Das Beste aus den Parlamentsreden Wenzel Jakschs (1896-1966) - Teil 5

Veröffentlicht am 10.05.2020 in Bundesverband

Es ist auch nicht einzusehen, warum die Sudetendeutschen Freude an einer Bedrohung der Sowjetunion empfinden sollen, welche als das zwangsläufige Ergebnis der Dreieckpolitik Berlin-Tokio-Rom erscheint. Mag man zu Rußland stehen wie immer, Rußland wird einer der wichtigsten Märkte der Zukunft sein, auch für unsere čechoslovakische und sudetendeutsche Industrie. Mag man das System drüben ablehnen oder anerkennen, niemand kann bestreiten, dass das gewaltige aufstrebende russische Volk in aller Zukunft eine große politische und ökonomische Rolle zwischen Europa und Asien spielen wird.
 

Wir begrüßen jedes aufrichtige und objektive Interesse englischer Kreise für unsere Lebensfragen in der tiefen Überzeugung, dass ohne die tatkräftige Mitwirkung Englands der Friede auf dem Kontinente nicht zu retten ist. Auf der andern Seite möchte ich davor warnen, dass wir vielleicht die ganze Konzeption der sudetendeutschen Politik auf irgend welche englische Zeitungsstimmen aufbauen. Wir würden damit einem Feldherrn gleichen, der seine Armee über dünnes Eis führt, welches jede Minute zerschmelzen oder einbrechen kann.

Doch es drängt mich als sudetendeutschen Politiker, die Frage aufzuwerfen, wie lange das britische Interesse für Zentraleuropa und für unsere engeren Probleme andauern wird. Konkret gesprochen, ich werfe die Frage auf: Wird sich der Kreis um die "Times" auch dann noch für die Sudetendeutschen interessieren, wenn, theoretisch angenommen, ein Abkommen Berlin-Prag zustandekommen sollte, bei welchem die Lebensinteressen der Sudetendeutschen den außenpolitischen Interessen des Dritten Reiches geopfert werden? Die Frage lautet also, ob von der Čechoslovakei Konzessionen an das Recht, oder Konzessionen an die kriegsdrohende Gewalt gefordert werden.

Jedenfalls darf ich sagen, dass wir als sudetendeutsche Aktivisten aus eigener Kraft mehr erreicht haben als jene deutschen Minderheiten, die sich auf die Hilfe Berlins verlassen haben.

Es ist ein Schauspiel für Götter, meine Herren von der Sudetendeutschen Partei, wenn die gleichen Leute für das heilige Recht der Opposition streiten, die es selbstverständlich finden, dass im angebeteten Nachbarreiche die Opposition zum Richtblock geschleift oder ins Konzentrationslager geworfen wird.

Meine Damen und Herren! Ich habe nicht die geringste Neigung dazu, als Kronzeuge der Sudetendeutschen Partei zu fungieren, weil ich wohl den Mut habe, nach der čechischen Seite hin meine Meinung auszusprechen, weil ich mich aber niemals dazu hergeben werde zu verleugnen, dass der deutsche Mensch hierzulande noch immer mehr Freiheiten genießt als in Deutschland, in Danzig, in Österreich, in allen Ländern Europas, mit Ausnahme der demokratischen Schweiz. (Applaus.) Hier gibt es noch Pressefreiheit, hier gibt es noch Organisationsfreiheit, hier gibt es noch Streikfreiheit, hier gibt es Freiheit des Geistes und des kulturellen Schaffens. Hier gibt es noch rechtsstaatliche Sicherungen der Einzelpersönlichkeiten.

Längs einer Staatsgrenze von 1000 oder noch mehr Kilometern, die uns nunmehr mit dem vergrößerten Deutschen Reiche verbindet, sehen die Menschen, unsere Menschen, dass es drüben zunächst mehr Arbeit gibt, Arbeit, die zum Teil auch höher entlohnt wird, als bei uns. Es ist daneben unbestreitbar, daß die Beschäftigungsmöglichkeiten in Prag und in Mittelböhmen - Mähren ist in diesem Zusammenhang als ein Sonderfall auszuschalten - unvergleichlich besser sind, als in den hochindustrialisierten Randgebieten.

 

aus: Rede vom 3. Dezember 1937 zum Staatshaushalt, Bereich Wirtschaften, Verkehr und Finanzen sowie zur Erklärung des Finanzministers Dr. Kalfus vom 9. November 1937.

 

Die Seliger Gemeinde präsentiert „das Beste aus den Parlamentsreden Wenzel Jakschs“, das der Historiker Dr. Thomas Oellermann für uns zusammengestellt hat. Die aktuelle Zusammenstellung finden Sie hier!

 

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