75 Jahre Seliger-Gemeinde

Veröffentlicht am 07.08.2026 in Allgemein

Festakt in Branneburg - Bärbel Kofler: Aus Interesse wird Verbundenheit

Einen der besonderen Momente des Festakts setzte die Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Bärbel Kofler.

Als Betreuungsabgeordnete für den Wahlkreis Rosenheim habe sie sich anlässlich des Jubiläums intensiv mit der Geschichte der Seliger-Gemeinde beschäftigt, berichtete sie. Dabei habe sie eigenes Wissen aufgefrischt, zugleich aber auch vieles neu entdeckt. Aus dieser Beschäftigung wurde mehr als politisches Interesse: Noch während der Veranstaltung erklärte Kofler spontan ihren Beitritt zur Seliger-Gemeinde.

Diese Entscheidung war weit mehr als eine freundliche Geste. Sie machte deutlich, dass die Geschichte der Seliger-Gemeinde auch heute Menschen berührt und politisch verbindet.

Kofler erinnerte an die vielen vertriebenen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Brannenburg, Rosenheim und ganz Oberbayern einen Neubeginn wagten. Sie hatten Heimat, Besitz und oft auch Angehörige verloren. Ihre politischen Überzeugungen aber hatten sie bewahrt.

Es seien besondere Menschen gewesen, die nach Verfolgung, Flucht und Vertreibung nicht in Verbitterung verharrten, sondern erneut Verantwortung übernahmen. Sie hätten die SPD in der Region mit aufgebaut, sich in Gewerkschaften, Gemeinden und Verbänden engagiert und damit auch die junge Demokratie der Bundesrepublik gestärkt.

Die Seliger-Gemeinde habe die politische Erfahrung der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei aufgenommen und in eine neue Zeit getragen: Vergangenheit in der DSAP – Zukunft in der Seliger-Gemeinde.

Mit Blick auf die Ausstellung hob Kofler die Bedeutung der persönlichen Lebensgeschichten hervor. Gerade in ihnen werde sichtbar, dass Demokratie kein abstraktes System sei. Sie lebe von Haltung, Menschlichkeit, Respekt und dem Mut einzelner Menschen, für ihre Überzeugungen einzustehen.

Dabei erinnerte sie sinngemäß an den Gedanken Tomáš Garrigue Masaryks, Demokratie sei die politische Form der Menschlichkeit. Dieser Anspruch sei heute so aktuell wie vor 100 Jahren.

Kofler schlug schließlich den Bogen von der internationalen Solidarität der DSAP und der Seliger-Gemeinde zu ihrer eigenen Arbeit im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Internationale Verantwortung, gegenseitiger Respekt und solidarisches Handeln seien keine historischen Ideale, sondern notwendige Grundlagen für eine friedliche Zukunft.

Ihre Botschaft war klar: Es braucht erneut Mut, Haltung und Engagement – nicht nur in Sonntagsreden, sondern im täglichen politischen Handeln.

 

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