Spanien als Ernstfall der Demokratie
Als im Juli 1936 Teile des spanischen Militärs gegen die demokratisch gewählte Republik putschten, wurde der Bürgerkrieg auch für die sudetendeutsche Sozialdemokratie zu einem zentralen politischen Thema. Die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik (DSAP) verstand Spanien als Schauplatz der europäischen Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Faschismus – und zugleich als Warnung vor der wachsenden Bedrohung durch Hitlerdeutschland und Mussolinis Italien.
Die DSAP stellte sich politisch und publizistisch klar auf die Seite der Spanischen Republik. Ihre Zeitungen berichteten intensiv über den Krieg und die ausländische Unterstützung für General Franco. Zugleich organisierten Mitglieder, besonders aus der Sozialistischen Jugend, konkrete Hilfsaktionen. Über die Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens wurden Spenden gesammelt, Flüchtlinge unterstützt und deutschsprachige Freiwillige versorgt. Ein eigenes Spanien-Abzeichen brachte mehrere Tausend Kronen für baskische Frauen und Kinder in Südfrankreich ein; außerdem wurden Zigaretten, Weihnachtsgeschenke und die Broschüre „Briefe aus Spanien“ verbreitet.
Einzelne Sozialdemokraten gingen selbst nach Spanien. Der bislang am besten belegte Fall ist Rudolf Hable, Mitglied der Sozialistischen Jugend in Bensen. Er kämpfte in der internationalen Lenin-Gruppe der POUM-Miliz und fiel am 5. Januar 1937 an der Aragónfront.
Eine besondere Rolle spielte zudem der DSAP-Politiker und Journalist Ernst Paul. Im März 1937 bereiste er mit einer tschechoslowakischen Delegation das republikanische Spanien, besuchte Madrid und die Frontgebiete bei Guadalajara und verarbeitete seine Eindrücke anschließend in mehreren Artikeln.
Die Verbindungen der DSAP zum Spanischen Bürgerkrieg reichten damit von Pressearbeit und politischer Mobilisierung über Spenden- und Flüchtlingshilfe bis zum persönlichen Einsatz einzelner Freiwilliger. Für die sudetendeutsche Sozialdemokratie wurde Spanien zu einem frühen Ernstfall des europäischen Antifaschismus.
In weiteren Berichten der „Sommerserie“ soll diese weitgehend vergessene Geschichte näher beleuchtet werden: die Hilfsaktionen der Sozialistischen Jugend, die Gesellschaft der Freunde des demokratischen Spaniens, das Schicksal Rudolf Hables, die Tätigkeit Heinrich Weißbachs, die Spanienreise Ernst Pauls und die Frage, welche weiteren sudetendeutschen Sozialdemokraten sich für die bedrohte Republik engagierten.