Projektleiter Herbert Schmid (stehend) mit den deutschen Jugendlichen Anna T. (li.), Jason H. (Mitte) und Lena (re.) bei der Gruppenarbeit zum Interview-Fragebogen
„Opa, Oma, erzählt mal!“ – Vorbereitungswochenende abgeschlossen
Wie lebten junge Menschen früher? Welche Träume und Erwartungen hatten sie – und was ist daraus geworden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das deutsch-tschechische Projekt „Opa, Oma, erzählt mal! – Vom Leben damals und heute“ der Seliger-Gemeinde Bayern. Beim Vorbereitungswochenende in Bad Alexandersbad wurden nun die Grundlagen für die kommenden Interviews gelegt. Im Mittelpunkt steht der Vergleich von Lebenswelten über drei Generationen hinweg zwischen Bayern und Böhmen.
Mit dabei waren Anna T. mit ihrer 1944 geborenen Großmutter Inge, Jason H. und Lena sowie zwei Jugendliche aus Tschechien. Begleitet wurde die Gruppe von den Teamern Herbert Schmid und Anita Berek sowie Rainer Pasta, Bundesgeschäftsführer der Seliger-Gemeinde.
Nach einer Vorstellungsrunde und deutsch-tschechischer Sprachanimation führte Herbert Schmid in die Methode der Oral History sowie in Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Zeitzeugeninterviews ein. Besonders anschaulich wurde dies bei einem Probeinterview zwischen Jason und Inge: Aus dem zunächst vorsichtigen Fragen entwickelte sich schnell ein offenes und lebendiges Gespräch. Dabei zeigte sich, wie wichtig Zuhören, Nachfragen und echtes Interesse sind.
In Gruppenarbeit entwickelten die Jugendlichen erste Fragen zu Lebenssituation, Alltag und Zukunftserwartungen früherer Generationen. Ein weiterer Themenblock beschäftigte sich unter dem Titel „Unbekannte Nachbarn“ mit deutsch-tschechischer Geschichte und Kultur.
Besonders eindrucksvoll waren zwei Filmdokumente, die selbst als Zeitzeugnisse Einblick in frühere Lebenssituationen gaben. Ein Film aus einem früheren Jugendprojekt erinnerte an den Schengen-Beitritt und zeigte den Wandel im deutsch-tschechischen Grenzraum. Ein weiterer Beitrag vermittelte familiäre Eindrücke von den Lebensumständen in Prag 1968.
Am Sonntagvormittag stand zudem die Geschichte der DSAP und der Seliger-Gemeinde auf dem Programm. Damit wurde der Bogen von der sudetendeutschen Sozialdemokratie über Verfolgung, Vertreibung und Neubeginn bis zur heutigen grenzüberschreitenden Arbeit gespannt.
Zum Abschluss ging es um die praktische Umsetzung: Interviewtechnik, Datenschutz, Speicherung und Weiterverarbeitung sowie den Zeitplan für die nächsten Monate. In den nächsten Wochen beginnen die eigentlichen Interviews und mit zwei öffentlichen Erzählcafés in Hof und Cheb/Eger schließt das Projekt ab. Auf die abschließende Auswertung darf man gespannt sein.
Die Seliger-Gemeinde dankt der Euregio Egrensis für die Förderung und Unterstützung des grenzüberschreitenden Projekts.