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Franz Katz (1887-1955)
Franz Katz wurde am 25. September 1887 in Janessen als Sohn armer Leute geboren. In seiner Familie gab es noch mehrere Geschwister, und so kam es, dass der junge Franz schon mit 14 Jahren in der Porzellanindustrie zu arbeiten begann, um das Auskommen seiner Familie zu gewährleisten. Sehr bald stieß er zu der sich langsam entwickelnden Arbeiterbewegung. Er wirkte im Bildungsverein für jugendliche Arbeiter und kam schon zur Gründung zum Verband der Arbeiterjugend Österreichs, und im Jahr 1908 nahm er als Delegierter am Verbandstag dieser Organisation teil. Seit dieser Zeit gehörte sein ganzes Wirken der Arbeiterbewegung. Er wuchs hinein in die verschiedenen Funktionen dieser Organisation und widmete sich dieser Aufgabe mit einem Feuereifer. Katz arbeitete später als Bergarbeiter und da es zu dieser Zeit noch schwer war, als Sozialist offen tätig zu sein und seinen Arbeitsplatz zu behalten, fand er seinen Erwerb in der Konsumgenossenschaft, wie viele andere.
Nach dem Ersten Weltkrieg, als Franz Katz aus dem Militärdienst entlassen wurde, warteten auf ihn noch größere Aufgaben. Mit seiner ganzen Lebenskraft widmete er sich dem Wiederaufbau der Arbeiterorganisationen, und gemeinsam mit seinen Freunden in Westböhmen konnte er viele Menschen durch praktische Arbeit von den Werten der sozialistischen Idee überzeugen. Die Verbesserung der Arbeits- und Lohnverhältnisse verfehlte ihre Wirkung nicht. Durch diese Arbeit gelang es, auch der auftretenden Spaltung der Partei entgegenzuwirken.
Der Bergarbeiterführer Adolf Pohl entdeckte sehr bald den Jungsozialisten Franz Katz, der es ausgezeichnet verstand, die arbeitenden Menschen anzusprechen, und betraute ihn mit der Leitung der Parteiarbeit, er wurde 1920 Gewerkschaftssekretär im Bezirk Falkenau. Er wurde die rechte Hand von Adolf Pohl, der alle wichtigen Dinge mit ihm beriet und ihm bedingungslos vertraute. Neben Eugen de Witte war Franz Katz eine der bedeutendsten Gestalten der westböhmischen Arbeiterbewegung. Er war tätig in der Genossenschaft, baute Bergarbeitersiedlungen und Arbeitererholungsheime. Das prächtige Bergarbeiterheim in Falkenau war nicht zuletzt ein Ausdruck dieser Arbeit, und es steht heute noch als unauslöschliches Symbol.
Katz wurde Mitglied des Gemeinderats und Obmann der Bezirks-Krankenkasse in Falkenau und war von 1926 bis 1938 Abgeordneter im Tschechischen Abgeordnetenhaus. Dort wirkte er insbesondere auf sozialpolitischem Gebiet und geißelte in vielen Debattenreden die Mißstände, die durch die Tschechisierungsmethoden im rein deutschen Egerland geschaffen worden waren.
Nach der Zerschlagung der deutschen Arbeiterbewegung durch die Nationalsozialisten kam für die sudetendeutsche Sozialdemokratie eine harte Zeit. Als letzte freie deutsche sozialistische Partei führte sie ein hartes Ringen gegen die Bestrebungen des Nationalsozialismus. Mit in der vordersten Front stand Franz Katz. Beim Anschluss des Sudetenlandes an das nationalsozialistische Dritte Reich 1938 verlor er wie alle Abgeordneten aus den Sudeten den Abgeordnetensitz in Prag.
Sein Sohn, Fritz Katz aus Fischern bei Karlsbad, nahm sich beim Einmarsch der deutschen Truppen zusammen mit seiner Frau Herma und seinem Sohn das Leben, um der Diktatur zu entgehen. Franz Katz floh im mit Eugen de Witte vor der nationalsozialistischen Verfolgung Großbritannien. Er lebte zuerst in Südengland, dann in London.
Auch dort gab es für ihn kein Ruhen und Rasten, sondern sofort stand er wieder mitten in der Arbeit. Da er schon im Sudetenland dem Parteivorstand angehört hatte, wirkte er auch in der Emigration gemeinsam mit Männern wie Wenzel Jaksch, Richard Reitzner und dem verstorbenen Eugen de Witte und Dr. Robert Wiener, um in der internationalen Politik die Auffassungen der sudetendeutschen Sozialisten zur Geltung zu bringen.
Im Exil gehörte er zu den führenden Köpfen der sudetendeutschen sozialdemokratischen Emigration. Er leitete ab 1939 die „Treugemeinschaft der Exilgruppe der sudetendeutschen Sozialdemokraten“ (TG), der auch Wenzel Jaksch angehörte. Mit gleicher Schärfe wie er den NS bekämpfte, wendete er sich später gegen die Austreibungspolitik der tschechischen Exilregierung, vertrat das Selbstbestimmungsrecht der sudetendeutschen Bevölkerung und forderte eine Volksabstimmung.
Franz Katz starb am 2. August 1955 in London.
Am Samstag, den 6. August 1955 fand in London im Krematorium Golders Green die Einäscherung statt. Einfach, wie er sein ganzes Leben lang gewesen ist, wünschte er auch in der schlichtesten Kapelle des Krematoriums aufgebahrt zu werden. Unter den Kränzen, die den Sarg bedeckten, waren auch ein Kranz des Bundesvorstandes der Seliger-Gemeinde aus Deutschland und ein letzter Gruß vom Präsidium des Sudetendeutschen Rates.
Volkmar Gabert schilderte Franz Katz als einen großen Sohn der sudetendeutschen Arbeiterbewegung. Der Vorsitzende der Vereinigung deutscher Sozialdemokraten in Großbritannien, Segal sprach, Ebenso General Prchala, der im Namen des tschechoslowakischen Nationalausschusses einen Strauß roter Nelken niederlegte. Er hob hervor, dass auch die Tschechen einen wahren Freund verloren haben, für den es niemals enge nationale Grenzen für sein Wirken gegeben habe. Für die TG in England sprach Otto Rambauske.
Zum Jahresende 1956 wurde als Nachfolger von Franz Katz Emil Wunderlich in der Geschäftsstelle 204, Kensington Park Road, London, W. 11 bestimmt. Wunderlich hatte bis 1938 in Graslitz als Parteisekretär gewirkt.