadt zu dem machte, die sie heute von ihrer besten Seite zeigt: zuversichtlich, liebenswert und aufgeschlossen.
Hans-Jochen Vogel war der Seliger-Gemeinde eng verbunden und wurde 1996 mit dem Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis geehrt. Als prägender SPD-Politiker unterstützte er unsere Ziele der Versöhnung und des Dialogs mit Tschechien und galt unserer Gemeinschaft als wichtiger Freund und Vordenker.
Vogel war aktiv am deutsch-tschechischen Dialog beteiligt, etwa bei einem Treffen 1993, das Václav Havel, Franz Vranitzky, ihn und Volkmar Gabert zusammenbrachte, um die Beziehungen zur Tschechischen Republik zu verbessern. Wir erinnern uns an die Enthüllung des Gedenksteins für Leopold Pölzl auf dem Aussiger Platz in München durch die Seliger-Gemeinde 1994.
Die Seliger-Gemeinde würdigte Vogel nach seinem Tod 2020 als "großen Sozialdemokraten", der stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Gemeinschaft hatte.
Hans-Jochen Vogel (1926-2020) erlebte Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus; nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich für das Gemeinwesen und den Wiederaufbau demokratischer Strukturen: als promovierter Jurist begann er im bayerischen Staatsdienst und er schloss sich 1950 der SPD an.
1960 wurde Hans-Jochen Vogel Oberbürgermeister von München – der junge Kommunalpolitiker war sehr populär und bereitete seine Stadt auf die Olympischen Sommerspiele 1972 vor, indem er Meilensteine auf Münchens Weg zu einer modernen Metropole setzte. 1972 wurde Vogel in den Deutschen Bundestag gewählt und als Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau in Bundeskanzler Willy Brandts Kabinett berufen. 1974 übernahm er unter Bundeskanzler Helmut Schmidt das Bundesministerium der Justiz, stieß wichtige Gesetzesreformen an und war an sämtlichen Entscheidungen der Regierung maßgeblich beteiligt, als es galt, die Terrorserie der Roten Armee Fraktion abzuwehren und die bundesdeutsche Rechtsordnung zu verteidigen.
1981 war er für wenige Monate Regierender Bürgermeister von Berlin. Nach dem Ende der sozial-liberalen Koalition forderte Vogel bei den Neuwahlen 1983 Bundeskanzler Helmut Kohl heraus, verlor die Wahl jedoch und leitete fortan die SPD-Bundestagsfraktion in der Opposition. Da der SPD-Parteivorsitz 1987 von Willy Brandt auf ihn übergegangen war, wurde Vogel nach der Vereinigung von Sozialdemokraten aus Ost und West 1990 auch erster gesamtdeutscher Vorsitzender der SPD. Stets war er auf gute Politik bedacht, die – so sein eigener Anspruch – Reden und Handeln miteinander in Einklang bringen und glaubwürdig bleiben müsse. Seinem großen Interesse für gesellschaftspolitische Fragen wie auch seiner legendären Arbeitsdisziplin blieb Hans-Jochen Vogel zeitlebens treu: er gründete den überparteilichen Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“, betätigte sich in vielen Ehrenämtern und war bis ins hohe Alter als gern gesehener Gesprächspartner, Ratgeber und Redner im öffentlichen Diskurs präsent.
Gestaltung des Postwertzeichens und der Ersttagsstempel: Professorin Daniela Haufe und Professor Detlef Fiedler, Berlin - Ausgabetag: 5. Februar