Freiwillige Spanienkämpfer aus den Reihen der DSAP
Für viele sudetendeutsche Sozialdemokraten war der Spanische Bürgerkrieg kein entfernter Konflikt. Im Aufstand Francos gegen die gewählte Republik erkannten sie einen weiteren Angriff des europäischen Faschismus auf Demokratie und Arbeiterbewegung. Hitler hatte in Deutschland bereits sozialdemokratische und gewerkschaftliche Organisationen zerschlagen, politische Gegner verfolgt und Tausende ins Exil gezwungen. Auch in der Tschechoslowakei wuchs seit Mitte der 1930er Jahre die Bedrohung. Wer nach Spanien ging, war deshalb häufig überzeugt, dort nicht allein die Spanische Republik, sondern zugleich die eigene politische Zukunft und die Freiheit Europas zu verteidigen.
Die Freiwilligen handelten nicht im Auftrag der DSAP. Der Gang nach Spanien war eine persönliche Entscheidung und mit erheblichen Risiken verbunden. Familie, Arbeitsplatz und politische Organisation wurden zurückgelassen, Grenzen mussten häufig illegal überschritten werden. In Spanien trafen die Freiwilligen auf einen Krieg, auf den viele nur unzureichend vorbereitet waren. Wechselnde Fronten, schlechte Versorgung, Verständigungsprobleme und hohe Verluste bestimmten ihren Alltag. Einzelne verfügten allerdings über Erfahrungen aus der Republikanischen Wehr oder dem tschechoslowakischen Militär.
In den Internationalen Brigaden
Mehrere inzwischen nachweisbare Freiwillige aus dem DSAP-Umfeld kämpften in den Internationalen Brigaden. Johann beziehungsweise Hans Pleiner, Arthur Fischer, Arthur Lehnert und Rudolf Köstler werden in zeitgenössischen sozialdemokratischen Quellen mit dem Edgar-André-Bataillon der XI. Internationalen Brigade in Verbindung gebracht. Bei Johann und Hans Pleiner spricht vieles dafür, dass es sich um dieselbe Person handelt; die Namensfrage ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Pleiner soll eine militärische Führungsfunktion ausgeübt haben und fiel im März 1937.
Auch Franz Brech, Bezirksführer der Republikanischen Wehr in Bodenbach, schloss sich den Internationalen Brigaden an. Gerade seine Funktion in der Republikanischen Wehr macht deutlich, dass zwischen dem sozialdemokratischen Schutzverband in der Tschechoslowakei und dem persönlichen Entschluss zum bewaffneten Einsatz in Spanien zumindest bei einzelnen Freiwilligen ein unmittelbarer Zusammenhang bestand.
Deutlich besser kennen wir inzwischen auch Franz Gebauer aus Jägerndorf/Krnov. Oellermann führt ihn als DSAP-Mitglied, während internationale und katalanische Quellen seinen Einsatz in Spanien unabhängig bestätigen. Gebauer kämpfte zuletzt in der XI. Internationalen Brigade und wurde während der schweren Kämpfe des Jahres 1938 verwundet. Er kam in das internationale Hospital von Mataró, wo er am 8. November 1938 an den Folgen einer Granatsplitterverletzung mit Schädigung des Rückenmarks starb. Am folgenden Tag wurde er auf dem Friedhof von Mataró beigesetzt. Damit gehört Gebauer inzwischen zu den am besten belegten DSAP-Mitgliedern, die selbst in den Internationalen Brigaden kämpften. In österreichischen Spanienkämpfer-Unterlagen wird er teilweise als Österreicher geführt, obwohl seine Herkunft aus Jägerndorf eindeutig belegt ist. Möglicherweise hatte er vor Spanien zeitweise in Österreich gelebt; gesichert ist dies bislang nicht.
Rudolf Hable und Max-Walter Šotola – Sozialdemokraten bei der POUM
Nicht alle sudetendeutschen Sozialisten schlossen sich den Internationalen Brigaden an. Einen anderen Weg gingen Rudolf Hable und Max-Walter Šotola.
Rudolf Hable wurde am 9. Dezember 1907 in Neu-Sörnewitz bei Meißen geboren und lebte später in Nordböhmen. Er gehörte der Sozialistischen Jugend in Bensen an und arbeitete 1936 gemeinsam mit Šotola in einer Gummifabrik in Böhmisch-Kamnitz. Beide waren in der Republikanischen Wehr aktiv.
