Herbstseminar 2026

Veröffentlicht am 26.10.2026 in Allgemein

Der Historiker Filip Bláha erläuterte, wie wichtig es ist, solche Filme im Zusammenhang mit den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen ihrer Entstehungszeit zu betrachten

75 Jahre Seliger-Gemeinde – Geschichte in bewegten Bildern

Eine filmische Collage mit Dr. Thomas Oellermann und Dr. Filip Bláha eröffnete das Herbstseminar 2026 in Bad Alexandersbad. Historische Dokumentationen, ihre Einordnung in die tschechoslowakische Zeitgeschichte und ein Blick auf die heutige Filmarbeit der Seliger-Gemeinde standen im Mittelpunkt.

Mit einer filmischen Zeitreise begann das Herbstseminar der Seliger-Gemeinde vom 16. bis 18. Oktober in Bad Alexandersbad. Unter dem Titel „75 Jahre Seliger-Gemeinde – eine filmische Collage“ präsentierten die Historiker Dr. Thomas Oellermann und Dr. Filip Bláha historische Filmaufnahmen und Dokumentationen, die eindrucksvolle Einblicke in die Geschichte der sudetendeutschen Arbeiterbewegung, den antifaschistischen Widerstand und die Entwicklung der Seliger-Gemeinde vermittelten. Dabei ergänzten sich beide Referenten: Während Oellermann die Filme und ihre Bezüge zur Seliger-Gemeinde vorstellte, ordnete Bláha die Aufnahmen in die jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Tschechoslowakei ein.

Den Auftakt bildete „Gegen den Strom“, eine historische Filmproduktion der Seliger-Gemeinde. Besonders bemerkenswert waren die Originalaufnahmen vom Reichsarbeitertag der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) 1929 in Karlsbad. Die Bilder von politischen Kundgebungen und führenden Persönlichkeiten ließen eine Zeit lebendig werden, in der die sudetendeutsche Sozialdemokratie eine bedeutende politische Kraft innerhalb der jungen Tschechoslowakischen Republik war. Die historischen Erläuterungen verdeutlichten die damaligen politischen Rahmenbedingungen und die Stellung der deutschen Sozialdemokraten im Vielvölkerstaat.

Eine andere Perspektive eröffnete die 1999 entstandene Dokumentation „Gemeinsam gegen Hitler“ der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Tschechischen Republik. Sie erinnerte an den gemeinsamen Widerstand deutscher und tschechischer Antifaschisten gegen die nationalsozialistische Herrschaft. Filip Bláha stellte diese Geschichte in den Zusammenhang der deutsch-tschechischen Beziehungen und der unterschiedlichen Erinnerung an die Jahre der nationalsozialistischen Besatzung und die Nachkriegszeit. Der Film verdeutlichte, dass es neben den nationalen Gegensätzen auch eine gemeinsame Geschichte demokratischen Widerstands gab, die lange im Schatten von Vertreibung und politischer Teilung Europas gestanden hatte.

Einen besonderen Bezug zur Seliger-Gemeinde hatte der Film des Dokumentarfilmers Horst Herz aus dem Jahr 2009. Er begleitete eine Gedenkfahrt der Seliger-Gemeinde nach Teplitz-Schönau anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung der DSAP. Darin kam unter anderem Erwin Scholz (1927–2024) zu Wort, der über sein Leben als Angehöriger der deutschen Minderheit in der kommunistischen Tschechoslowakei berichtete. Seine Erinnerungen machten deutlich, wie tief politische Umbrüche und nationale Zugehörigkeiten individuelle Lebenswege prägten.

Ergänzt wurde die Zusammenstellung durch einen Beitrag des Tschechoslowakischen Filmwochenspiegels aus dem Jahr 1966. Gerade an solchen Aufnahmen ließ sich zeigen, wie die kommunistische Tschechoslowakei die Geschichte des deutschen Antifaschismus darstellte und für ihr eigenes politisches Selbstverständnis nutzte. Die zeitgeschichtlichen Erläuterungen von Filip Bláha halfen dabei, die Filme nicht nur als historische Dokumente, sondern auch als Zeugnisse der jeweiligen politischen Erinnerungskultur zu verstehen.

So entstand im Zusammenspiel der beiden Historiker ein differenzierter Blick auf die Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokraten. Die Filme zeigten nicht nur vergangene Ereignisse, sondern machten zugleich deutlich, wie unterschiedlich diese in den verschiedenen politischen Epochen der Tschechoslowakei und später der Tschechischen Republik wahrgenommen, dargestellt und bewertet wurden.

Der filmische Auftakt war damit im 75. Jahr des Bestehens der Seliger-Gemeinde weit mehr als ein nostalgischer Rückblick. Die historischen Aufnahmen erwiesen sich als wertvolle Zeitdokumente, die es zu bewahren und künftigen Generationen zugänglich zu machen gilt.

Dabei zeigte sich auch, dass Filme für die Seliger-Gemeinde keineswegs nur ein Medium der Vergangenheit sind. Bis heute nutzt sie bewegte Bilder, um historische Ereignisse zu dokumentieren, Zeitzeugen zu Wort kommen zu lassen und ihre Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zahlreiche Dokumentationen und Filmbeiträge zur Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie sind inzwischen über den eigenen YouTube-Kanal abrufbar.

Geschichte der Seliger-Gemeinde im Film

Historische Aufnahmen, Dokumentationen und Beiträge zur Erinnerungsarbeit:

Zur Filmsammlung auf YouTube

https://www.youtube.com/playlist?list=PLUSbIVwXHR-K4Qv9X9vDdlEb9r2XIGYE5

 

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