Die Bundesvorsitzenden der Seliger-Gemeinde Museumsleiter Roland Weis weitere Erläuterungen durch unseren Helena Päßler (li.) und Christa Naaß (re.) bei der führt durch die Ausstelung Historiker Thomas Oellermann Begrüßung
LOHHÄUSER interessiert …
… auch die Seliger-Gemeinde
Vortrag – Museumsbesuch – Themen-Spaziergang
Im Rahmen des Frühjahrsseminars 2026 im oberfränkischen Bad Alexandersbad stellte Harald Scholz aus Regensburg am Freitagabend das verschwundene Walddorf Lohhäuser (heute Slatina) in einem kurzweiligen Vortrag vor. Unterstützt durch eine PowerPoint-Präsentation wurde dabei nicht nur die historische Entwicklung des Ortes nachgezeichnet, sondern auch ein lebendiges Bild des früheren Alltags vermittelt.
Lohhäuser lag im böhmischen Grenzgebiet unweit von Mähring und gehörte historisch zum Egerland, einer Region mit überwiegend deutschsprachiger Bevölkerung. Die Ursprünge des Dorfes reichen vermutlich bis in die Zeit der mittelalterlichen Rodungs- und Siedlungsphasen zurück, als entlang der Grenze neue Ortschaften entstanden. Über Jahrhunderte hinweg entwickelte sich Lohhäuser zu einer kleinen, landwirtschaftlich geprägten Gemeinde mit nur wenigen Dutzend Anwesen. Neben Ackerbau und Viehzucht spielten vor allem die Waldarbeit und kleinere Handwerksbetriebe eine wichtige Rolle für den Lebensunterhalt der Bewohner.
Wie Harald Scholz darstellte, war das Leben im Dorf eng mit der Grenzlage verbunden: Wirtschaftliche Kontakte bestanden in beide Richtungen, zugleich prägten Zollbestimmungen und staatliche Vorschriften den Alltag. Diese besonderen Rahmenbedingungen spiegeln sich auch in den überlieferten Geschichten wider. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung verlor Lohhäuser seine Einwohnerschaft. In den Jahren danach verfiel der Ort zusehends und wurde schließlich aufgegeben; heute sind in der Landschaft nur noch Spuren der ehemaligen Siedlung erkennbar.
Besonderes Interesse fanden neben diesen geschichtlichen Hintergründen vor allem die zahlreichen Anekdoten über ehemalige Bewohner und ungewöhnliche Begebenheiten, die Harald Scholz gekonnt vortrug. Geschichten wie der Zigarrenschmuggel des Pfarrers Hofmeister, die einst notwendige Mitführung eines Viehpasses beim Grenzübertritt oder der waghalsige Flugversuch des „Weber Franz“ verliehen dem Vortrag eine anschauliche und zugleich unterhaltsame Note. Nach Einschätzung der Zuhörer trugen gerade diese persönlichen und skurrilen Episoden wesentlich zur Kurzweiligkeit der Präsentation bei.
Gelebtes Museum Mähring
Am darauffolgenden Tag besuchte eine rund 60-köpfigen Reisegruppe der Seliger-Gemeinde das Gelebte Museum in Mähring. Museumsleiter Roland Weis führte sachkundig durch die Ausstellung und vermittelte dabei eindrucksvoll die regionalen Zusammenhänge von Geschichte, Vertreibung und Erinnerungskultur – Themen, die auch eng mit dem Schicksal Lohhäusers verbunden sind.
Im Anschluss bot sich im Gemeinschaftsraum bei Kaffee und Gesprächen die Gelegenheit, eine Videopräsentation über Lohhäuser zu sehen und die Eindrücke weiter zu vertiefen. Dabei wurde deutlich, wie stark die Verbindung vieler Teilnehmer zu den verlorenen Heimatorten bis heute ist.
Spaziergang durch das ehemalige Lohhäuser
Vor der Weiterreise nach Karlsbad unternahm die Gruppe schließlich noch einen Abstecher zum ehemaligen Standort des Dorfes Lohhäuser auf tschechischer Seite. Was am Vortag im Vortrag und anschließend im Museum vermittelt worden war, konnte nun vor Ort bei einem Themenspaziergang nachvollzogen werden. Der sonnige Frühlingstag und die eindrucksvolle, von Wäldern und Wiesen geprägte Landschaft erleichterten es den Besuchern, sich in die Geschichte des verschwundenen Ortes hineinzuversetzen und eine Vorstellung vom früheren Leben zu entwickeln.
Nach ergänzenden Erläuterungen am Denkmal und einer Gedenkminute für die Gefallenen und Verstorbenen verabschiedete sich die Reisegruppe mit herzlichen Dankesworten. Der besondere Dank galt den Organisatoren der Exkursion seitens der Interessengemeinschaft Lohhäuser sowie des Gelebten Museums, die mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zur lebendigen Erinnerungskultur leisten und dafür sorgen, dass Orte wie Lohhäuser nicht in Vergessenheit geraten.