Bedeutende Persönlichkeiten

Veröffentlicht am 02.01.2026 in Allgemein

Franz Marschner (1890-1964)

Franz Marschner wurde am 1.11.1890 in Schönborn Bz. Rumburg geboren. In Warnsdorf erblickte seine Frau Martha, geb. Bartosch am 3.12.1892 das Licht der Welt. Hier heiraten sie am 2. Mai 1914. Franz Marschner trat 1911 in den Verband jugendlicher Arbeiter Österreichs ein und wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Von 1911 bis 1915 war er als Angestellter der Kreisgewerkschafstkommission in Warnsdorf tätig. Seine Frau Martha trat 1913 in die Partei ein. Sie war später Mitglied im Vorstand der Sozialdemokratischen Frauenorganisation.

Der Krieg riss das Ehepaar auseinander der Gewerkschaftsangestellte Franz Marschner musste 1915 einrücken und im April geriet er in den Karpaten in russische Kriegsgefangenschaft. Er wurde nach Sibirien verbracht. Hier erlebte er den Untergang des Zarenreichs, den Bürgerkrieg und die russische Revolution mit. In den Wirren dieser Tage blieben die Kriegsgefangenen vergessen. Franz Marschner und ein paar Kameraden unternehmen das Wagnis, nach Hause zu marschieren. Es gelang ihnen! Doch sie waren eineinhalb Jahre unterwegs. Martha wusste in dieser Zeit nichts von ihrem Mann, doch sie gab die Hoffnung auf seine Rückkehr nie auf. Ihr Ausharren wurde im Dezember 1919 belohnt.

Nach der Rückkehr in die Heimat war Franz Marschner von 1919 bis 1924 Redakteur später Administrator der „Volksstimme“ in Warnsdorf. 1922-1925 war er Vorsitzender der Lokalorganisation der DSAP Warnsdorf. 1925 arbeitete er als Kassier in der Verwaltung des „Sozialdemokrat“ in Prag. 1926 bis zu seiner Flucht 1938 leitete er die Arbeiterbäckerei in Rumburg.

Die parteipolitische und gewerkschaftliche Aktivität Franz Marschners brachte ihm mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus zunehmende Schwierigkeiten. Als der Umsturz nahte und offene Drohungen gegen ihn ausgestoßen wurden, zog er die bittere Konsequenz und emigrierte.

 

Die Stationen der Flucht beschreibt Franz Marschner in seinem Tagebuch:

1. Ausgangspunkt

• Rumburg (Rumburk) – Sudetenland

Beginn der Flucht nach dem Einmarsch nationalsozialistischer Formationen.

2. Erste Fluchtbewegung ins Landesinnere

• Georgswalde (Jiříkov) – Durchfahrt

• Schönlinde (Krásná Lípa) – Durchfahrt

• Teichstatt / Obergrund / St. Georgental – Ausweichroute

• Schöberpass – Übergang hinter die tschechoslowakischen Verteidigungslinien

• Böhmisch Leipa (Česká Lípa) – erste sichere Zone

• Bösig (Bezděz) – vorläufiger Aufenthaltsort

• Stránka – Unterkunft bei Bekannten

• Mšeno – weiterer Aufenthaltsort

• Jungbunzlau (Mladá Boleslav) – Kontaktstelle und Zwischenstation

• Töschen (Tušice / Tuhaň‑Region) – weitere Station während der Evakuierung

3. Zentrale Sammel- und Organisationspunkte

• Prag (Praha)• politische Koordination

• Kontakt zu Hilfsstrukturen

• Vorbereitung der Ausreise der sudetendeutschen Sozialdemokraten

4. Weiterreise

mit dem Zug von Prag – Český Brod – Iglau – Brünn

Am nächsten Tag von Brünn – Kunowitze – Trencin-Teplitz – Zilina- Kralowani -Sucha Hora

Sucha Hora– Krakau – über Kattowitz – unbekannter Umsteigeort - Tcew - über

reichsdeutsches Gebiet nach Gdynia

Dann mit dem Schiff durch den Kieler Kanal – über Brunsbüttel – über Cuxhaven – London Hafen

Weitere Stationen in England: Farley Green Treetops – Quendon – Margate

 

Franz Marschner floh zuerst alleine und seine Frau Martha (*1892) und die Tochter Herta (*1923) folgten ihm kurze Zeit später. Er beschreibt, dass er sehr gut in England aufgenommen wurde und von den Einladungen zum Tee. Über die spätere Zeit in London gibt es leider keine detaillierten Informationen, nur so viel: Die Familie fand in London eine zweite Heimat, für zwanzig Jahre. England und London sind ihnen lieb geworden. Eigentlich habe er nicht mehr an die Rückkehr nach Deutschland gedacht, so Franz Marschner in seinen Erinnerungen. Doch dann heiratete die Tochter Herta in die Schweiz. In Schaffhausen wurde sie ansässig. Die Familie zog 1956 nach Deutschland und nachdem er die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatte, übersiedelte die Familie 1957 nach Spaichingen in die Lehmgrubensiedlung, Lilienweg 5.

Franz Marschner starb am 21.5.1964.

Martha Marschner bekam zu ihrem 85. Geburtstag ein Glückwunschtelegramm von Willy Brandt auf Grund der über 60jährigen Parteizugehörigkeit.

 

Informationen von Herrn Vivian Biner – Enkel

 

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