Mitgliederversammlung am 23.3.2018

Veröffentlicht am 25.03.2018 in

Freuten sich über eine gelungene Veranstaltung der Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz der Seliger Gemeinde: Vorsitzende Rita Hagl-Kehl, MdB (3.v.li.), die Referenten Mgr. Barbora Pokorny (4.v.re.) und Dr. Bastian Vergnon (Mitte) mit Mitgliedern und Teilen der Vorstandschaft

 

„Geschichtliche Verbundenheit und die gemeinsame Hoffnung auf ein friedliches und soziales Europa“

Mgr. Barbora Pokorny und Dr. Bastian Vergnon referieren bei der Seliger Gemeinde – Gemeinsame Aktionen mit der Tschechischen Schule geplant

Bei der Mitgliederversammlung der Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz der Seliger Gemeinde am 23.3.2018 im Bräustüberl in Regensburg stellte Mgr. Barbora Pokorny, die Vorsitzende des Vereins „Česká škola v Řezně – Tschechische Schule Regensburg e.V.“ ihre Initiative vor. Anschließend referierte Dr. Bastian Vergnon aus seiner Dissertation „Die bayerische SPD und die sudetendeutschen Sozialdemokraten 1945 bis 1978“ über einige regionale Aspekte mit besonderem Augenmerk auf den gemeinsamen Widerstand der bayerischen und sudetendeutschen Genossinnen und Genossen sowie die Ortsgruppen Regensburg, Neutraubling, Straubing und Passau. Anschließend tauschte sich die Gruppe über die weitere Arbeit und eine mögliche Zusammenarbeit mit der Tschechischen Schule Regensburg aus.

Schatzmeisterin Karin Hagendorn und Schriftführer Rainer Pasta Rita überreichten zu Beginn der Sitzung Blumen und die besten Glückwünsche an Vorsitzende Rita Hagl-Kehl und Referentin Mgr. Barbora Pokorny. Hagl-Kehl wurde als Staatssekretärin  ins Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz in die Regierung berufen und ist fortan Mitglied der Bundesregierung. „Wir sind wohl die einzige Seliger-Gliederung, deren Vorsitzende auf der Regierungsbank sitzt“, so Rainer Pasta. Mgr. Barbora Pokorny wurde dazu beglückwünscht, dass ihr Verein zu Beginn der Woche als „Brückenbauer“ für ehrenamtliches Engagement und Vernetzung ausgezeichnet wurde. „Die tschechische Generalkonsulin in München, Kristina Larischová, die den Preis im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) überreichte, war erst 2017 Gast bei der Bundesversammlung der Seliger-Gemeinde in Bad Alexandersbad“, erinnerte Karin Hagendorn.

Česká škola v Řezně – Tschechische Schule Regensburg e.V.

„Česká škola v Řezně – Tschechische Schule Regensburg e.V.“ ist ein gemeinnütziger pädagogischer Verein, gegründet 2013 mit dem Ziel, den Erwerb der tschechischen Sprache bei Kindern aus tschechischen und deutsch-tschechischen Familien in Regensburg und Umgebung zu unterstützen. Seit 2017 sei der Lehrplan der Tschechischen Schule vom tschechischen Kultusministeriums anerkannt und werde dementsprechend bezuschusst. Dadurch sei es möglich, dass die tschechischen Kinder, wenn ihre Eltern in die Heimat zurückkehren, durch den Auslandsaufenthalt keine Nachteile bei der Eingliederung in die tschechischen Bildungseinrichtungen haben. „Wir lieben unsere Muttersprache und wollen sie auch unseren Kindern erhalten. Das widerspricht nicht keinesfalls dem Gedanken der Integration, sondern fördert die eigene Identität in einer multikulturellen Gesellschaft“, versicherte Prokorny.

