4. März 1919

Veröffentlicht am 04.03.2019 in Bundesverband

Anlässlich des 100. Jahrestages der Geschehnisse am 1. März 1919 fährt die Seliger Gemeinde während des Frühjahrsseminars vom 12.-14. April nach Kaaden und pflanzt einen Baum für den jüdischen Pädagogen Alfred Kleinberg, der sich 1939 auf der Flucht vor den Nazis in Prag umbrachte.

 

Heute vor 100 Jahren starben 54 Menschen durch die Kugeln der tschechoslowakischen Polizei auf sozialdemokratisch geführte Demonstrationen der deutschsprachigen Minderheit: 25 in Kaaden, 16 in Sternberg, 6 in Karlsbad, 2 in Arnau, 2 in Eger, 2 in Mies und 1 in Aussig. Unter den Toten waren 20 Frauen und Mädchen, ein 80-Jähriger und Buben im Alter von 14, 13 und 11 Jahren.

 

Nach der Auflösung Österreich-Ungarns wurde in den mehrheitlich deutsch besiedelten Gebieten die versprochene freie Entscheidung über die staatliche Zugehörigkeit vorenthalten und wie in anderen Teilen der Tschechoslowakei eine minderheitenfeindliche Politik betrieben. Zu den Forderungen des 4. März gehörte an erster Stelle das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das von US-Präsident Woodrow Wilson als Grundprinzip der Friedensregelung proklamiert worden war. Außerdem forderten die Redner den Abzug der tschechischen Truppen und die Freigabe zurückgehaltener Lebensmittel- und Kohlelieferungen.

Eine Auflösung der verhärteten Situation wurde erst nach den Parlamentswahlen von 1929 möglich, als die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in die Prager Regierung eintreten konnte. Das Projekt einer nationalen Verständigung im staatlichen Rahmen der Tschechoslowakei traf dann aber auf den harten Widerstand der zunehmend NS-kontrollierten Sudetendeutschen Partei und auch der Kommunisten, die die Regierungsbeteiligung der sudetendeutschen Sozialdemokraten als "sozialfaschistischen Betrug" angriffen und in ihrem neuen Parteiprogramm bis 1934 die sofortige Unabhängigkeit des Sudetenlandes forderten.

Die Opfer des 4. März 1919 erhielten keine Entschädigung, die Täter wurden nicht ermittelt und bestraft. Für die Sudetendeutschen wurde der 4. März als „Tag der Selbstbestimmung“ zu einem Gedenktag, der nach dem Münchner Abkommen 1938 von den NS-Machthabern vereinnahmt und propagandistisch missbraucht wurde.

Am Ende standen die Besetzung des Sudetenlandes durch Hitlers Truppen, die Auflösung der Tschechoslowakei, der Terror der Nazibesatzer und die Vertreibung der übergroßen Mehrheit der Deutschen mit wiederum zehntausenden Todesopfern.

 

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