seliger-online 17.09.2024

Veröffentlicht am 20.09.2024 in Allgemein

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Jugend voran: junge Menschen in den deutsch-tschechischen Beziehungen

Am 17. September 2024 lud die Seliger-Gemeinde zu ihrer 4. Seliger-online-Veranstaltung in diesem Jahr ein. Unter dem Motto „Jugend voran: junge Menschen in den deutsch-tschechischen Beziehungen“ konnten rund 20 Teilnehmer sich dem Dialog zu Perspektiven der Arbeit mit und von jungen Menschen für den deutsch-tschechischen Dialog mit Mario Hierhager, dem Vorsitzenden der Sudetendeutschen Jugend (SdJ – Jugend für Mitteleuropa) stellen.

Bundesvorsitzende Christa Naaß, die das Gespräch moderierte, verweist eingangs auf den in der Seliger-Gemeinde laufenden Dialog mit den jüngeren Mitgliedern zum deutsch-tschechischen Austausch und der Arbeit in der Seliger-Gemeinde und deshalb habe man auch den Dialog zu Mario Hierhager, Vorsitzender der Sudetendeutschen Jugend  gesucht. Es freue sie sehr, so Naaß weiter, dass dieser Termin stattfinden könne, denn Mario Hierhager habe schon jahrelang in der sudetendeutschen Jugend am deutsch-tschechischen Verständnis mitgearbeitet. Der seit 2018 die Sudetendeutsche Jugend führende Hierhager, den Christa Naaß kurz vorstellte, hatte auch seine stellvertretende Vorsitzende Stephanie Januschko mitgebracht. Besonders freue sie, so Naaß am Ende ihrer Vorstellung, dass Mario Hierhager die Sudetendeutsche Jugend auch im Sudetendeutschen Rat vertrete, dessen Generalsekretärin sie ist.

Mario Hierhager outete sich anfangs als SPD-Mitglied und zeigte sich erfreut über die Einladung zu seliger-online, der er gerne nachgekommen sei. Auf die Frage nach seinem Bezug zur sudetendeutschen Jugend erklärte Hierhager, dass es weder persönlich noch in der Familie einen solchen Gegeben habe. Er habe lediglich als 15-oder 16Jähriger mit seinen Freunden am deutsch-tschechischen Jugendzeltlager ins Gaisthal/Oberpfalz an der tschechischen Grenze teilgenommen. „Das proeuropäische und bilinguale Umfeld und die tolle Arbeit, die dort geleistet wurde, haben mich wie ein Sog hineingezogen“. Erst später stellte er sich erstmals auch selbst die Frage seiner Herkunft. Erst nach mehreren Jahren habe ihm seine Mutter dann berichtet, dass sein Opa auch Sudetendeutscher gewesen sei. Schließlich stieg er in der Sudetendeutschen Jugend auf und wurde 2018 deren Vorsitzender. Mit Mitte dreißig habe er nun die „echte Jugendarbeit“ anderen überlassen und engagiere sich mehr politisch.

Weiter wollte Christa Naaß mehr über die Aufgabenstellung der seit 1950 bestehenden sudetendeutschen Jugend in Europa wissen. Hierhager beschrieb die vielfältige Tätigkeit der Nachwuchsorganisation der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Man habe, so Hierhager, zwar den satzungsgemäßen Auftrag zur Jugendarbeit der Landsmannschaft, sei aber eine weitgehend eigenständige Organisation. Es gebe keinen zwingenden Übergang in die Landsmannschaft. Die Aufgaben hätten sich im Laufe der Jahrzehnte von der Selbstorganisation direkt nach der Vertreibung, hier waren ja Hundertausende Jugendlicher betroffen, zur deutsch-tschechischen Jugendarbeit verschoben. In vielen Untergruppierungen werde vorwiegend auch der Erhalt der Kultur, der Sprache und der Musik praktiziert. Studienfahrten, Zukunftsworkshops, Öffentlichkeitsarbeit, Gremienarbeit und natürlich das „Böhmische Dorffest“ beim Sudetendeutschen Tag rundeten das Aufgabenfeld ab. Die „Erklärung der Jugend“ und eine politische Veranstaltung seien alljährlich ebenfalls Bestandteil des Sudetendeutschen Tages.

