Rudolf Fischer (1889-1949)
Rudolf Fischer wurde am 29.8.1889 als Sohn eines Häuslers in Pommerndorf im Riesengebirge geboren und hatte mehrere Geschwister. Von 1896 bis 1901 besuchte er die Volksschule in seinem Heimatort und danach bis 1904 die Bürgerschule in Hohenelbe. Seine nächste Station war (bis 1908) die Lehrerausbildungsanstalt Trautenau mit dem Ziel, als Volksschullehrer tätig zu sein. Die hier erlangte Matura, bildete die Grundlage dazu.
Mit der Lehrtätigkeit begann er in Lauterwasser.es folgten Spindlermühle, Franzental, Niederrochlitz und Oberpraußnitz. Im November 1910 legte er die Lehrbefähigungsprüfung ab. Die Ernennung zum definitiven Lehrer von Mittellangenau erfolgte im März 1911 und die zum definitiven Schulleiter in Rennerbauden im August 1912.
Während des 1. WK war er eingezogen. Nach dem Krieg versah er seinen Dienst als definitiver Oberlehrer in Wüstrei (Bz. Braunau).
Nach dem Krieg schuf sich die DSAP in Rosental eine Lokalgruppe, vorher gab es bereits eine Ortsgruppe der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Es gab eine Abgabestelle des Arbeiter-Konsumvereins in Braunau. Kleinbauern und Häusler schlossen sich in einer Ortsgruppe zusammen.
Am 1. 9.1921 kam Rudolf Fischer als Oberlehrer an die Volksschule in Rosental. Er trat 1927 aus der kath. Kirche aus, galt seitdem als konfessionslos und schloss sich der Freidenker-Bewegung an, die in Rosental über einige Mitglieder verfügte. 1925 Rosentaler Freidenker, deren Anzahl während der vergangenen Jahre angestiegen war, eine Ortsgruppe gegründet.
Oberlehrer Rudolf Fischer gründete 1921 den Arbeiteradfahrverein „Edelweiß“. Das Gründungsfest fand im Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ statt und Vertreter von Radfahrvereinen aus dem ganzen Bezirk beteiligten sich am festlichen Umzug. Die Rosentaler konnten sich nach Wettstreiten mit so manchem Lorbeerzweig schmücken und bei Veranstaltungen im Ort selbst, viel Beifall für ihre erstaunlichen, nahezu akrobatischen Vorführungen ernten.
1928 trat Rudolf Fischer der DSAP bei. Neben seiner Tätigkeit als Schulleiter war er über Jahre hinweg ehrenamtlich nahezu ein Multifunktionär, unter anderem in der Gemeindevertretung, in der Bezirksvertretung und im Bezirksausschuss Braunau. Er war Obmann des Bezirksvereins Arbeiterfürsorge und des ATUS Rosental, Leiter der Naturfreundeorganisation, Mitglied der Bezirksstraßenkommission in Braunau und des Bezirksbildungsausschusses.
Im Frühjahr 1933 entfernte Fischer mit Gleichgesinnten in einer waghalsigen Kletteraktion ein hölzernes Hakenkreuz von einer Wand in den Adersbacher Felsen, das dort sudetendeutsche Sympathisanten des Deutschen Reiches in schwindelerregender Höhe angebracht hatten.
1937 ernannte ihn die zuständige Behörde zum Revisor für die Gedenkbücher der Gemeinden der Bezirke Braunau und Wekelsdorf – das Rosentaler Gedenkbuch hatte bei einer landesweiten Ausstellung überzeugt. Zu seiner ebenfalls umfangreichen publizistischen Tätigkeit gehören Publikationen über das Braunauer Ländchen, die Adersbacher und Braunauer Felsenstädte, Flurnamen aus dem Braunauer und Wekelsdorfer Bezirk, di Volkstracht und Volksernährung im Braunschen u.v.m. Oberlehrer Rudolf Fischer führte von 1926-1939 die Dorfchronik und von 1921-1939 die Schulchronik.
Der Anschluss der Sudetengebiete an des Deutsche Reich am 1. Oktober 1938 beutete für den Oberlehrer Rudolf Fischer nach 17jähriger Tätigkeit das Ende als Schulleiter. Am 22. Sept. 1938 verließ Rudolf Fischer Hals über Kopf die Schule und floh zu seiner Familie nach Čelákovice in der Nähe von Prag, musste aber kurz darauf in seinen ehemaligen Wohnort zurückkehren, wo er mit „Verräter“, „Volksverräter“ empfangen wurde. Als aktiver und öffentlich auftretender Sozialdemokrat war er dafür bekannt, dass er die politischen Bestrebungen und Ziele Konrad Henleins kritisierte. Seine aktive Mitgliedschaft in der DSAP und das öffentliche Agieren in den Jahren zuvor gegen die politischen Ansichten Konrad Henleins wurden ihm zum Verhängnis.
Am 14.10.1938 verhaftete ihn die Gestapo und brachte ihn ins Gefängnis nach Braunau. Von hier aus kam er ins Polizeigefängnis nach Waldenburg zu einer Woche Einzelhaft unter verschärften Bedingungen. Bis Januar 1939 wurde er ständig verhört und dann entlassen und unter Aufsicht gestellt.
Er verlor am 31. Mai 1939 nicht nur seine Anstellung im Schuldienst, sondern war fast bis zum Kriegsende in Breslau interniert, wo er in einem Unternehmen, in dem Eisenbahn-Fahrzeuge hergestellt wurden, als Hilfsarbeiter einer Dienstverpflichtung unterlag.
Mit seiner Frau Maria hatte er drei Kinder, Sein Sohn Volker fiel 1944 als Soldat in Flandern.
Nach dem Krieg wurde Rudolf Fischer von der zuständigen Behörde am 10.5.1945 mit der Verwaltung der Gemeinde beauftragt, was dem Status eines Bürgermeisters gleichkam. Diese Aufgabe übte er bis Jahresende aus.
Mit Beginn 1946 wurde er stellvertretender Leiter der ANTIFA-Aussiedlungsaktion in Braunau. Mit dem ersten Transport am 29.7.1946 verließ er mit den noch verbliebenen Familienangehörigen Stadt und Land. Am 1.8.1946 kamen sie in Friedberg bei Augsburg an.
Am 21.10.1947 wurde er als Referent der Schulabteilung am Regierungspräsidium in Augsburg eingestellt. Anfang 1949 erhielt er die Anerkennung als politischer Häftling des Nationalsozialismus, allerdings nur für die Zeit der Inhaftierung durch die Gestapo.
Von 1937 bis 1947 hatte er keine eigenen Einkünfte, sondern verdiente lediglich manchmal etwas nebenbei. Auch seine Anstellung bei der Regierung von Schwaben linderte die wirtschaftliche Lage der Familie kaum.
Am 30. September 1949 erlag er seinem Kehlkopf-Krebsleiden.
Sein jüngerer Bruder Alfred brachte es ebenfalls zum Oberlehrer. Auch er blieb im Brauner Ländchen und unterrichtete von 1933 bis 1938 an der Volksschule in Wiesen. Am 24.5.1945 wurde er mit Leidensgefährten in Hohenelbe von Tschechen erschossen.
aus: Baldur Haase: Rosental im Braunauer Ländchen (2022)