Karl Kern in Spanien – ein Augenzeuge der bedrohten Republik
Neben dem DSAP-Journalisten Ernst Paul reiste 1937 auch Karl Kern in das republikanische Spanien. Kern, 1902 in Graupen geboren, gehörte zu den führenden Funktionären der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik. Er war Journalist, langjähriger Vorsitzender der Sozialistischen Jugend und 1937 verantwortlicher Redakteur des Prager „Sozialdemokrat“.
Seine Spanienreise ist inzwischen archivalisch belegt. Kern nahm vom 28. Juni bis 6. Juli 1937 an einem Treffen der Sozialistischen Jugendinternationale in Spanien teil. Die Beratungen standen unter der Leitung von Santiago Carrillo, dem Generalsekretär der Vereinigten Sozialistischen Jugend Spaniens. Zumindest ein Teil der Zusammenkunft fand in Valencia statt, dem damaligen Sitz der republikanischen Regierung. Kern war mit der internationalen sozialistischen Jugendbewegung seit Langem verbunden: Bereits 1923 hatte er an ihrer Gründung in Hamburg mitgewirkt.
Unterlagen im Karl-Kern-Nachlass im Bayerischen Hauptstaatsarchiv dokumentieren das Treffen. Dazu gehören ein zeitgenössischer Bericht über die Beratungen sowie ein Schreiben Kerns an Julius Deutsch vom 4. Februar 1963, in dem er rückblickend seine Erinnerungen an die Zusammenkunft in Valencia schilderte. Die Reise Kerns war damit unabhängig von der Spanienfahrt Ernst Pauls, der bereits im März 1937 mit einer tschechoslowakischen Politiker- und Journalistendelegation das Land besucht hatte.
Nach seiner Rückkehr vermittelte Kern seine Eindrücke bei zahlreichen Veranstaltungen der sudetendeutschen Arbeiterbewegung. Am 10. August 1937 sprach er vor mehreren hundert Vertrauensleuten in Bodenbach über den Freiheitskampf des spanischen Volkes. Der Bericht im „Sozialdemokrat“ vom 12. August hob hervor, dass Kern aus eigener Anschauung über Spanien berichtete und auf die weltpolitische Bedeutung des Krieges verwies. Die Versammlung verabschiedete eine Resolution gegen die Propaganda der faschistischen Presse und forderte ein Eingreifen des Völkerbundes zugunsten Spaniens.
Auch bei Spanienkundgebungen in Reichenberg und Gablonz trat Kern als Redner auf. Er schilderte den Kampf der Republik und überbrachte ein Gelöbnis der spanischen Freiheitskämpfer. Damit wurde er für die DSAP zu einem wichtigen politischen Vermittler: Er verband die internationale Arbeit der Sozialistischen Jugend mit der Aufklärungs- und Solidaritätsarbeit in den deutschen Gebieten der Tschechoslowakei.
Noch nicht vollständig geklärt sind Kerns genaue Reiseroute, seine Begleiter und die einzelnen Programmpunkte des Treffens. Sicher ist jedoch, dass er 1937 die bedrohte Republik selbst besuchte. Neben Ernst Paul war damit ein zweiter führender Vertreter der sudetendeutschen Sozialdemokratie Augenzeuge des republikanischen Spanien.
Möglicherweise gehörte auch Gertrud Rybak zu Kerns Reisegruppe oder hielt sich im selben organisatorischen Umfeld in Spanien auf. Später traten beide gemeinsam auf und berichteten über ihre Eindrücke aus der Spanischen Republik. Rybak verarbeitete ihre Beobachtungen zudem in der 1938 erschienenen Broschüre „Spanische Frauen heute“. Ob sie jedoch an der Reise Kerns oder am Treffen der Sozialistischen Jugendinternationale in Valencia teilnahm, ist bislang nicht eindeutig nachgewiesen.
Karl Kern war 1937 selbst im republikanischen Spanien.
Vom 28. Juni bis 6. Juli nahm der DSAP-Journalist und frühere Vorsitzende der Sozialistischen Jugend an einem internationalen Treffen sozialistischer Jugendorganisationen teil. Ein Teil der Beratungen fand in Valencia statt, damals Sitz der republikanischen Regierung.
Nach seiner Rückkehr berichtete Kern vor Hunderten Zuhörern in Bodenbach, Reichenberg und Gablonz über den Kampf der Republik. Er warnte vor der faschistischen Propaganda und machte deutlich: Was in Spanien geschah, betraf ganz Europa. Damit wurde Kern zu einem wichtigen Vermittler zwischen internationaler sozialistischer Zusammenarbeit und konkreter Solidaritätsarbeit in der Tschechoslowakei.