Bedeutende Persönlichkeiten

Veröffentlicht am 02.04.2026 in Allgemein

Johann Frömel (1935-2019)

Widerstandskämpfer in der DDR

Johann „Hans“ Frömel wurde am 25. Februar 1935 im tschechischen Teplice geboren. Sein Vater war als Arbeiter DSAP-Mitglied. Mit seinen Eltern musste er als Zehnjähriger seine Heimat in die sowjetisch besetzte Zone verlassen. Als Arbeiterkind hatte er keine Schwierigkeiten dort zum Studium zugelassen zu werden.

 

Johann Frömel ist neben Thomas Ammer und Reinhard Spalke einer der Initiatoren des „Eisenberger Widerstandskreises“ (1953), einer der größten Widerstandsgruppen in der DDR-Geschichte. Das war eine Gruppe von über 20 bis 30 jungen Männern, Oberschülern und Lehrlingen, die sich nach der Niederschlagung des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 strikt konspirativ gebildet hatte, um Widerstand gegen die kommunistische Diktatur zu leisten. Ihr ausdrücklicher Antrieb war: Nie wieder! Ihr Vorbild waren die „Weiße Rose“ um die Geschwister Scholl. Der „Eisenberger Kreis“, ein Name, den die Staatssicherheit der Gruppe später gab, protestierte mit selbstgefertigten Flugblättern, mit Wandparolen, mit dem Herunterreißen von Propagandatafeln gegen die SED-Diktatur. Zu den politischen Forderungen zählten u.a. freie Wahlen, Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen, Freilassung politischer Gefangener, Pressefreiheit, Zulassung von Oppositionsparteien, Beendigung politischer Prozesse, Abschaffung der Stasi. Auch gegen die Militarisierung protestierte die Gruppe. So ist im Januar 1956 auf einen GST-Schießstand ein Brandanschlag verübt worden. Ein Fahrgastschiff, das 1956 auf den Namen „Stalin“ getauft herumfuhr, ist in einer nächtlichen Aktion in „Bayern“ umbenannt worden. Nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution durch sowjetische Truppen im Herbst 1956, versuchte sich die Gruppe zu radikalisieren, zugleich ist die konspirative Vorsicht nochmals erhöht worden. Schließlich flog durch Verrat die Widerstandsgruppe auf.

Hans Frömel wurde am 13. Februar 1958 verhaftet und aus der NDPD ausgeschlossen. Es folgten harte Wochen von Isolationshaft und Verhören; nicht immer gelang es, alle vorsorglich eingeübten Strategien einzuhalten. Aber sie blieben standhaft und mutig. Den Köpfen der Gruppe drohte die Todesstrafe. Damit spielte der Staat in seinen Erpressungsstrategien. Die jungen Männer hatten Glück, sie erhielten „nur“ Zuchthausstrafen. Hans Frömel wurde als „Anführer“ zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach sechs Jahren Haft, die längste Zeit davon in Brandenburg-Görden, wurde Hans 1964 von Herbert Wehner „gegen Bananen“ – wie er zu sagen pflegte – freigekauft und konnte in die Bundesrepublik ausreisen. Hans Frömel war er fast Dreißig.

Hans Frömel lebte anschließend in Nürnberg und arbeitet 27 Jahre lang in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Er hatte in Berlin beim „Bibliothekspapst“ Joris Vorstius studiert und konnte nach einem kompletten Neustudium im Westen nahezu zeitgleich mit den tschechischen Emigranten in der Bibliothek der FES ein neues Leben starten. Wohl in keiner anderen deutschen Einrichtung gab es diese spezielle Konstellation im „höheren Dienst“. Frömel stand im innerbibliothekarischen Diskurs als steter Mahner des an den Sudetendeutschen begangenen Unrechts. Für ihren „Einsatz für die Freiheit“ wurden die Mitglieder des „Eisenberger Kreises“ nach der deutschen Wende 1989 von ihrer Stadt geehrt. Frömel erhielt die Bürgermeister-Claus-Medaille der Stadt Eisenberg. Auch wurde er vom SPD-Ortsverein Eisenberg zum Ehrenmitglied ernannt.

Von den traumatischen Erlebnissen in der Haft hatte sich Hans nie erholt. Er war danach ein kranker Mann, rauchte und trank viel und lebte von der sozialdemokratischen Solidarität der Stiftungsspitze. Mirka Och kümmerte sich rührend um ihn und hat ihn aus ziemlich schwierigen Situationen ab und an regelrecht herausgeboxt. Jeder/Jede in der Bibliothek kannte die Geschichte eines unseriösen Vertrages, den er mit einer Heiratsvermittlungsagentur abgeschlossen hatte, und der ihn in ökonomische Schwierigkeiten brachte, erinnerte sich sein Kollege Rüdiger Zimmermann beim Herbstseminar der Seliger-Gemeinde 2025.

Im relativ hohen Alter hat Hans dann sein "Glück" gefunden. Er heiratete und zog ins Fränkische. Hans hat als Rentner dann noch einen Artikel zur Flüchtlingspolitik der SPD verfasst.

Johann Frömel verstarb am 9. Juni 2019 in Nürnberg.

Mit einer Schweigeminute gedachte der Eisenberger Stadtrat dem Träger der Eisenberger Bürgermeister-Claus-Medaille. Im Netz finden sich eine Reihe von Informationen über ihn als Widerstandskämpfer.

 

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