Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis 2026

Veröffentlicht am 22.06.2026 in Allgemein

Wenzel-Jaksch-Preis für Christa Naaß, Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates, Dr. Bernd Posselt, Bundessprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, und die Initiative „Meeting Brno“. Von rechts vorne: Volkmar Halbleib, vertriebenenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Bernd Posselt, Helena Päßler, Bundesvorsitzende der Seliger-Gemeinde, Christa Naaß, David Macek und Petr Kalousek, Mitbegründer von „Meeting Brno“, sowie weitere Vertreter der Brünner Initiative (obere Reihe).

 

Wenzel-Jaksch-Preis für die Architekten der deutsch-tschechischen Annäherung

Im Geiste Wenzel Jakschs: Auszeichnungen für Verantwortung und Verständigung in Europa für Christa Naaß, Dr. Bernd Posselt sowie die Brünner Initiative „Meeting Brno“

Erinnerung bewahren, Verständigung fördern und Brücken in die Zukunft bauen: Unter diesem Leitgedanken stand der 18. Empfang der SPD-Landtagsfraktion für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler am Samstag im Bayerischen Landtag. Anlass war der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Persönlichkeiten und Initiativen, die sich in besonderer Weise für Versöhnung, Dialog und die europäische Verständigung einsetzen.

Nach der Begrüßung durch den vertriebenenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Volkmar Halbleib, richtete Dr. Peter Becher als Mitglied der Jury des Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises ein Grußwort an die Gäste. Der Höhepunkt des Nachmittags war die Verleihung des Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises durch die Seliger-Gemeinde.

Die Seliger-Gemeinde, die sich seit Jahrzehnten für die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen sowie für die Bewahrung des demokratischen Erbes der sudetendeutschen Sozialdemokratie einsetzt, zeichnete in diesem Jahr Christa Naaß, Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung und Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates, Dr. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, sowie die Brünner Initiative „Meeting Brno“ aus.

Wenzel Jaksch zum Gedenken

Dass die Auszeichnung den Namen Wenzel Jaksch trägt, ist dabei Programm. Der frühere Vorsitzende der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei gehörte zu den bedeutendsten demokratischen Stimmen der Sudetendeutschen. Nach Verfolgung und Exil blieb er ein entschiedener Verfechter eines Europas der Freiheit, des Rechts und der sozialen Gerechtigkeit. Die diesjährigen Preisträger verkörpern zentrale Anliegen seines politischen Vermächtnisses: Erinnerung ohne Ressentiments, Verständigung statt Konfrontation und die Überzeugung, dass Versöhnung nur auf der Grundlage historischer Wahrheit gelingen kann.

Die Preisträger

Christa Naaß erhielt den Preis in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die Wahrung des Vermächtnisses und die Vermittlung der Geschichte der sudetendeutschen Arbeiterbewegung. Zugleich würdigte die Seliger-Gemeinde ihr langjähriges Engagement für ein Europa, das auf Freiheit, Recht und sozialer Gerechtigkeit basiert. Über viele Jahre hinweg habe sie den Dialog zwischen den Vertriebenenorganisationen und ihren Partnern in Tschechien gefördert und damit einen wichtigen Beitrag zur Verständigung geleistet.

Dr. Bernd Posselt wurde für sein herausragendes jahrzehntelanges Engagement für Verständigung und Erinnerung aus historischer Verantwortung ausgezeichnet. Die Jury hob insbesondere seinen unermüdlichen Einsatz für die friedliche Neugestaltung Europas in Freiheit, Recht und sozialer Gerechtigkeit hervor. Als eine der prägenden Persönlichkeiten der sudetendeutschen Volksgruppe habe er wesentlich dazu beigetragen, den Dialog zwischen Deutschen und Tschechen voranzubringen und die europäische Idee der Versöhnung mit Leben zu erfüllen.

