Zum 130. Geburtstag von Wenzel Jaksch
Politik, Vertriebenenverbände und Familie gemeinsam beim Gedenken in Wiesbaden
Mit einer Gedenkfeier auf dem Waldfriedhof Wiesbaden-Dotzheim erinnerte die Seliger-Gemeinde am 25. September an den 130. Geburtstag von Wenzel Jaksch. Der langjährige Vorsitzende der Seliger-Gemeinde und prägende Vertreter der sudetendeutschen Sozialdemokratie starb vor 60 Jahren in Wiesbaden.
Die Zusammensetzung der Gäste unterstrich die besondere Bedeutung der Feierstunde. Mit Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Andreas Hofmeister, dem Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, nahmen hochrangige politische Vertreter teil. Hinzu kamen Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft und des Bundes der Vertriebenen sowie zahlreiche Mitglieder der Seliger-Gemeinde. Damit wurde die enge Verbindung zwischen Politik, Vertriebenenorganisationen und der Erinnerungsarbeit an die sudetendeutsche Sozialdemokratie sichtbar. Wenzel Begrüßung Päßler
Eine besondere persönliche Note erhielt das Gedenken durch George Jaksch, den Sohn Wenzel Jakschs. Seine Teilnahme schlug die Brücke von der historischen Persönlichkeit zur Familiengeschichte und erinnerte daran, wie sehr Exil, Verlust und Neubeginn auch das private Leben der Familie Jaksch prägten.
Oberbürgermeister Mende hob in seinem Grußwort die enge Verbindung Jakschs zu Wiesbaden hervor. Nach der Rückkehr aus dem englischen Exil fand er mit seiner Familie im Stadtteil Kohlheck eine neue Heimat. Hier begann ein wichtiger Abschnitt seines politischen Wirkens im Nachkriegsdeutschland, hier starb er 1966 und hier befindet sich sein Grab. Mende verband die Erinnerung an Jaksch mit dessen Einsatz für Demokratie, Verständigung und ein friedliches Europa. Grußwort OB zur Gedenkstunde fü…
Auch Andreas Hofmeister würdigte Wenzel Jaksch im Namen der Hessischen Landesregierung. Gemeinsam mit den Beiträgen der Vertriebenenverbände wurde damit deutlich, dass Jakschs Lebensweg bis heute weit über die Seliger-Gemeinde hinaus erinnert wird.
Helena Päßler, Ko-Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, stellte in ihrer Gedenkrede besonders Wiesbaden und Teplitz-Schönau, das heutige Teplice, als die beiden „Schicksalsstädte“ Jakschs heraus. In Teplitz begann 1919 seine politische Karriere in der sudetendeutschen Sozialdemokratie; Wiesbaden wurde nach Exil und Krieg zum Ort des Neubeginns. Päßler Rede zu Wenzel Jaksch 25…
Jaksch, 1896 in Langstrobnitz im Böhmerwald geboren, ging bereits mit 14 Jahren als Maurerlehrling nach Wien und fand dort zur Arbeiterbewegung. Später wurde er Abgeordneter im Prager Parlament und Vorsitzender der DSAP. Er setzte sich für die Zusammenarbeit mit den tschechoslowakischen Sozialdemokraten ein und gehörte zu den entschiedenen Gegnern des Nationalsozialismus. Nach der Besetzung des Sudetenlandes half er bei der Rettung gefährdeter Sozialdemokraten, bevor er 1939 selbst nach Großbritannien fliehen musste. Päßler Rede zu Wenzel Jaksch 25…
George Jaksch erinnerte aus persönlicher Perspektive daran, wie sehr das englische Exil, die neue Sprache und die Begegnung mit der angelsächsischen Kultur seinen Vater auch nach der Rückkehr nach Deutschland geprägt hatten. Päßler Rede zu Wenzel Jaksch 25…
In Wiesbaden wirkte Wenzel Jaksch zunächst im hessischen Flüchtlingswesen und war am Hessenplan zur Eingliederung der Vertriebenen beteiligt. 1953 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehörte. Zugleich blieb er eine prägende Persönlichkeit der sudetendeutschen Sozialdemokratie und der Seliger-Gemeinde. Päßler Rede zu Wenzel Jaksch 25…
Die musikalische Begleitung durch Thomas Albrecht und die Kranz- und Blumenniederlegung am Grab gaben der Feierstunde einen würdigen Rahmen. Wenzel Begrüßung Päßler
So wurde die Gedenkfeier nicht nur zu einem Rückblick auf das Leben Wenzel Jakschs. Sie machte zugleich deutlich, wie eng Erinnerung, politische Verantwortung, Vertriebenenarbeit und persönliche Familiengeschichte miteinander verbunden sind. Für die Seliger-Gemeinde bleibt Wenzel Jaksch deshalb nicht nur Teil ihrer Geschichte, sondern auch ein Auftrag für die Gegenwart.