Josef Hellmich (1897 - 1972)
Josef Hellmich, geboren am 20. Juni 1897 in Teplitz, nahm bereits als Kind an der Arbeiterbewegung Anteil, da sein Vater in der vordersten Linie an Josef Seligers Seite stand. Als junger Mann gehörte er zu den Gründern des Arbeitersportvereins „Gleichheit Weißkirchlitz“.
Eine bedeutsame Arbeit vollführte Hellmich 1918 als illegaler Kurier der deutschböhmischen Landesregierung. Im Auftrag von Karl Cermak ging er durch zwei Monate jeden zweiten Tag über das Erzgebirge und übermittelte Briefe an Seliger und Lodgman, die sich nach der Behinderung in der Erfüllung ihrer Aufgaben in Dresden befanden.
Am 29. Oktober 1918 wurde die „Provinz Deutschböhmen“ mit Sitz in Reichenberg (Liberec) auf der Grundlage der 14-Punkte-Erklärung des US-Präsidenten Wilson in einer Versammlung aus Böhmen stammender deutschsprachiger Reichsratsmitglieder in Wien konstituiert. Die Provinz unter Führung des deutschnationalen Landeshauptmanns Dr. Rudolf Ritter Lodgman von Auen (1877-1962) und seines sozialdemokratischen Stellvertreters Josef Seliger (1870-1920) sollte „untrennbaren Bestandteil“ der Republik Deutschösterreich werden. Als tschechische Armeeeinheiten Ende November 1918 mit der Besetzung der deutschen Gebiete begannen, floh die Landesregierung über Dresden nach Wien. Der im Rahmen des deutschbürgerlichen Spektrums „parteilose“ Landeshauptmann Rudolf Lodgman von Auen blieb fortan in Wien, der sozialdemokratische Stellvertretende Landeshauptmann Josef Seliger pendelte zwischen Wien, Teplitz und Dresden.
Ende Februar 1919 wurde Hellmich von der tschechischen Militärpolizei verhaftet und zuerst in Aussig, dann in Theresienstadt und schließlich in Prag mehr als sechs Monate peinlich verhört. Hellmich gelang es, einen Bericht über seine Aussagen aus dem Prager Gefängnis herauszuschmuggeln.
1920-1938 war Hellmich DSAP-Sekretär und Schatzmeister in Prag war und 1939 nach Schweden emigrierte, wo er von 1939-1947 Verwalter des sozdemokratischen Pressekonzerns in Malmö, Schweden wurde.
Nach 1946 kam Hellmich nach Hannover und arbeitete zeitweise als Verwalter beim sozialdemokratischen "Telegraf" in Berlin.
Josef Hellmich starb 1972 in Hannover.