Karl Kern (1902-1982)
Politiker, Journalist und Schriftsteller
Karl Richard Kern wurde am 9. Juli 1902 in Graupen im böhmischen Erzgebirge geboren. Sein Vater (1865-1910) war Bergmann und Eisenbahnarbeiter. Seine Mutter war Strickarbeiterin in Graupen und in Teplitz-Schönau, später angestellt in der Spitalsküche der Pulverfabrik Blumau bei Wiener Neustadt. Karl Kern wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, und überlebte nach dem Tod des Vaters vor allem durch die Hilfe der evangelischen Gemeinde und des mildtätigen evangelischen Bergwerksdirektors. Kern besuchte zunächst die Volks- und Bürgerschule, dann eine Militär-Maschinenschule in Budapest, wurde aber 1919 ebenfalls Bergmann auf „Britannia V“ in Graupen. 1919 trat Kern der DSAP bei. In Graupen wurde 1920 der Sozialdemokrat und ehemalige Musiklehrer Franz Uhlik Bürgermeister. Den Arbeiterbildungs-Ausschuss leitete der Bergmann Anton Leimer, Karl Schneider war Bücherwart der Arbeiterbücherei.
Auf Betreiben von Josef Hofbauer und Karl Cermak wurde Karl Kern 1921 als Beamter der Bezirkskrankenkasse übernommen um sich mehr der Parteiarbeit widmen zu können. Im Oktober 1924 wurde Kern Zentralsekretär des Jugendverbandes in Teplitz-Schönau und somit die rechte Hand von Verbandsvorsitzendem Ernst Paul, der in die Parteizentrale nach Prag übersiedelte.
Zwischen 1929 und 1938 war Karl Kern Journalist und Redakteur sozialdemokratischer Zeitungen in Prag, Reichenberg und Troppau. Als Mitbegründer der Sozialistischen Jugendinternationale war er im In- und Ausland gut vernetzt. Er wurde Mitglied des Parteivorstandes der DSAP.
Karl Kern war einer der ersten, die ins Exil nach Schweden gingen. Die wenigen, zeitlich begrenzten Einreisebewilligungen mussten genutzt werden – wer einen gültigen Pass hatte, musste mit. Die ersten 16 - mehr hatten in einer Junkers Ju 52 (Spitzname: „Tante Ju“) nicht Platz - flogen am 4. November 1938 vom Flugplatz Ruzyně ab. Unter ihnen zwei Österreicher, Karl Kern mit Familie und Gisela Paul. Mit Ziel Brüssel, dann weiter nach Antwerpen. Mit dem Frachtschiff „Burgundia“ ging es am 11. November nach Göteborg, wo sie am 14. November anlandeten. Nach einem Verhör ging es weiter nach Malmö. Weiter in der Gruppe waren Josef Hofbauer, Franz Krümmel, Rudolf Geißler, Florian Weikert, Franz Seidel, Georg Mlnarik, Karl Iser, Fritz Hopf, (später kam dazu Hofbauers Sohn Fritz und Ernst Paul. Dieser war am 15.3.1939, als Hitler in die Rest-Tschechei einmarschierte zufällig nicht in Prag, sondern auf dem Rückweg von Oslo in Malmö). Die letzten die in Schweden ankamen waren Siegfried Taub und Wenzel Jaksch, denen beiden nur mit Hilfe der Britischen Botschaft die Flucht gelang.
Am 31.12.1938 verzeichnete das zentrale Flüchtlingskomitee 115 sudetendeutsche Unterstützungsempfänger.
In Schweden arbeitete Karl Kern von 1940-1947 als Metallarbeiter. Nach Kriegsende organisierte Kern mit anderen die Aufnahme vertriebener Sudetendeutscher Sozialdemokraten (250), u.a. seine Schwestern, Georg Hans Trapp, Karl Schneider…
Von 1947-1967 arbeitete Kern als Beamter beim Arbeitsamtes AMS und der Bezirksarbeitsverwaltung in Malmö. U.a. bei der Anwerbung von Industriearbeitern (aus Ungarn, Italien und Sudetendeutsche aus Österreich (einige Tausend Staatenlose) – Er gehörte 1947 als Mitarbeiter des schwedischen Arbeitsamtes zum Personal der zwei Anwerbestellen in Wien und Linz. Später war er für die Eingliederung der angeworbenen Arbeitskräfte in Schweden zuständig. Er wurde Leiter der Einwanderungsabteilung. Parallel dazu arbeitete Kern als Journalist. Dies führte dazu, dass er schwedische Gedichte schrieb und ins Deutsche übersetzte.
1948-73 war Karl Kern Vorsitzender der Treuegemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten und trat für die Erweiterung der Treuegemeinschaft auf alle Sudetendeutschen in Schweden ein – Ergebnis Ende 1948: 2000 Einzelmitglieder. Karl Kern schrieb als Schweden-Korrespondent für den SPD-Pressedienst. Kern war einer der engsten Weggefährten von Wenzel Jaksch.
Ab den 1960ern kam es zum Bruch mit Ernst Paul, der sich die Einmischung von außen zur Politik der SPD (Ostpolitik) und der Position der Seliger-Gemeinde verbat und es zur Gründung des Wenzel-Jaksch-Kreises (Willy Wanka, (Voz.) Kanada, Harry Hochfelder (u. Oskar Wohlrab), London, Karl Kern Schweden, Hans Nitsch, Wien, Kurt Werner, Wiesbaden, Toni Nitsch, Garching) kam.
Karl Kern starb am 6. September 1982 in Malmö/Schweden.
Karl Kern veröffentlichte eigene Lyrik und gab die Wenzel-Jaksch-Bücher „Sucher und Künder“ und „Patriot und Europäer“ heraus. Als Literaturübersetzer wurde er einem größeren Publikum erst 1977 bekannt, als im Limes Verlag sein Band mit Übersetzungen der Gedichte Edith Södergrans (Feindliche Sterne) erschien. Neben der Seliger-Plakette erhielt Karl Kern die Lodgmann-Plakette und 1971 wurde Kern mit dem Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet und bekam das Bundesverdienstkreuz.
Eigene Werke Karl Kerns:
Der Weltschmerz in der Lyrik von Leopardi, Vigny und Leconte de Lisle - Frankfurt am Main, 1962 - 230 S. Diss. Würzburg
Liebe, Leben, Welt: Gedichte - München: Die Brücke, 1967 - 71 S.
Halbheiten und Widersprüche: die Sozialdemokraten in der Esten ČSR und Josef Seliger - München: Ackerman-Gemeinde, 1971 - S. 743-754.
Heimat und Exil - von Böhmen nach Schweden: Erinnerungen und Bekenntnisse eines sudetendeutschen Sozialdemokraten - Nürnberg
Kette der Gesinnung – 3 Reden über große Sudetendeutsche 1969
Verraten von Ost und West - mit Wurzeln in Böhmen - von Prag nach Malmö - eine Flüchtlingsgeschichte - Viken: Hermitpress, 1987 - ISBN 91-7286-053-7.
Menschen im Exil, Geschichte der sudetendeutschen Emigration 1974