Der Verein hat derzeit 78 Mitglieder, davon 50 Erwachsene und 28 Kinder. Mgr. Barbora Pokorny ist Gründungsmitglied und seit Januar 2017 Vorsitzende des Vereins. Sie studierte Religions- und Freizeitpädagogik an der Südböhmischen Universität in České Budějovice und am Institut für Ethik der Universität Regensburg. Sie arbeitet als Lehrerin und Projektkoordinatorin bei der Diözesanhilfe in Regensburg, um Familien im Alter zu helfen. Der Verein stützt sich hauptsächlich auf ehrenamtliches Engagement. Außer den qualifizierten Lektorinnen, die auf Honorarbasis tätig sind, arbeiten alle Vorstandsmitglieder und weitere aktive Mitglieder des Vereins ehrenamtlich.

„Die Tschechische Schule Regensburg bietet Sprachkurse für alle Kinder an, mit denen zumindest ein Elternteil tschechisch spricht. Die Kurse sind keine Sprachkurse im klassischen Sinne, sondern richten sich an Schulkinder, die Tschechisch als ihre (zweite) Muttersprache haben. Mittelweile unterhält der Verein vier Schulklassen, wo immer dienstags, donnerstags und an jedem zweiten Samstag nach tschechischem Lehrplan unterrichtet wird. Wir bieten zusätzlich spielerische Kurse für Vorschulkinder und ein außerschulisches Angebot für die Freizeit an“, so Pokorny.

Für die Vereinsmitglieder und die breite Öffentlichkeit organisiert der Verein kulturelle Veranstaltungen und Freizeitangebote, wie z.B. deutsches und tschechisches Puppentheater, tschechische Lesungen für Kinder, deutsch-tschechische Familienfahrt nach Pilsen, Waldspaziergänge oder Sommerpicknicke. „Gemeinsam pflegen wir tschechische Traditionen wie die Nikolausfeier oder das Frühlingsfest“ so die Vereinsvorsitzende weiter. Weitere Informationen bietet der Verein unter www.ceskaskolavrezne.de.

Blick zurück in die Geschichte

Dr. Bastian Vergnon, langjähriges Mitglied der Seliger-Gemeinde, studierte an der Universität Regensburg Geschichte und Politikwissenschaft. Nach einer kurzzeitigen Tätigkeit am Institut für Zeitgeschichte und im bayerischen Landtag war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Regensburg beschäftigt. Mit seiner Dissertation „Die bayerische SPD und die sudetendeutschen Sozialdemokraten 1945 bis 1978“, die er 2017 erfolgreich abschloss, untersuchte er die Beziehungen zwischen den sudetendeutschen Sozialdemokraten, die sich nach ihrer Vertreibung aus der Tschechoslowakei in Bayern ansiedelten. „Dass vor allem die sudetendeutschen Sozialdemokraten in der bayerischen Sozialdemokratie eine starke Rolle spielten, ist mittlerweile in Vergessenheit geraten“, so vergnon. Basierend auf umfangreichen Archivrecherchen und Zeitzeugeninterviews zeigt die Studie die Verankerung dieser Vertriebenen-Gruppe in der Bayern-SPD. Dabei schlägt das Werk einen Bogen von der Vorgeschichte in der Tschechoslowakei bis 1945, über die heute ebenfalls unbekannte «selbstorganisierte» Vertreibung der «Aktion Ullmann» bis hin zu den Kämpfen um Einfluss in der Sudetendeutschen Landsmannschaft während der Neuen Ostpolitik.

„Eine enge Bindung bot für die SPD ein großes Wählerpotential, da die Sudetendeutschen sich mit Bayern in einem Gebiet niederließen, in dem die Partei schwach war“, stellte Vergnon eingangs dar. Hinzu kamen enge Verbindungen aus der Kooperation im sozialdemokratischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime, der von 1933 bis 1938 für Bayern maßgeblich aus der Tschechoslowakei und deren Sudetengebieten unterstützt wurde.