Hable gelangte nach Spanien und schloss sich dort nicht den Internationalen Brigaden, sondern der Internationalen Lenin-Gruppe im Milizverband der linkssozialistischen POUM an. Er kämpfte an der Aragónfront und fiel am 5. Januar 1937 bei Lierta in der Provinz Huesca. Dass zeitgenössische Meldungen ihn teilweise den Internationalen Brigaden zurechneten, dürfte auf die damals noch unscharfe Wahrnehmung der unterschiedlichen internationalen Freiwilligenverbände zurückzuführen sein.
Besonders wertvoll für unsere Kenntnis dieses Umfelds sind die Erinnerungen von Max-Walter Šotola. Šotola war bereits 1919 Mitglied der sozialdemokratischen Jugend, später Sekretär der DSAP im Bezirk Böhmisch-Kamnitz und in der Republikanischen Wehr aktiv. Seinen tschechoslowakischen Militärdienst hatte er bei der Gebirgsartillerie absolviert und war zum Geschützführer ausgebildet worden.
In Spanien schloss auch er sich zunächst dem Umfeld der POUM an. In Fañanás war er am Aufbau eines Stoßbataillons beteiligt. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen aus der Tschechoslowakei sprach er zudem über den Kurzwellensender der POUM. Dabei wurde ausdrücklich hervorgehoben, dass er weder als politischer Emigrant noch aus Arbeitslosigkeit nach Spanien gekommen sei, sondern aus der demokratischen Tschechoslowakei freiwillig zum Kampf gegen den Faschismus.
Šotolas Erinnerungen gehören damit zu den bedeutendsten bislang bekannten Selbstzeugnissen eines sudetendeutschen Sozialdemokraten aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Sein späterer Lebensweg führte ihn nach Norwegen, wo er während der deutschen Besatzung im Gefangenenregister von Møllergata 19 in Oslo als „politischer Flüchtling“ erfasst wurde. Über seinen weiteren Weg wird derzeit noch geforscht.
Pauline Hack – eine Frau aus der DSAP in Spanien
Eine besondere Stellung nimmt Pauline Hack ein. Der Prager Sozialdemokrat berichtete am 27. Januar 1937 über sie als DSAP-Angehörige, die in Spanien gekämpft habe und bei den Kämpfen um Madrid gefallen sei.
Über ihr Geburtsdatum, ihre Herkunft, ihren Beruf und ihre Tätigkeit innerhalb der DSAP wissen wir bislang nichts Näheres. Auch ihre konkrete Einheit ist noch nicht geklärt. Der zeitgenössische Bericht bezeichnet sie jedoch ausdrücklich als Kämpferin.
Pauline Hack ist damit nach unserem gegenwärtigen Forschungsstand die erste namentlich belegte Frau aus den Reihen der DSAP, die unmittelbar am Kampf für die Spanische Republik teilnahm und dabei ums Leben kam. Ihre Geschichte erweitert das bisher stark von Männern geprägte Bild der sudetendeutschen Spanien-Solidarität.
Weitere Freiwillige aus Jägerndorf und Neutitschein
Die bisher ausgewertete Literatur nennt weitere Spanienfreiwillige aus den deutschen Gebieten der Tschechoslowakei. Dazu gehören Otto Ramart und Herbert Weiser aus Jägerndorf sowie Leonhard Hübsch aus Neutitschein.
Bei ihnen ist der Spanien-Einsatz nach der verwendeten Literatur belegt, die nähere Biografie aber noch weitgehend offen. Für Herbert Weiser wird eine spätere Inhaftierung und die Zuweisung zu einem Strafbataillon beziehungsweise einer Strafkompanie genannt. Bei Leonhard Hübsch vermerkt die Quelle eine spätere KZ-Haft sowie einen „Tod durch Verfolgung“. Welches Konzentrationslager gemeint ist, wann die Haft stattfand und ob Hübsch unmittelbar im Lager oder später an den Folgen der Verfolgung starb, konnte bislang nicht geklärt werden.
Bei Otto Ramart ist bislang lediglich der Spanien-Einsatz sicher überliefert; einen gesicherten Beleg dafür, dass er später im Konzentrationslager ums Leben kam, haben wir derzeit nicht. Diese ältere Annahme sollten wir deshalb nicht mehr übernehmen.