Hieronymus Schlossnikel (1868–1942)
Hieronymus Schlossnikel wurde am 21. Oktober 1868 in Neutitschein (Mähren) geboren. Er war der Sohn des Webers und Tuchhändlers Hieronymus Schlossnikel. Nach dem Besuch der örtlichen Dorfschule absolvierte er eine Ausbildung zum Hutmacher. Anschließend trat er in die Armee ein und diente im 100. Infanterieregiment in der Herzegowina. Seine weitere Bildung erwarb er autodidaktisch.
Früh engagierte er sich gewerkschaftlich sowie politisch in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Ab 1899 war er Mitglied der Landesparteivertretung Mähren, ab 1904 gehörte er der Kontrollkommission an. Im Jahr 1900 wurde er – als Nachfolger von Ferdinand Hanusch – Gewerkschaftssekretär der Tabakarbeitergewerkschaft, deren Vorsitz er ebenfalls innehatte, sowie der Eisenbahnergewerkschaft in Sternberg.
Schlossnikel setzte sich erfolgreich dafür ein, dass 1905 in Sternberg ein Gewerbegericht eingerichtet wurde. Seit 1900 war er zudem Kreisvertrauensmann im Wahlkreis Olmütz. Bei der Reichsratswahl 1907 wurde er für die SDAP im Wahlbezirk Landgemeinden Olmütz in das Abgeordnetenhaus des Österreichischen Reichsrats gewählt. Mit dem Ende der Wahlperiode 1911 schied er aus dem Parlament aus.
Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns wurde Schlossnikel 1918 Mitglied des Parlaments des Sudetenlandes, das den Anschluss an Deutsch-Österreich im Sinne des Selbstbestimmungsrechts der Völker anstrebte, jedoch von der tschechoslowakischen Regierung gewaltsam aufgelöst wurde.
Die Lage in Sternberg eskalierte am 4. März 1919 während einer Protestkundgebung auf dem Hauptplatz. Bei dieser Versammlung sprach Schlossnikel, damals Sozialdemokrat und stellvertretender Bürgermeister, über die Unterdrückung durch die tschechischen Behörden. In der Folge kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Bei Schusswechseln wurde zunächst ein tschechischer Soldat getötet; insgesamt kamen auch fünfzehn Personen deutscher Nationalität ums Leben, darunter Arbeiter und Handwerker verschiedener Berufe.
Bei der Beerdigung hielt Schlossnikel eine eindringliche Rede. Darin verteidigte er zwar die Beweggründe der Proteste, betonte jedoch zugleich, dass das Blutvergießen nicht notwendig gewesen sei.
1919 wurde er Mitglied des Parteivorstands der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), dem er bis 1930 angehörte. Ebenfalls 1918 wurde er in den Stadtrat gewählt und 1919 zum Bürgermeister von Sternberg. Dieses Amt bekleidete er bis 1923; sein Nachfolger wurde Johann Langer. 1926 beteiligte er sich an der Gründung eines Komitees zur Gestaltung eines Stadtparks.
Bei den Parlamentswahlen 1929 kandidierte Schlossnikel als Ersatzkandidat für den tschechoslowakischen Senat. Im März 1935 rückte er für den verstorbenen DSAP-Senator Hans Jokl nach und gehörte dem Senat bis 1938 an.
Nach den Februarkämpfen in Österreich 1934 unterstützte er geflüchtete Sozialdemokraten und Schutzbundmitglieder in der Tschechoslowakei.
Neben seiner politischen Tätigkeit war Schlossnikel auch publizistisch aktiv. Seit 1904 veröffentlichte er Beiträge in verschiedenen sozialdemokratischen Zeitungen, darunter im Volksfreund (Brünn), in der Nordmährischen Volkstribüne – deren Herausgeber er von 1912 bis 1921 war – sowie in der Volkswacht.
Nach der Besetzung des Sudetenlandes durch das Deutsche Reich im Jahr 1938 zog er sich aus der Politik zurück. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Hieronymus Schlossnikel in Sternberg (Mähren), wo er am 29. Januar 1942 im Alter von 73 Jahren verstarb.