Die Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei stellten ab 1946 mit fast einer Million Einwohner circa 10% der Bevölkerung. „Die Sudetendeutschen beeinflussten in Bayern die SPD jedoch nicht nur passiv als Wähler, sondern auch aktiv als Mitglieder und Funktionäre. Sie waren in allen Gliederungen der bayerischen Partei vertreten und brachten es in führende Positionen, darunter mit Volkmar Gabert zum Vorsitzenden der Landtagsfraktion und der Landespartei“, so Vergnon weiter. Bereits von 1947 bis 1950 stellten sie mit Richard Reitzner den stellvertretenden Parteivorsitzenden, einen Posten, den mit Peter Glotz von 1972 bis 1977 erneut ein Sudetendeutscher besetzte. Auch innerhalb der regionalen Parteiorganisation nahmen sudetendeutsche Vertriebene zahlreiche Aufgaben wahr:

„Gerade die Verbindungen und Gründungsgeschichten viele Ortsvereine in der Region Ostbayern seien bisher nur schwach dokumentiert, obwohl viele Mandatsträger in der Nachkriegszeit aus der Gruppe der Sudetendeutschen Sozialdemokraten hervorgingen“, so Vergnon. In Südbayern verdoppelten sich die Ortsvereine von 336 (1933) auf 670. Er konnte die Gründung der Ortsvereine Pfatter, Sünching oder Aufhausen aufgrund des Einflusses der Sudetendeutschen Sozialdemokraten belegen. Auch die SPD in Passau, Vilshofen (Kreisverband), Kelheim (Kreisverband und Jusos), Landshut oder Straubing profitierten deutlich von den Vertriebenen DSAP-Mitgliedern. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass z.B. Regensburg (Stadt und Landkreis) die bundesweit größte Seliger-Gruppe mit über 800 Mitgliedern hatte. Daraus gingen Stützpunkt Gruppen hervor, aus denen eigene Ortsgruppen wurden (z.B. Neutraubling). Das Bundestreffen der Seliger-Gemeinde 1961 mit 25.000 bis 30.000 Besuchern ist noch vielen Älteren in Erinnerung, bestätigte Walter Annuß.

Am Beispiel Sünching und Aufhausen stellte Vergnon auch den Einschnitt dar, den die regionale SPD durch den Wegzug vieler Vertriebener in andere, arbeitsplatzreichere Gegenden erfuhr. Beide Ortsvereine lösten sich nach Kurzem wieder auf und konnten erst Jahrzehnte später wiedergegründet werden. Doch auch die großen, mitgliederstarken Ortsgruppen wie Passau, Straubing, Landshut, Neutraubling und sogar Regensburg brachen nach und nach ein, weil der Nachwuchs fehlte. Lange konnten die Gruppen aufgrund von gesellschaftlichen Unternehmungen aufrecht erhalten werden, die fehlende politische Arbeit und das alleinige Verweilen in der Vergangenheit führten letztendlich zur Auflösung.

Thematischen  Neuausrichtung dringen geboten

Erst durch die Gründung der Regionalgruppe Niederbayern-Oberpfalz  Ende 2016 konnte die lange Tradition gerettet und mit neuem leben erfüllt werden. Doch auch die Regionalgruppe, wie Landes- und Bundesverband bedürfen einer thematischen  Neuausrichtung um auch in Zukunft zu bestehen. „Gerade aus diesem Grund sucht die Seliger Gemeinde den Kontakt zu themenverwandten Gruppierungen wie der Tschechischen Schule Regensburg“, so Vorsitzende Rita Hagl-Kehl und freute sich über den erfrischenden und länderübergreifenden Ansatz der Tschechischen Schule. Soweit es den Vorstandsmitgliedern möglich sei, werde man den Verein mit allen Kräften unterstützen, versicherte Hagl-Kehl. Schnell waren die Beteiligten sich einig, die geschichtliche Verbundenheit und die gemeinsame Hoffnung auf ein friedliches und soziales Europa, gerade im 100. Jahr der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik, zu gemeinsamen Aktionen zu nutzen. „Die sudetendeutschen Sozialdemokraten hatten, meist in Regierungsverantwortung, ihren Beitrag zur Gestaltung des ganzen Landes bis 1938 geleistet. Die Seliger Gemeinde sei diesem Erbe verbunden und wolle auch die gemeinsame Zukunft mitgestalten.

 

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