Jahresseminar 2022

Veröffentlicht am 09.11.2022 in Allgemein

Christine Roth (re.) erzählt im Beisein ihrer Mutter Christine Haschek (Mitte) im Gespräch mit Ulrich Miksch (li.) über ihren Vater Willi Haschek.

 

Erinnerungen an Willi Haschek

Christine Roth erzählt über ihren Vater - Nicht spurlos aus der Geschichte verschwinden

Beim Jahresseminar 2022 der Seliger-Gemeinde in Bad Alexandersbad berichtete Christine Roth, den Mitgliedern bekannt durch ihre Mitarbeit in der Redaktion der „Brücke“, im Erzähl-Café über die Erinnerungen an ihren Vater Willi Haschek. Moderator Ulrich Miksch sprach mit Christine Roth über die Broschüre „Was bleibt“, die sie über das Leben ihrer Großeltern und Eltern zusammengestellt hat und hierin die Geschichte von der DASP zur Seliger-Gemeinde mit vielen persönlichen Erlebnissen, Geschichten, alten Bildern und historischen Dokumenten erzählt.

Christine Roth beginnt ihre Aufzeichnungen in der Broschüre „Was bleibt“ mit den Worten „Ist doch die Erinnerung, das was bleibt, wenn alles andere verloren geht“ – Worte von Dorothea Freidrich in einer Laudatio auf Dieter Navratil anlässlich seiner Ausstellung „Was bleibt“. In ihrer Publikation hat sie ihre persönlichen Erinnerungen an ihren Vater aufgeschrieben und möchte damit vor allem auch an den Sozialdemokraten Willi Haschek erinnern. Sie recherchierte in alten Familienalben, hörte sich Geschichten ihrer Mutter Christine Haschek an und stöberte in alten Artikeln in der „Brücke“, der „Süddeutschen Zeitung“, den „Dachauer Nachrichten“ und im Internet. Viel persönliches Material über die politische Arbeit des Vaters bekam sie von seiner Jugendfreundin Olga Sippl. Willi Haschek war ein liebevoller, fürsorglicher Vater und Opa, aber auch ein charismatischer Redner und großartiger Diplomat, so das Resumee seiner Tochter Christine Roth.

Wilhelm Otto Haschek wurde am 7. Februar 1920 als zweites Kind von Anna und Albert Haschek in Janessen bei Karlsbad in eine sozialdemokratische Arbeiterfamilie hineingeboren. Sein Vater war Bergmann, seine Mutter arbeitete in einer Porzellanfabrik. Willi wuchs somit in die Kinder- und Jugendorganisationen der sudetendeutschen Arbeiterbewegung wie den Falken, die Sozialisteische Jugend oder den Arbeiter Turn- und Sportverein (ATUS) hinein auf. Vater Albert war ein treues Mitglied der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP). Seine Mutter Anna aber war eine begeisterte Sozialistin. Sie besuchte nach der Arbeit abends öffentliche Vorträge, weil sie sich ein Wissen beschaffen wollte, das ihr die Schule nicht gewährt hatte. Anna Haschek wurde die erste Vorsitzende der sozialistischen Frauengruppe ihres Ortes, später Vorsitzende der DSAP und Mitglied des Frauenbezirksausschusses  in Karlsbad. Hierzu fand Christine Haschek neben alten Fotos auch historische Dokumente, zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert – das historische Gedächtnis ihrer Familie.

Als Marie Günzl, eine gute Freundin von Anna Haschek, 1938 im Karlsbader Bezirksgefängnis als politische Gefangene einsaß, war es Anna Haschek die fast täglich den Waldweg hinter dem Gefängnis einherging um Essen und Briefe zu bringen. Wenn sie nicht kommen konnte, schickte sie ihren Sohn Willi.

Willi Haschek lernte nach Abschluss der Bürgerschule Dekorateur und Tapezierer. Er arbeitete als Raumgestalter für die Handwerksfirma Anton Pleier in den besten Hotels und Häusern in Karlsbad. Sein Bruder war Schriftsetzer und Drucker in der „Graphia“ Druck- und Bverlagsanstalt in Karlsbad.

Willi schloss sich bereits in seiner Jugend der sudetendeutschen Arbeiterbewegung an. Und wurde kurz vor dem Münchner Abkommen 1838 Vollmitglied der DSAP. Als Anhänger dieser Partei wurde er von den Nazis verfolgt. Seiner drohenden Verhaftung konnte er sich nur durch die Meldung zum Arbeitsdient entziehen. Dort hat er hauptsächlich für die Rüstung und für den Flugzeugbau bei der Drei Linden AG in Berlin gearbeitet. Wenig später kam er zur Wehrmacht. Nach der Kriegsgefangenschaft in Russland und Frankreich kam er 1945 nach Kalsbad zurück. 1946 wurde er, wie der Rest seiner Familie, nach Pellheim bei Dachau vertrieben. Dort lernte er seine Christl kennen.

Zusammengefunden mit Olga Sippl hatte Willi Haschek wieder in der Seliger-Gemeinde, in der Dachau und München zum südbayerischen Mittelpunkt der Treuegemeinschaft wurden. Er und seine Frau Christl waren hier mit vielen Ideen und Aktivitäten engagiert. Willi Haschek war Gründungsmitglied der Dachauer Gruppe 1955 und 37 Jahre deren Orts-Vorsitzender. Zudem war er Mitglied des Bundes- und Landesvorstandes der Seliger-Gemeinde und u.a. bei der Enthüllung der Gedenktafel für Ludwig Czech in Theresienstadt und der Gedenktafel an der „Graphia“ in Karlsbad dabei. Für seine großen Verdienste wurden ihm die Richard-Reitzner-Medaille und die Josef Seliger Plakette (1992) verliehen. Im Hause Haschek trafen sich die Damen der Handarbeitsgruppe, die ihre Einnahmen dem Sozialwerk der Seliger-Gemeinde zukommen ließ.

Willi Haschek war vom Scheitel bis zur Sohle Sozialdemokrat. Bald schon engagierte er sich bei der SPD in Dachau. Er regte auch seine Frau Christl zu politischen Arbeit an. Sie trat 1951 in die SPD ein, war langjährige Stadträtin in Dachau und Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt. Seit 1971 ist sie Mitglied in der Seliger-Gemeinde und führte von 1990 bis 2015 als Geschäftsführerin das Sozialwerk der Seliger-Gemeinde. Der Faschingsball und das Grillfest der Ortsgruppe Dachau, aber vor allem die Kranzniederlegung zum Tag der Befreiung im KZ-Dachau gehen auf die Initiative von Willi und Christine Haschek zurück und letzteres wird bis heute von ihr begleitet.

Willi Haschek starb am 30. März 2004. Seine Frau Christine ist bis heute aktiv und begleitete ihre Tochter nach Bad Alexandersbad um den Erinnerungen an ihren Willi zu lauschen.

 

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