Bezugnehmend auf die Rede beim Sudetendeutschen Tag 2024 in Augsburg fragte Christa Naaß nachh, wie sich die sudetendeutsche Jugend gerade in der eigenen Landsmannschaft Gehör verschaffe. Hierhager fand die Frage spannend und zählte mit der „Erklärung der Jugend“ und dem Rundbrief „Powidltascherl“ die zwei wohl wichtigsten Möglichkeiten auf. Die Teilnahme an der Bundesversammlung der SL und der Sitz im Vorstand seinen zwar hilfreich, aber der Generationenkonflikt bremse doch die eine oder andere Idee aus.

Christa Naaß griff dieses Stichwort auf und erklärte, dass die Seliger-Gemeinde gerade aus diesem Generationenkonflikt heraus das Gespräch mit den jungen Mitgliedern suche, um deren Vorstellung der Vereinsarbeit aufzunehmen und umzusetzen. Ein Thema der „Erklärung der Jugend 2024“ war, so Naaß weiter, das Ergebnis einer Studie - die nun durch die Wahlergebnisse in Sachsen und Thüringen bestätigt wurde - dass vor allem junge Männer sich immer stärker der AfD zuwenden würden. Sie wollte wissen, welche Erklärungs- und Lösungsvorschläge die SdJ dazu habe. Es gebe keine einfachen Antworten auf dieses komplexe Thema, antwortete Hierhager nachdenklich. Die Politik zeige sich derzeit allgemein als Getriebene und das Problem sei sehr vielschichtig. Hierhager, der rund 5 Jahre in Sachsen und Thüringen gelebt hat, berichtete von eingefahren Klischees, die die dortige Jugend in ihrer Meinung bestärke, sie sei „abgehängt“. Die fehlende Aufklärung und der fehlende persönliche Kontakt zu jungen Westdeutschen und auch zu jungen Migranten (gerade die Ostländer haben eigentlich eine sehr geringe Zahl an Migranten zugewiesen bekommen) bestärke deren Innensicht. Hierhager forderte, dass alle – auch die Seliger-Gemeinde – lauter werden müssten, wenn die Grenze des Sagbaren (z.B. bei der Flugblattaffäre Aiwanger) immer mehr ins Negative verschoben werde. „Wir müssen aufstehen und erklären, dass das nicht in Ordnung ist“, so der Vorsitzende der SdJ.

Auf die Frage wie politische Arbeit mit Jugendlichen funktionieren kann, erklärte Hierhager, dass zuerst das gegenseitige Kennenlernen und die Bildung einer Gemeinschaft erfolgen muss – ja auch Partys hätten hier ihre Berechtigung – bevor man die jungen Menschen mit politischen Themen konfrontiere. Unter Zwang passiere gar nichts. Freude und Freunde sind auch die Motivation von Stephanie Januschko, sich weiter im deutsch-tschechischen Dialog zu engagieren. Dann komme die Kultur und erst mit der Zeit der geschichtliche Aspekt.

Helena Päßler, Co-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde und ehemalige Schulleiterin, warf nachdenklich ein, dass „die Schule“ wohl diesen Aspekt der Bildungsarbeit vernachlässige. Es reiche bekanntlich nicht Gedenkstätten zu besuchen, zur politischen Bildung gehöre anscheinend auch das Miteinander. Uli Miksch griff das Miteinander auf und erklärte, dass er zwar nicht mehr die Generation „Zeltlager“ sei, aber das Treffen und das Beisammensein mit deutschen und tschechischen Freunden sehr schätze.

Ralf Pasch bemängelt in der anschließenden Diskussionsrunde die Aufarbeitung der eigenen Geschichte in der SL und bezeichnete die Seliger-Gemeinde im Gegensatz dazu als eher progressiv. Es sei seiner Meinung nach Aufgabe der Sudetendeutschen Jugend Haltung zu erzeugen und diese in der SL einzufordern. Hierhager nahm dies als Anregung auf und erklärte, dass vor 20 Jahren die SdJ noch kritisch beäugt und beschimpft wurde, wenn sie „mit tschechischen Jugendlichen gemeinsame Sache gemachte.“ Heute stelle sich die SL so dar, als sei sie der Fachverband, der dies schon seit 80 Jahren mache.

In der anschließenden Abendschule zu den Grundlagen der Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie referiere Dr. Thomas Oellermann über die sudetendeutschen sozialdemokratischen Jugendverbände.

Diese seliger-online-Veranstaltung wird als Video auf unserem YOUTUBE-Kanal zur Verfügung gestellt. Auch die anschließende Abendschule kann jederzeit als Podcast nachgehört werden.

Die Veranstaltung fand mit großzügiger Unterstützung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages statt.

 

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