Besondere Persönlichkeiten

Veröffentlicht am 17.01.2026 in Allgemein

Adolf Wondrejz (1881-1947)

Markante Persönlichkeit aus ärmlichem Hause - nicht zu vergessen: seine Tochter Emma

Adolf Wondrejz wurde am 12. März 1881 in Woleschnitz/ Zlatá Olešnice als 7. von neun Kindern eines armen Kleinbauern im Adlergebirge geboren. Die dürftige Scholle konnte die zahlreiche Familie nicht ernähren und die Kinder verließen das väterliche Haus, sobald sich das Schultor hinter ihnen schloss.

Adolf kam nach Haida, wurde Glasmaler, war bald Vertrauensmann seiner Gewerkschaft und daneben politisch tätig. 1911 wurde der Adlergebirgsjunge Verwalter des sozialdemokratischen „Nordböhmischen Volksboten“ in Bodenbach/Podmokly, wirkte vorübergehend als Redakteur dieser Zeitung, war daneben Lokal-, später Kreisvertrauensmann der sozialdemokratischen Partei.

Der Junge aus dem Adlergebirge war aufgeschlossen für alles Schöne, das über den grauen Alltag hinausführte. Konnte er nicht „richtiger“ Musiker werden, so konnte er doch singen. Und er fand, dass das Singen in der Gemeinschaft nicht nur Vergnügen bereitet, sondern auch helfen konnte, die Gemeinschaft zu stärken und bei den Armen des Volkes die Sehnsucht nach Höherem zu wecken. Wondrejz schloss sich dem Arbeiter-Sängerbund an und wurde zu seiner höchsten Funktion als Obmann des Deutschen Arbeitersängerbundes in der Tschechoslowakei berufen. Dass er 1933 Präsident der International der Arbeitersänger (Idas) mit dem Sitz in Zürich wurde, bedeutete die selbstverständliche Anerkennung einer Leistung, die selbstloser Hingabe entsprang. Darüber hinaus war sie eine internationale Ehrung der der sudetendeutschen Arbeiterbewegung überhaupt.

Die Laufbahn des einfachen Arbeiterjungen zeigt uns den unvergleichlichen Aufstieg, den die Arbeiterklasse unter der Führung der Sozialdemokratie in wenigen Jahrzehnten genommen hatte. Nicht nur, dass sich der Arbeiter aus sozialer Anonymität, aus Not und Verachtung befreite, sondern auch geistig und kulturell emporstieg und rüstig einer besseren Zukunft entgegenschritt, aus der ihm die Erfüllung seiner sozialistischen Ideale einer befreiten Menschheit entgegenleuchteten.

Im 2. Weltkrieg leitete Adolf Wondrejz eine Widerstandgruppe in Bodenbach.

„1938 habe ich geglaubt, dass all mein Schaffen vergebens gewesen sei. 1945 begann ich zu hoffen – aber auch dieses Hoffen war vergebens“, so Wondrejz zu seinem Sohn, der aus der Kriegsgefangenschaft „nach Hause“ gekommen war, worauf die ganze Familie, einschließlich der aus dem KZ Ravensbrück entlassenen Tochter Emma*, von der „demokratischen“ Regierung Benesch in die Sowjetzone vertrieben wurde.

Am 17. Juni 1947 im Alter von 66 Jahren in Torgau an der Elbe (Ostzone) verstorben.

 

 

*Ema Jebautzká-Görlichová wurde 1905 in Johannesdorf/Janov bei Böhmisch Leipa/Česká Lípa als Emma Wondrejz geboren. Nach Beendigung der deutschen Bürgerschule besuchte sie eine private Handelsschule. Emma heiratete Heinrich Görlich und brachte 1931 die gemeinsame Tochter Anežka zur Welt. Ihr Mann allerdings sympathisierte mit dem Nationalsozialismus, woran die Familie zerbrach. Emma ging daraufhin mit der Tochter nach Prag, wo sie eine Anstellung im Büro des damaligen Abgeordneten der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), Siegfried Taub (1876–1946), fand. Nach der Besetzung der »Rest-Tschechei« im März 1939 arbeitete sie im Untergrund bei der britischen und norwegischen Hilfskommission für tschechoslowakische Flüchtlinge. Im April 1939 wurde sie von der Gestapo festgenommen und nach sieben Monaten Haft im Prager Gefängnis Pankrác sowie in Dresden nach Ravensbrück überführt, wo sie bis Kriegsende blieb. 1940 wurde ihrem ehemaligen Mann das Sorgerecht für die Tochter übertragen.

Nach der Befreiung kehrte Ema Görlichová in die Tschechoslowakei zurück, wo sie und ihre Tochter weiterhin lebten. Sie arbeitete bei der Firma Skloexport in Nový Bor. Aufgrund ihrer deutschen Nationalität wurde ihr zunächst die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft entzogen, die sie jedoch 1947 als Antifaschistin zurückerhielt. Die Anerkennung als Teilnehmerin am nationalen Befreiungskampf beantragte sie erst 1960.

Im Rentenalter zog sie zu ihrem Bruder in die DDR, später zu ihrer Tochter in die BRD. Sie starb 1988 in Böblingen.

 

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