Georg Hans Trapp in Dortmund – Kunst, Widerstand und Verständigung
Ausstellungseröffnung in Dortmund-Hörde
Mit einer gut besuchten Vernissage ist am 6. September im Café Aufbruch in Dortmund-Hörde die Ausstellung über den sudetendeutschen Künstler, politischen Zeichner und Sozialdemokraten Georg Hans Trapp eröffnet worden. Die Wanderausstellung der Seliger-Gemeinde ist dort noch bis zum 3. Oktober zu sehen.
Die Schirmherrschaft über die Ausstellung hatte die tschechische Generalkonsulin Kristina Larischová (Bild re. oben) bereits im Vorfeld schriftlich übernommen. Zur Eröffnung war sie persönlich nach Dortmund gekommen. In ihrem Schreiben würdigte sie Trapp als vielseitigen Grafiker, Karikaturisten und engagierten Sozialdemokraten, dessen Lebensweg eng mit der Geschichte der Tschechoslowakei verbunden sei. Zugleich dankte sie der Seliger-Gemeinde für ihr Engagement für die deutsch-tschechischen Beziehungen.
Norbert Schilff (Bild oben Mitte), Erster Bürgermeister und erster Stellvertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Dortmund, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Trapp nicht nur Künstler, sondern auch überzeugter Demokrat und Gegner des Nationalsozialismus war. Sein Lebensweg zeige, dass Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten seien.
Schilff schlug dabei bewusst den Bogen in die Gegenwart. Demokratie finde nicht nur in Parlamenten statt, sondern auch in Stadtteilen, Vereinen, Initiativen und Begegnungsorten wie dem Café Aufbruch. Auch die Seliger-Gemeinde leiste mit ihrer Erinnerungsarbeit einen wichtigen Beitrag, indem sie an Menschen erinnere, die für Freiheit und Demokratie eingestanden seien, und zugleich Brücken zwischen Deutschland und Tschechien baue.
Daran knüpfte Helena Päßler, Ko-Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, in ihrem schriftlich übermittelten Grußwort an. Sie erinnerte daran, dass Georg Hans Trapp am 1. Dezember 1900 in Mstišov/Tischau bei Teplitz geboren wurde, zunächst als Graveurlehrling in der Glasindustrie arbeitete und sich früh der Sozialistischen Jugend anschloss. Später wurde er zu einem der wichtigsten Illustratoren und Zeichner der sudetendeutschen Sozialdemokratie.
Sein politisches Engagement blieb nicht folgenlos. Trapp wurde zum Gegner des Nationalsozialismus und selbst Opfer der Verfolgung. Nach dem Krieg verließ er mit seiner Frau Ende 1945 die Tschechoslowakei mit einem schwedischen Rot-Kreuz-Transport. In seiner alten Heimat gerieten sein Name und sein Werk lange in Vergessenheit. Die Seliger-Gemeinde hielt die Erinnerung wach: 1968 erhielt Georg Hans Trapp als erster Preisträger den Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis.
Einen besonderen Akzent setzte Dr. Grochtmann von der Čapek-Gesellschaft, der einen Originalausdruck eines Trapp-Motivs (Bild links) mitbrachte. Damit wurde sichtbar, dass die Beschäftigung mit dem Künstler inzwischen auch über die Seliger-Gemeinde hinaus neue Aufmerksamkeit findet.
Erika Kalkofen-Frahne (Bild unten Mitte), die sich seit langem intensiv mit Trapp beschäftigt und die Ausstellung maßgeblich vorbereitet hat, führte in Leben, Werk und historische Hintergründe ein. Dabei wurde deutlich, wie eng bei Trapp Kunst und politische Haltung miteinander verbunden waren.
Gerade diese Verbindung prägte auch den Ton der Eröffnung. Bürgermeister Schilff brachte es auf eine einfache Formel: Kunst könne erinnern, widersprechen und dazu anregen, genauer hinzusehen. Die Werke Georg Hans Trapps tun genau das.
Dass die Ausstellung nun im Café Aufbruch in Hörde gezeigt wird, passt gut. Dortmund ist eine vielfältige und internationale Stadt, das Café ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Aus einer Geschichte von politischer Verfolgung, Flucht und Exil wird so ein Gespräch über Gegenwart und Zukunft.
Die Ausstellung zeigt zugleich, was deutsch-tschechische Verständigung heute leisten kann: Aus einer schwierigen gemeinsamen Geschichte sind Partnerschaft, Begegnung und Freundschaft entstanden.
Die Ausstellung „GHT – Frühe Werke von Georg Hans Trapp“ ist bis 3. Oktober 2026 im Café Aufbruch, Hintere Schildstraße 18 in Dortmund-Hörde, zu sehen. Der Eintritt ist frei.