Besondere Aufmerksamkeit galt der Initiative „Meeting Brno“. Sie wurde für ihr herausragendes Engagement für Verständigung, Erinnerung und europäische Aussöhnung geehrt. Die Seliger-Gemeinde würdigte insbesondere die historische Einladung nach Brünn, die entscheidend dazu beitrug, dass der Sudetendeutsche Tag 2026 erstmals in Tschechien stattfinden konnte – in jener Stadt, die für viele Sudetendeutsche einst Heimat war.

Kontinuität im deutsch-tschechischen Dialog

Zur Preisverleihung reiste die Initiative mit einer zehnköpfigen Delegation aus Brünn nach München an. Die große Beteiligung unterstrich die enge Verbundenheit mit der Seliger-Gemeinde und die Bedeutung der deutsch-tschechischen Verständigungsarbeit. Unter den Gästen befanden sich Vertreterinnen und Vertreter der Initiative, die seit Jahren Begegnungsprojekte, Gedenkveranstaltungen und Dialogformate organisieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen leisten.

Die Auszeichnung verdeutlichte zugleich die Kontinuität dieses Dialogs: Bereits vor zehn Jahren war „Meeting Brno“ bei der Verleihung des Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises an den damaligen Brünner Oberbürgermeister Petr Vokřál im Münchner Maximilianeum vertreten. Dass die Initiative nun selbst zu den Preisträgern zählt, wurde von vielen Gästen als sichtbares Zeichen dafür gewertet, wie erfolgreich sich die Beziehungen zwischen Brünn, den Sudetendeutschen und ihren Partnern in Deutschland entwickelt haben. Was damals als wichtiger Schritt der Annäherung begann, mündete 2026 in einem historischen Ereignis: der erstmaligen Ausrichtung des Sudetendeutschen Tages in Brünn.

Die Laudatio auf die Preisträger hielt der frühere Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Libor Rouček. Er würdigte die Ausgezeichneten als Menschen und Institutionen, die gezeigt hätten, dass Versöhnung nur dort gelingen könne, wo Erinnerung, Dialog und gegenseitiger Respekt zusammenwirken.

Der Brückenbauerpreis der LandtagsSPD

Im Anschluss verlieh die SPD-Landtagsfraktion ihre Auszeichnung „Brückenbauer“. Geehrt wurden neben den Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreisträgern die Autorin, Journalistin und Moderatorin Caro Matzko, Nadja Atzberger, Landesvorsitzende der Karpatendeutschen Landsmannschaft Ruthenien im Bund der Vertriebenen in Bayern, sowie Stephanie Schmidmair, Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Donauschwaben – Landesverband Bayern.

Vom Erbe der Vertreibung zur Kultur der Verständigung

In seiner Ansprache unterstrich Volkmar Halbleib die Bedeutung des Engagements aller Geehrten. „Alle, die wir heute ehren, verbindet ein gemeinsamer Gedanke: Versöhnung wächst nicht aus dem Vergessen, sondern aus der Erinnerung“, sagte er. Frieden entstehe dort, wo Menschen bereit seien, einander zuzuhören, aufeinander zuzugehen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Auch Christian Knauer, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Bayern, betonte die Bedeutung eines offenen Umgangs mit der Geschichte. Wer aus der Vergangenheit für eine gute Zukunft lernen wolle, dürfe nichts ausblenden und nicht schweigen, erklärte er.

Der Empfang machte deutlich, dass die Erinnerung an Flucht und Vertreibung weit über das historische Gedenken hinausreicht. Sie bleibt Auftrag und Verpflichtung zugleich, sich für Verständigung, Demokratie und ein friedliches Europa einzusetzen. Die Seliger-Gemeinde setzte mit der Verleihung des Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreises dabei einen besonderen Akzent und würdigte Menschen und Initiativen, die durch beharrlichen Dialog und grenzüberschreitende Zusammenarbeit dazu beitragen, historische Belastungen zu überwinden und neue Wege der Verständigung zu eröffnen.

Beim anschließenden Empfang nutzten zahlreiche Gäste aus Politik, Verbänden und Vertriebenenorganisationen die Gelegenheit zum Austausch. Muikalisch begleitet wurde der Festakt von den ukrainischen Misikerinnen Natalija Raithel, Natascha Lipkina und Natalia Stefanski.

 

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